Schwarzgeld-Kassa entdeckt: Integra-Eigner ziehen die Reißleine

VN-Exklusiv: Seit 16 Uhr läuft in der Integra-Zentrale in Wolfurt eine Betriebsversammlung.
Wolfurt Beim Sozialbetrieb Integra überschlagen sich die Ereignisse. Erst machte die Beschäftigung eines Bereichsleiters, der in der Schweiz eine offene Haftstrafe zu verbüßen hat und erst am 31. März gekündigt wurde, Schlagzeilen. Jetzt folgt der nächste Paukenschlag. Im Zuge einer freiwilligen Prüfung des Landesrechnungshofes ist ein Schwarzgeldkonto aufgetaucht, wie Dowas-Vorstand Peter Niedermair (65) als Vertreter der Eigentümer gegenüber den VN bestätigt. Niedermair spricht in diesen Minuten im Rahmen einer Generalbetriebsversammlung zu den Integra-Mitarbeitern.
Von der Existenz eines entsprechenden Schwarzgeldkontos haben die Eigentümer am vergangenen Freitag im Rahmen eines Gesprächs mit der Direktorin des Landesrechnungshofes, Brigitte Eggler-Bargehr, erfahren. Demnach geht die Gründung des Kontos auf das Jahr 2009 zurück, einem Zeitpunkt, zu dem einer der beiden Geschäftsführer, Robert B., noch auf Werksvertragsbasis für Integra arbeitete. Das Konto wird ihm zugeschrieben. “Wir haben eine fristlose Entlassung ausgesprochen”, sagt Niedermair. B. war für den Integra-Bereich in Feldkirch zuständig. Der zweite Geschäftsführer, Stefan Koch, soll sich nichts zuschulden haben kommen lassen, heißt es seitens der Eigentümervertreter.
Gelder aus Kaffeeautomatenverleih
Zuletzt lagen laut Dowas-Vorstand Niedermair 3800 Euro auf dem Sparbuch. Das Geld soll von einem Unternehmen stammen, das Kaffeeautomaten in den verschiedenen Integra-Standorten betreibt. Solche Zuwendungen seien allgemeine Praxis, sagt Niedermair. Freilich hätten sie sich ordnungsgemäß in den Büchern wiederfinden sollen. Stattdessen seien mit den Geldern unter anderem Grillfeste finanziert worden. “Wir als Gesellschafter bedauern dieses Verhalten und sehen es als unsere moralische und ethische Verpflichtung, mit einer fristlosen Kündigung darauf zu reagieren”, heißt es offiziell. Das Verhalten wird nicht nur als unseriös, sondern auch “als betriebs- und firmenschädigend” bezeichnet.
Konto aufgelöst
Welche Summen in den zehn Jahren auf das Konto einbezahlt wurden, ist nicht bekannt. Das Sparbuch sei jedenfalls umgehend aufgelöst worden, sagt Peter Niedermair. Die Untersuchungen des Landesrechnungshofes laufen unterdessen weiter. Der Bericht wird in den nächsten Wochen erwartet. Erst dann wird das gesamte Ausmaß der Verfehlungen bekannt sein. Ob Schaden entstanden sei, lasse sich im Moment noch nicht sagen. Klar sei jedenfalls, dass es in der Führungsstruktur Änderungen geben müsse. Mit dem stellvertretenden Direktor der Arbeiterkammer, Gerhard Ouschan, wird ab sofort ein Profi mit am Ruder sitzen und die Neustrukturierung begleiten. Wie eine zukünftige Geschäftsführung ausschauen könne, müsse sich im Zuge der Aufarbeitung der Vorfälle zeigen.
Verurteilter Millionenbetrüger
Der Rechnungshofprüfung waren Enthüllungen um die Beschäftigung eines Mitarbeiters vorangegangen, der in der Schweiz noch eine sieben Monate dauernde Haftstrafe offen hatte. Dies habe er der Geschäftsleitung allerdings verschwiegen. Weil der Mann nicht fristlos entlassen wurde, sondern zuletzt noch Resturlaub im Schweizer Gefängnis abbaute, erhielt die Causa auch eine politische Dimension. Neos-Abgeordneter Gerald Loacker empörte sich etwa darüber, dass die Geschäftsführung nicht die Wahrheit sagte. Auch AK-Vizepräsidentin Manuela Auer kritisierte die Inkonsequenz, die die Geschäftsleitung an den Tag gelegt habe. Zudem seien falsche Angaben zur Beendigung des Dienstverhältnisses gemacht worden. Die Arbeiterkammer ist größter Gesellschafter von Integra. Sie hält 38,25 Prozent. Weitere Gesellschafter: Dowas (36,6 Prozent), der Verein ARB (18,3 Prozent und Jugend am Werk (6,75 Prozent).
