Dornbirn: Absolute der Bürgermeisterin wackelt

VN-Wahlprognose sieht Grünen-Kandidatin im Aufwind.
dornbirn Wahlprognosen sind eine Sache für sich, weil die Wähler zunehmend unberechenbarer werden. „Früher wählten die Leute immer dieselbe Partei, oft in Anlehnung an die Gesinnung im Elternhaus“, weiß Meinungsforscher Edwin Berndt aus langjähriger Erfahrung. Heute sind es die sogenannten Wechselwähler und Spätentscheider, die Vorhersagen schwierig machen. Dazu kommt eine immer größer werdende Parteienlandschaft sowie eine vielfach geringe Wahlbeteiligung. Deshalb kann die obligate Sonntagswahlfrage nur aktuelle Wahlneigungen und nicht das tatsächliche Wählerverhalten messen. „Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist“, betont Berndt.

Diese Faktoren begleiten auch die Umfrage bei den mehr als 37.300 Wahlberechtigten in Dornbirn. Basierend auf der Stimmungslage vom Februar 2020 könnte die Absolute von Bürgermeisterin Andrea Kaufmann in Gefahr sein. Kam sie 2015 bei der Bürgermeisterdirektwahl noch auf 51,3 Prozent, stehen sie die Prognosen diesmal nur noch bei 47 Prozent. Bezogen auf die Fehleranfälligkeit von Stichprobenfaziten könne Kaufmann die absolute Mehrheit erreichen – oder auch nicht. „Bei einer allfälligen Stichwahl wäre sie auf jeden Fall die klare Favoritin“, sagt Edwin Berndt und resümiert: „Andrea Kaufmann wird mit großer Wahrscheinlichkeit die alte und auch neue Bürgermeisterin sein.“
Klares Lebenszeichen
SPÖ-Spitzenkandidat Markus Fäßler käme auf 18 Prozent, Christoph Waibel (FPÖ) würde es auf 12 und Claudio Errico von den Neos auf acht Prozent bringen. Fäßler und Errico sind neu auf dem politischen Parkett. Während Fäßler mit dem rauen Wind der Bundespolitik zu kämpfen hat, sieht Berndt die Neos etabliert. Immerhin würde Claudio Errico die 4,4 Prozent seines Vorgängers, Gerald Loacker, klar übertreffen. „Die Gruppierung macht jene Stimmenanteile, sodass sie auf allen politischen Ebenen mitgestalten kann“, erklärt Berndt. Ein klares Lebenszeichen gibt mit 15 Prozent die grüne Spitzenkandidatin Juliane Alton von sich. Bei der Wahl 2015 stand das Barometer noch bei 8,4 Prozent. Sie wäre damit die klare Wahlsiegerin.
Was die Wahl der Parteien betrifft, würden 43 Prozent der Stimmbürger die ÖVP wählen (2015: 44,2 Prozent), die SPÖ käme auf 16 Prozent (2015: 20 Prozent), die Grünen könnten ebenfalls 16 Prozent (2015: 14 Prozent) einsacken, die FPÖ müsste mit 15 Prozent (2015: 16,2 Prozent) einige Federn lassen, für die Neos gäbe es acht Prozent (2015: 5,7 Prozent), und die Heimat aller Kulturen (HAK), die erstmals antritt, würde es auf zwei Prozent der Stimmen bringen.
Wahldiskussion live auf VN.at
Zu den Gemeindewahlen veranstalten VN und ORF Vorarlberg Wahldiskussionen. Am Mittwoch, 4. März ab 20 Uhr überträgt VN.at live die Diskussion aus Dornbirn mit Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP), Markus Fäßler (SPÖ), Christoph Waibel (FPÖ), Juliane Alton (Grüne), Cludio Errico (Neos und Beyaz Yogurtcu-Acar (HaK).