Müllsünder kriegen was auf die Augen

Vorarlberg / 24.10.2019 • 19:30 Uhr
Müllsünder kriegen was auf die Augen
#wegwerfenkostet: Einer der Spots wurde an der Bregenzer Pipeline gedreht.

Strafen allein reichen nicht: Sechs neue Filmspots sollen Bewusstsein für das Problem schaffen.

Bregenz 100 Tonnen: So viel Abfall wird in Vorarlberg laut Umweltverband jährlich achtlos weggeworfen. Er landet am Straßenrand, auf Plätzen oder in der Natur. Am vergangenen Wochenende haben Freiwillige allein in Lustenau 6500 Kilogramm Müll aufgesammelt, berichtet Bürgermeister Kurt Fischer, der auch stellvertretender Obmann des Umweltverbands ist. Ein auffallendes Phänomen seien Dosen (“da muss man eine Lösung finden”), aber auch das Thema Zigarettenstummel sei kaum in den Griff zu bekommen. Fischers große Hoffnung ist unter anderem die Jugend: “Dass nicht nur beim Thema Klimaschutz ein neues Bewusstsein heranwächst, sondern auch beim Thema Littering, das alle Generation betrifft, sowohl opfer- als auch täterseitig“, ergänzt er.

60 Euro Strafe

Seit Juli 2018 gibt es in Vorarlberg die Möglichkeit, Müllsünder zu bestrafen. Werden sie auf frischer Tat ertappt, können sie von Kontrollorganen der Gemeinden angehalten werden. Heben sie ihren Abfall wieder auf und entsorgen ihn richtig, bleibt es bei einer Ermahnung. Tun sie das nicht, wartet eine Strafe in der Höhe von 60 Euro, die sofort bezahlt werden muss. Bei schwerwiegenden Verstößen sind sogar bis zu 7000 Euro möglich. Die Littering-Verordnung sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, sagt der Feldkircher Bürgermeister Wolfgang Matt: “Aber sie löst das Problem nicht. Vielmehr braucht es intensive Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung.” Einen Beitrag dazu sollen sechs Filmspots leisten, die ab sofort im Fernsehen, im Kino und online gezeigt werden. „Special Effects“ inklusive. Die ersten beiden laufen bereits, die restlichen sollen ab Ende März folgen. “Die Spots sind leicht, eingängig und stets mit einem Augenzwinkern, ohne dabei den Ernst der Sache zu vergessen”, fassen die Verantwortlichen die Kampagne #wegwerfenkostet zusammen. 

3,6 Millionen Euro

Der achtlos weggeworfene Müll richtet nicht nur Schaden in der Natur an, er kostet die Vorarlberger Gemeinden jährlich auch rund 3,6 Millionen Euro, rechnet der Umweltverband vor. Beispiel Bregenz: In den Sommermonaten sind hier vier Mitarbeiter ausschließlich damit beschäftigt, an den Badestränden den Dreck anderer mitzunehmen. “Das ist vollkommen unverständlich. Man verbringt einen Badetag in herrlichem Ambiente, und wenn man dann seine Sachen zusammenpackt, dann hinterlässt man ein Schlachtfeld, das seinesgleichen sucht”, ärgert sich Bürgermeister Markus Linhart. Nicht nur die Landeshauptstadt setzt daher auf die Sensibilisierung der Bevölkerung. In Hohenems wurde unter anderem ein ehrenamtliches Umweltschutzteam gegründet. Demnächst will die Stadt auch all jene, die ihren Müll ordentlich entsorgen, mit kleinen Geschenken belohnen. “Das Problem mit Strafen ist, dass man sich nur auf die Sünder konzentriert und diese in den Mittelpunkt stellt“, unterstreicht Bürgermeister Dieter Egger.