Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Gratis heißt wertlos

Vorarlberg / 29.10.2019 • 10:59 Uhr

Schweigend gehen. Bewusst einen Fuß vor den anderen setzen. Spüren, wie das Gras unter den Schritten nachgibt und die Steine dagegenhalten. Mit den Fingerkuppen Zweige streifen. Die raue Rinde der Bäume fühlen. Es riecht nach nassem Laub. Mitten im schattigen Wald steht ein Ahornbaum in Flammen, so leuchtend gelb reckt er seine Blätter dem Abend entgegen. Man hört … nichts. Nur den eigenen Atem, der keuchend vom Aufstieg erzählt.

So eine Herbstwanderung erklärt gut, was gestresste Manager heutzutage in die Einöde treibt, wo selbst das Handy mangels Empfang die Klappe hält. Aber der Markt würde an sich selber irre, erfüllte er nicht auch diese Sehnsucht mit Perfektion. So wird selbst die Erschöpfung noch produktiv … und sündteuer.

Leinenkleidung tragen statt der sündteuren Klamotten, Gemüsesuppe schlürfen statt Hybrid-Food, das Smartphone rituell vorübergehend abschalten, vom Coach begleitet schweigen – das alles kann man kaufen. Zwar läge das Angebot ums Eck. Im Wald, am Fluss, im Ried. Und kostete gar nichts. Aber dann ist es nichts wert.