Tamiflu-Erfinder Bischofberger: “Das Coronavirus wird verschwinden”

Biochemiker Norbert Bischofberger über Impfstoffe gegen das Coronavirus und wie wir es loswerden können.
San Mateo, Schwarzach Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Welt in Sorge um eine mögliche Virus-Pandemie befindet. Vor knapp 15 Jahren wurde in Österreich der erste Fall des H5N1-Virus – besser bekannt als Vogelgrippe – registriert. Für Schlagzeilen sorgte damals auch das Grippe-Medikament Tamiflu, das seither tonnenweise verkauft wurde. Der Erfinder dahinter: Der gebürtige Mellauer Norbert Bischofberger, der das Mittel für den Biotechriesen Gilead Sciences entwickelte und als einer der erfolgreichsten Arzneimittelforscher der Welt gilt. Der 64-Jährige, der gerne als „Bill Gates der Pharmabranche“ bezeichnet wird, lebt und arbeitet seit über 35 Jahren in Kalifornien, wo er sich auf die Bekämpfung von Viren spezialisiert hat.
“Das Coronavirus ist etwas Neues, Unbekanntes und daher berichtenswerter.”
Norbert Bischofberger, Arzneiforscher

Bei dem Coronavirus beschwichtigt der Experte: „Influenza ist gefährlicher als das Coronavirus und verursacht jährlich mehr Tote. Der Grund, warum in den Medien von der normalen Grippe weniger berichtet wird, ist, weil sie jedes Jahr regelmäßig auftritt“, sagt Bischofberger im Gespräch mit den VN. Die Menschen seien vertrauter damit. „Das Coronavirus ist etwas Neues, Unbekanntes und daher berichtenswerter.“
An Impfstoff wird gearbeitet
Trotzdem werden Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt werden, ist der Experte überzeugt. Es könne aber Jahre dauern, bis ein Medikament auf den Markt kommt: „Es wird zwar an einem Impfstoff gearbeitet, dieser muss allerdings auf den Wirkungsschutz einerseits, und andrerseits auf die Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen getestet werden.“
Das Coronavirus sei zwar eine ernst zu nehmende Bedrohung, die Todesraten können aber niedrig gehalten werden. Laut einer chinesischen Studie seien in der Provinz Hubei 2,9 Prozent der Infizierten am Virus gestorben, während es im Rest des Landes nur 0,4 Prozent seien. Wie erklärt Bischofberger diese Diskrepanz? „Wuhan ist die Ursprungsstadt, es gab hier mehr Untersuchungen als zum Beispiel in Shanghai. Folglich wurden in Wuhan mehr Fälle als in anderen Gebieten entdeckt“, erklärt Norbert Bischofberger, der seit 2018 Geschäftsführer des Start-up Kronos Bio in San Mateo, Kalifornien, ist und momentan eine der komplexesten und tödlichsten Krankheiten im Visier hat: Krebs.
Quarantäne-Maßnahmen begrenzt sinnvoll
Was das Coronavirus betrifft, hält der Forscher Quarantäne-Maßnahmen nur für begrenzt sinnvoll: „Das hängt von der Inkubationszeit des Virus ab. Wenn eine infizierte Person erst nach zwei Wochen Symptome zeigt, dann konnte sie in dieser Zeit viele weitere Menschen anstecken“, führt der Biochemiker aus.
Wie können wir das Coronavirus also wieder loswerden? „Das Virus wird Menschen treffen, aber letztlich wird die Bevölkerung mit der Zeit immun werden und die Infektionen werden einfach verschwinden.“
Zur Person: Norbert Bischofberger
geboren 10. Jänner 1956 in Mellau
Ausbildung Gymnasium Mehrerau in Bregenz, Chemiestudium in Innsbruck, Doktorat ETH Zürich, Postgraduales Studium an der Harvard-Universität
Laufbahn Von 1990 bis 2018 bei Gilead Sciences, einem der größtenPharmazie- und Biotechnologieunternehmen weltweit. Seit 2018 Präsident und CEO von Kronos Bio in San Mateo, KA; 2006 Kauf und Sanierung Hotel Sonne in Mellau
Familie verheiratet, zwei Kinder