Mutter in Sorge: So gefährlich ist das Coronavirus für Krebskranke

Vorarlberg / 12.03.2020 • 07:00 Uhr
Mutter in Sorge: So gefährlich ist das Coronavirus für Krebskranke
Nicole Goeritz mit ihrer schwerkranken Tochter Amelie. VN/STEURER

Eine besondere Bedrohung ist das Coronavirus für krebskranke Menschen, deren Immunsystem beeinträchtigt ist.

Meiningen Seit dem Auftauchen des Coronavirus ist bei Nicole Goeritz die Angst da. Die 34-Jährige sorgt sich vor allem um ihre Tochter Amelie (3). Das Kind leidet an Blutkrebs und muss sich derzeit einer Chemotherapie unterziehen. „Wenn sie Chemo hat, ist sie besonders anfällig für Infekte. Dann ist sie oft erkältet“, berichtet ihre Mutter. Ihr ist klar: Wenn sich ihre leukämiekranke Tochter jetzt auch noch das Coronavirus einfangen würde, könnte das das Todesurteil für sie bedeuten. Deshalb geht sie mit ihrer schwerkranken Tochter gar nicht mehr aus dem Haus. „Wir besuchen nicht einmal mehr die Großeltern. Auch spazieren gehen wir nicht mehr.“

“Dass uns ein neues Virus bedroht, versteht Amelie noch nicht.”

Nicole Goeritz, Mutter eines krebskranken Kindes

Die Tage zu Hause aber sind lang, vor allem für ihre dreijährige Tochter. „Mama, Mama, mir ist langweilig.“ Das muss sich die zweifache Mutter jetzt oft von Amelie anhören. Dabei gibt sich Nicole alle Mühe, um ihr krankes Kind zu unterhalten. „Wir sind bestens ausgestattet mit Spielen, Malbüchern, Lego und Kinderfilmen.“ Aber vieles, was Amelie gern tut, geht derzeit nicht: Bus und Bahn fahren, ins Hallenbad schwimmen gehen, einkaufen gehen, Freundinnen besuchen. „Deshalb meint sie, dass sie wieder sehr krank ist. Dass uns ein neues Virus bedroht, versteht sie noch nicht.“

Das Virus kam zu einer schlechten Zeit für das kleine Mädchen. Weil sein Immunsystem sehr schwach war, stand das Kind von Jänner bis September mehr oder weniger unter Quarantäne. „Amelie freute sich darauf, wieder etwas unternehmen zu können und unter Menschen zu gehen. Aber dann kam das Coronavirus“, bedauert die Mutter, dass ihr Kind nun wieder in seiner Freiheit eingeschränkt ist. Nicole hofft, dass keiner in der Familie mit dem Virus angesteckt wird. „Wenn es meinen Mann und mich trifft: Wer schaut dann auf unsere Kinder und das kranke Kind?“

“Am sichersten ist man daheim”

In Vorarlberg leiden einige Tausend Menschen an Krebs. Pro Jahr kommen 1500 Neuerkrankungen dazu. „Gut ein Drittel davon unterzieht sich derzeit einer Chemotherapie“, schätzt Dr. Gebhard Mathis, der Präsident der Krebshilfe Vorarlberg. Eine Nebenwirkung der Chemotherapie ist, dass das Immunsystem beeinträchtigt wird. „Deshalb sind diese Menschen anfälliger für Infekte als gesunde Menschen.“ Das Coronavirus hätte bei diesen Menschen ein besonders leichtes Spiel. „Sie sollten daher die Sozialkontakte einschränken“, empfiehlt Mathis. Seiner Meinung nach sind diese Patienten „daheim am sichersten“.