Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Ein Lob vorab

Vorarlberg / 11.03.2020 • 10:00 Uhr

Während das Coronavirus der Welt eine unabsehbar lange Nachdenkpause verordnet, werden am Sonntag in Vorarlberg 1809 Menschen in neue Funktionen gewählt. Neben ihren Brotberufen wollen sie fünf Jahre lang jenes Gemeinwesen mitgestalten, in dem sie zu Hause sind. Dafür darf man aufrichtig dankbar sein.

Sie werden gleichermaßen für Freunde und die missliebigen Nachbarn da sein müssen für jene, die ihren Liebsten nimmermüd das Händewaschen anempfehlen und jene, die heimlich Desinfektionsmittel stehlen. Für die Menschenfreunde und Miesepeter, die Wohlmeinenden und Missgünstigen. Applaus werden sie ernten, aber auch Ablehnung, wissende Aufmunterung und unwissenden Neid.

Ist es das wert? Nicht des Geldes wegen, Gemeindevertreter werden nicht reich. Aus Gründen des erhöhten Ansehens? Dafür hat die Politik zu viel Schaden genommen durch die sattsam bekannten Beispiele. Weshalb also dann? Weil es eine Kunst ist, über den vielen Differenzen das Verbindende zu sehen, die Gemeinschaft aller, die da heißt: unser Dorf oder unsere Stadt. Und sich in ihren Dienst stellen. Das ist an sich schon respektabel.