Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Was das Virus verändert

Vorarlberg / 13.03.2020 • 06:59 Uhr

Was so ein Virus alles verändert! Es kommt zu massiven staatlichen Eingriffen in die Lebensweise der Bürger, Sportveranstaltungen, Konzertbesuche und Reisen nach Italien gehören bis auf Weiteres der Vergangenheit an. Kinos können nur maximal 100 Personen aufnehmen. Die meisten Betroffenen nehmen die Einschränkungen mit Einsicht zur Kenntnis, auch wenn dies, wie etwa im Tourismus, zu massiven wirtschaftlichen Nachteilen führt.

Videokonferenzen

In der Wirtschaft und in der Verwaltung entdeckt man das eigentlich schon länger bekannte Instrument der Videokonferenz, was auch in Zukunft dazu führen sollte, dass viele Dienstreisen nicht mehr notwendig sind.

„Wenn die Corona-Krise überwunden sein wird, werden die Experten ihre Kritik mit Sicherheit wieder anstimmen.“

Wie viele Flüge werden von Vorarlberg nach Wien wegen kurzer Besprechungen in Anspruch genommen? In den Schulen und an den Universitäten müssen neue, digitale Methoden der Wissensvermittlung angewendet werden. Glücklicherweise kann auf neue, fortschrittliche Verfahren zurückgegriffen werden, die es im Grunde schon längst gibt.

Spitalsbetten

Und es gibt neue Erkenntnisse: Bisher gab es kaum einen Gesundheitsökonomen, der nicht die im internationalen Vergleich hohe Zahl an Spitalsbetten in Österreich kritisierte und damit die Forderung nach einer Reduzierung des sogenannten stationären Bereichs im Gesundheitswesen – vor allem in den Ländern – erhob. Natürlich war für sie der Föderalismus schuld, der nach Ansicht der Zentralisten zu einem Wildwuchs an Spitälern führte. Die Krisenstäbe auf Bundes- und Landesebene sind heute froh, dass noch freie regionale Kapazitäten zur Verfügung stehen, auch wenn es im Notfall dennoch sehr knapp werden kann. Ich habe jedenfalls seit einiger Zeit keinen Experten mehr gehört, der die zu vielen Betten in den österreichischen Spitälern beklagt hätte.

Wenn die Corona-Krise überwunden sein wird, werden die Experten ihre Kritik mit Sicherheit wieder anstimmen. Man sollte sie dann aber daran erinnern, dass es ein wichtiger Grundsatz einer umsichtigen Krisenvorsorge ist, im Ernstfall über genügend Kapazitäten – gerade auch regionale – zur Bekämpfung einer unvorhergesehenen Situation zu verfügen.

Peter Bußjäger ist Direktor des ­Instituts für Föderalismus und ­Universitätsprofessor in Innsbruck.