Bezirksgericht: Mysteriöser Dieb in der Shisha Bar

Kellner gibt an, geohrfeigt und bestohlen worden zu sein – doch wer war der Täter?
Dornbirn Nur ein Märchen aus 1001 Nacht oder doch eine tatsächlich begangene Straftat? Der Beschuldigte am Bezirksgericht Dornbirn ist jedenfalls real und findet angesichts der gegen ihn gerichteten Vorwürfe und seines angeblichen Opfers klare Worte: „Ich habe den Typen noch nie gesehen, ich war damals gar nicht im Lokal und überhaupt: Nur ein Trottel würde so was machen!“
Einen „Klatscher“ verpasst
Mit dem „Typen“ meint er den Geschädigten, einen ehemaligen Kellner in einer Shisha-Bar, der als Zeuge Folgendes aussagt: „Der Mann kam rein und wollte, dass ich den Chef anrufe. Dann hat er mir einen Klatscher und eine Ohrfeige verpasst, bis ich mich umwandte und zum Hörer griff.“
Dies sei der Moment der Ablenkung gewesen, jener Augenblick, in dem das bedrohliche Gegenüber in sein Kellner-Portemonnaie gegriffen und sich daraus 600 Euro geschnappt hatte. „Es war der Betrag, der bei der Abrechnung gefehlt hat“ begründet der 27-Jährige die Höhe der angeblich gestohlenen Summe.
Dann die entscheidende Frage von Richter Frank Plasinger an den Zeugen: „Wenn Sie sich nun umdrehen und den Beschuldigten anschauen, ist das der Mann von damals?“ Der Angesprochene zögert zunächst. Schließlich blickt er doch ins Antlitz des Angeklagten und meint dann etwas zaghaft: „Von der Größe her wäre es okay. Aber wissen Sie, Herr Richter, das Ganze ist schon so lange her. Und dann noch die Probleme mit der Scheidung. Ich kann mich nicht richtig konzentrieren. Und ich darf ja auch nicht lügen …“
Entlastende Freundin
„Sie sind sich also nicht mehr sicher?“, wirft der Richter ein, erinnert ihn jedoch an Folgendes: „Damals, als Ihnen die Polizei ein Foto von ihm vorlegte, konnten Sie ihn noch identifizieren.“ Antwort des Zeugen: „Ich habe den Job mittlerweile gekündigt, fragen Sie doch den Chef.“ Nun hat der Beschuldigte eine Freundin, die als Zeugin vor Gericht beschwört: „Er war damals die ganze Woche bei mir.“ Der Angeklagte soll nach der Tat mit einem BMW weggefahren sein, doch die Zeugin sagt: „Mein Freund hat weder einen BMW noch einen Führerschein.“
Der Richter vertagt die Verhandlung, um noch den Chef als Zeugen zu laden. Es wird dann der bereits der dritte Prozess in dieser Sache sein. Etwas, das dem Beschuldigten deutlich missfällt: „Dann muss ich also nochmal kommen? Es reicht mir nämlich langsam mit diesen Gerichten …“