Von Nusskipferln, „Bossen“ und „Buckeln“

Vorarlberg / 08.03.2020 • 06:00 Uhr
Von Nusskipferln, „Bossen“ und „Buckeln“
Karl Gantner galt während seiner Dienstzeit in der Kriminalabteilung als der “Grandseigneur” der Einvernahmetaktik. VN/GS

Karl Gantner (84), Vorarlbergs am längsten dienender Kriminalist, blickt zurück.

Bregenz Der in Bregenz-Vorkloster noch am Tatort gestellte Bankräuber hält sich eine Pistole an den Kopf und droht: „Wenn ihr mich verhaftet, erschieße ich mich!“ Doch Karl Gantner, Abteilungsleiter der Kriminalpolizei, redet ruhig auf ihn ein: „Wenn ich von dir die Pistole kriege, kriegst du von mir auf der Dienststelle einen Kakao und Nusskipferl.“ Das wirkt. Der Räuber lässt sich widerstandslos festnehmen. „Und den Kakao und das Nusskipferl hat er auch bekommen“, erinnert sich Gantner. Es ist nur eines von vielen Erlebnissen, die den bekannten „Grandseigneur“ der Einvernahmetaktik prägten.

Jüngster Gendarm

Der nunmehr 84-jährige Fußacher ist seit 1996 in Pension und war der am längsten dienende Kriminalbeamte in Vorarlberg. Wie alle anderen Kriminalisten begann auch Gantner seinen Werdegang bei der damaligen Gendarmerie, und zwar im Jahr 1956 als jüngster Gendarm Vorarlbergs beim Posten Bregenz. „Ich hatte damals großes Glück mit dem erfahrenen Kommandanten Rudolf Doppelhofer, ein sehr agiler Beamter, der mich in die Praxis einführte“, sagt der 84-Jährige: „Bereits am vierten Tag meines Postendaseins begann mit einem großen Einbruchsfall in einer Lkw-Firma eine aufregende Ermittlungsarbeit, die mich bis nach Innsbruck führte.“

Ja, das war es, das packte ihn: Erhebungen, bei denen man im Land herumkommt. Die beste Gelegenheit dafür fand sich für den damals noch jungen Beamten, als er 1958 der Vorläuferabteilung der Kriminalpolizei, der Erhebungsgruppe, zugeteilt wurde. „Wir waren zu Beginn nur neun Beamte. Unsere Aufgaben waren Kriminalfälle wie Raub, Brand und Blutdelikte.“

Die Milieuplage

Die 70er-Jahre kamen und mit ihnen die Zeit der Zuhälterkriege in Vorarlberg. Ein damals entschärftes Strafrecht führte zum Zuzug des Milieus in den Westen. „Zuhälter aus Innerösterreich kamen im Handumdrehen nach Vorarlberg. Die Zuhälter waren die Bosse, ihre Gehilfen die Buckel.  100 Prostituierte bevölkerten die Straßen, Freier aus der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland reisten über die Grenzen“, erinnert sich Gantner. „Es entstand eine untragbare Situation. Keine Frau konnte sich nachts mehr auf die Straßen wagen, ohne von einer Prostituierten, einem Zuhälter oder auch einem Freier bedroht, bedrängt und unflätig angepöbelt zu werden.“

Jetzt reagierten Exekutive, Justiz und Land aus eigener Kraft. Der damalige Justizminister Egmont Foregger wurde nach Bregenz geladen, Staatsanwalt Franz Pflanzner und Untersuchungsrichter Adolf Würfel kämpften lange und erfolgreich für eine Verschärfung der Gesetzeslage. „Nun wurde die Zuhälterkriminalität mit strengen Strafen geahndet und ging schlagartig zurück“, sagt Gantner noch heute mit Erleichterung. Nach diesen Veränderungen wurde die Kriminalabteilung gegründet, mit der Gruppe „Leib und Leben“ (Mordkommission), die Gantner viele Jahre leitete.

zur person

Karl Gantner

Geburtstdatum 9. 5. 1935

1953 Eintritt Bundesheer und Gendarmerieschule Tirol

1955 Gendarmerieschule Gisingen

1956 Gendarmeriebeamter beim Posten Bregenz

1958 Erhebungsgruppe des Landesgendarmeriekommandos

1981 Leiter „Mordgruppe“ der Kriminalabteilung

1996 Pensionsantritt