Fuchs und Dachs fühlen sich im Wohngebiet pudelwohl

Vorarlberg / 26.07.2019 • 18:55 Uhr
Fuchs und Dachs fühlen sich im Wohngebiet pudelwohl
Dachse sind Feinschmecker und ackern oft ganze Gärten um, um an Käferlaven zu kommen.

Ein breites Nahrungsangebot zieht Wildtiere vermehrt in die Wohngebiete. Starke Zunahme an Fuchsbandwurm-Erkrankungen.

Schwarzach Im Universitätsspital in Zürich sorgte vor wenigen Tagen ein Fuchs für Aufruhr. Das Tier drang nachts durch eine offene Balkontür in ein Zimmer ein und biss einer schlafenden Patientin in den Arm. Schlagzeilen wie diese wären vor einigen Jahren wohl noch undenkbar gewesen. Während es im Waldgebiet schon fast eine Seltenheit ist, einen Fuchs zu Gesicht zu bekommen, hat das Wildtier mittlerweile die Stadt als Lebensraum entdeckt. Grund dafür ist das breite Nahrungsangebot, das die Tiere im Wohngebiet vorfinden, wie Klaus Zimmermann von der Inatura informiert. Große Freude hat der Fuchs vor allem an prall gefüllten Komposthaufen. “Das verleitet die Tiere dazu, ihre natürliche Scheu vor dem Menschen abzulegen”, sagt der Biologe.

Ein weiterer Grund dafür, dass das Wildtier seine gewohnte Umgebung verlässt, ist die Fuchsräude. “Es wird vermehrt beobachtet, dass vor allem kranke Tiere den Wald verlassen. Wenn ein Fuchs am helllichten Tag gesichtet wird, ist es meist ein Anzeichen dafür, dass ihm etwas fehlt.” Im Zweifelsfall rät Zimmermann dazu, die Sichtung dem zuständigen Revierjäger zu melden.

Der Fuchs ist bei Menschen vor allem wegen dem Fuchsbandwurm gefürchtet.
Der Fuchs ist bei Menschen vor allem wegen dem Fuchsbandwurm gefürchtet.

Bei Menschen ist der Fuchs vor allem aufgrund des Fuchsbandwurms gefürchtet. Während der Parasit, der durch den Kot ausgeschieden wird, dem Fuchs nicht schadet, kann er für den menschlichen Körper sehr gefährlich sein. Bleibt sie unbehandelt, verläuft die durch den Fuchsbandwurm ausgelöste Erkrankung beim Menschen meist tödlich. Vor allem in Vorarlberg häufen sich die Fälle an Übertragungen auf den Menschen. Während in Österreich in den letzten 25 Jahren rund zwei Neuinfektionen pro Jahr registriert wurden, stieg diese Zahl ab 2016 merklich an. “Österreichweit infizierten sich 13 Menschen mit der Krankheit, sieben davon in Vorarlberg.” Um zu vermeiden, dass ein Fuchs durch den eigenen Gärten streift, rät Zimmermann, den Kompost gut zu schützen und keine Essensreste stehen zu lassen. “Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen Elektrozaun installieren.”

Dachs auf dem Vormarsch

Füchse sind aber längst nicht die einzigen Wildtiere, die die Vorteile der Stadt für sich entdeckt haben. Auch Dachse machen sich zunehmend in Gärten breit und können dort gehörige Schäden anrichten. “Da Dachse Feinschmecker sind, achten sie weniger auf den Kompost, sondern ackern oft ganze Gärten um, um an die Käferlarven unter der Grasnarbe zu kommen”, sagt Zimmermann. Vor allem in Dornbirn habe es in jüngster Zeit vermehrt Sichtungen gegeben.

Sollte man auf ein Wildtier treffen, empfiehlt der Experte, Abstand zu halten und dem Tier mit Respekt zu begegnen. “Alle wildlebenden Tiere sind scheu, aber wenn es sich bedroht fühlt, oder keinen Fluchtweg findet, kann es auch zu Angriffen kommen.”