Sorge um Coronavirus: “Es liegt alles in Gottes Hand”

Das Coronavirus gefährdet vor allem ältere Menschen. Irene (69) sorgt sich mehr um ihren 82-jährigen Mann und ihre hochbetagte Mutter als um sich.
St. Gallenkirch Irene (69) lebt mit ihrem Mann Horst (82) und ihrer Mutter Hedi (93) zusammen. Sie kümmert sich fürsorglich um die beiden alten Menschen. Jetzt ist sie in Sorge um ihre Lieben. Sie hat Angst, dass das Coronavirus die Menschen, die sie am meisten liebt, dahinraffen könnte. „Wir gehen nur noch außer Haus, wenn es absolut nötig ist“, will sie die Gefahr einer Ansteckung minimieren.
“Gehe in keine Arztpraxis mehr”
Bis vor Kurzem ging Irene noch mehrmals in der Woche in den Supermarkt einkaufen. „Jetzt sieht uns das Geschäft nur mehr am Samstag.“ Die Medikamente, die ihre Lieben benötigen, hat sie – aus weiser Voraussicht – schon vor ein paar Wochen beim Arzt geholt. „Ich habe gleich mehrere Packungen mitgenommen. Es könnte ja einen Medikamentenengpass geben.“ Das Risiko, in eine Arztpraxis zu gehen, würde sie heute nicht mehr eingehen.
Irene hat mehrere Geschwister. Sie hat sie angewiesen, nicht mehr so häufig auf Besuch zu kommen, vor allem aus Rücksicht auf die hochbetagte Mutter. „Und wenn einer kommt, dann muss er sich als erstes die Hände waschen und sie anschließend desinfizieren.“ Mehr könne sie nicht tun. „Alles andere liegt in Gottes Hand.“
“Ich hoffe inständig, dass Österreich nicht zu Italien wird.”
Horst, Pensionist
Ihr Mann Horst sieht viel fern. Deshalb ist er bestens informiert über das Coronavirus und seine fatalen Auswirkungen. Der 82-Jährige findet es richtig, dass Österreich die Grenzen zu Italien dichtgemacht hat und Großveranstaltungen nun verboten sind. „Aber das wird wahrscheinlich nichts nutzen“, bezweifelt er, dass die Epidemie auf diese Weise eingedämmt werden kann. Er hofft inständig, „dass Österreich nicht zu Italien wird“. Aber in St. Gallenkirch fühlt sich Horst noch relativ sicher. „Hier am Land bin ich besser aufgehoben als in einer Großstadt.“ Ihm ist freilich klar, dass das Montafon sehr touristisch ist und das Virus auch über Touristen ins Tal eingeschleppt werden kann. „Fakt ist, dass man sich überall anstecken kann.“
Die unberechenbaren Viren bzw. die neue Krankheit bereiten auch seiner 93-jährigen Schwiegermutter Sorgen. „Ich bin zwar nicht kränklich, aber doch schon sehr alt“, weiß Hedi, dass sie als Hochbetagte besonders gefährdet ist. Hinter ihr liegt ein langes Leben. „Aber so eine Seuche habe ich noch nie erlebt.“ Ihre Eltern Serafina und Wilhelm hingegen hätten die Zeit miterlebt, in der die Spanische Grippe grassierte. „Die hat Millionen Menschen in Europa das Leben gekostet.“ Dass das Coronavirus dasselbe mörderische Potenzial hat wie die Spanische Grippe, glaubt Hedi aber nicht.