Darmvorsorge kann definitiv Leben retten

Das Programm für über 50-Jährige wird gut angenommen. Es gibt lange Wartezeiten.
Dornbirn Derzeit bieten 16 Ärzte die Vorsorgedarmspiegelung an. Zu wenig, um dem Ansturm an Patienten gerecht zu werden. Die Wartezeit beträgt durchschnittlich sechs Monate. „Wir brauchen mehr Gastroenterologen“, bestätigt Ärztekammerpräsident Michael Jonas. Dennoch zeitigt das von Ärztekammer, Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) und dem Land vor zwölf Jahren gestartete Programm enorme Erfolge. Bereits 34 Prozent über 50-Jährigen nehmen daran teil. Mehr als 700 von ihnen hat die Untersuchung buchstäblich das Leben gerettet, weil der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt wurde. Bei Betroffenen mit fortgeschrittenem Darmkrebs sank die Sterblichkeit von 50 auf 40 Prozent. Mit dem Erreichten wollen sich die Gesundheitsverantwortlichen aber nicht zufriedengeben. „Wir möchten die Teilnahmerzahlen weiter steigern“, betonte VGKK-Obmann Manfred Brunner bei der Präsentation der Bilanz mit Hinweis darauf, dass immer noch zwei Drittel der 122.184 Personen umfassenden Zielgruppe fehlen.
Frauen in der Überzahl
Darmkrebs ist immer noch eine der häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen in den Industrienationen. In Österreich gibt es jährlich rund 4500 Neuerkrankungen, in Vorarlberg sind es etwa 183. „Potenziell ist durch eine Darmspiegelung alle zehn Jahre die Darmkrebssterblichkeit um 70 Prozent reduzierbar“, erklärte Michael Jonas. Das sei auch die Motivation für die Einführung des Programms gewesen. Seit Beginn im Februar 2017 bis März 2019 nahmen 41.765 Menschen die Vorsorgekoloskopie in Anspruch. Mit knapp 55 Prozent zeigen auch hier die Frauen deutlich mehr Gesundheitsbewusstsein.
Als Ziel definierten Jonas und Brunner die Entfernung von Krebsvorstufen sowie die frühzeitige Behandlung, wenn bereits eine Krebserkrankung vorliegt. Das funktioniert offenbar. Bei 555 Personen wurde Darmkrebs im Vorstadium erkannt und durch eine Abtragung der Polypen geheilt. Bei 158 Personen konnte Darmkrebs im Frühstadium diagnostiziert und ebenfalls geheilt werden. Je weiter fortgeschritten der Krebs, umso belastender, aufwendiger und teurer ist die Behandlung. Sie verursacht Kosten von bis zu 300.000 Euro.
Hohe Kostenersparnis
Die VGKK und das Land lassen sich die Darmkrebsvorsorge jährlich 1,2 Millionen Euro kosten. „Das Geld rechnet sich also um ein Vielfaches“, meinte Manfred Brunner. Allein für Vorarlberg bringt das Programm innerhalb von zehn Jahren eine Ersparnis von 75,5 Millionen Euro. Umgelegt auf Österreich wären es zwischen drei und 4,5 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund erstaunt es Ärztekammer und VGKK, dass noch immer keine bundesweite Durchführung erfolgte. Nach dem Scheitern der türkis-blauen Bundesregierung hoffen sie auf einen neuen Anlauf mit einem neuen Gesundheitsminister.
Stichwort: Darmkrebs
Rauchen, ungesunde Ernährung und chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind die wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs. Das Risiko steigt ab dem 50. Lebensjahr. In mehr als 90 Prozent der Fälle sind vor der Entstehung eines Karzinoms viele Jahre hindurch Vorstufen in Form von Darmpolypen nachweisbar. Darmkrebs verursacht außerdem lange keine Schmerzen. Wird Blut im Stuhl festgestellt oder kommt es zu einem Darmverschluss, ist höchste Alarmstufe gegeben.