Wo Pflege daheim die Regel ist: Vorarlberg sticht hervor

Dank Hauskrankenpflege ist Vorarlberg bundesweit herausragend.
SCHWARZACH „In Österreich muss ein Altern in Würde möglich sein“, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und kündigt eine Lösung an, die dazu führen soll, dass Pflege daheim vermehrt in Anspruch genommen wird. Für alle Beteiligten wäre das am besten: „Zu Hause“ ist der Ort, den die meisten Pflegebedürftigen einem Heimplatz vorziehen. Und für Bund, Länder und Gemeinden ist das finanziell günstiger.
Vorarlberg weicht ab
Die Ausgangslage nach Bundesländern könnte unterschiedlicher kaum sein. Das zeigt ein Blick in die Daten, die die Statistik Austria für das Jahr 2017 ausweist. Österreichweit wurden 20,6 Prozent der Pflegegeldbezieher von einem mobilen Dienst versorgt. Weitere 14,8 Prozent waren in einer stationären Einrichtung untergebracht. Vorarlberg weicht stark davon ab: Hier wurden ganze 46,2 Prozent der Pflegegeldbezieher von einem mobilen Dienst zu Hause betreut. In einem Heim befanden sich mit 11,3 Prozent vergleichsweise wenige. Dem mobilen Versorgungsgrad von 46,2 Prozent kommt Tirol mit 36,2 Prozent am nächsten.
In allen übrigen Ländern ist die Quote allenfalls nur halb so hoch. „Die meisten Menschen wollen daheim bleiben“, sagt Gaby Wirth, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Hauskrankenpflege: „In Vorarlberg ist das aufgrund eines guten Netzwerkes möglich.“ Wobei die 66 Krankenpflegevereine, die dem Landesverband angehören, eine zentrale Rolle spielen. 335 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich zurzeit um 8293 Patienten vom Leiblachtal bis ins Montafon, „flächendeckend“, wie Wirth betont.

Bemerkenswert ist das System, das dahintersteht. Entfernt handelt es sich um eine Art Pflegeversicherung, wie sie von der Bundesregierung zurzeit geprüft wird: Vier von zehn Haushalten gehören einem der Vereine an und zahlen einen Beitrag von durchschnittlich 30 Euro pro Jahr. Im Pflegefall ist für die professionelle Hilfe ein Selbstbehalt von durchschnittlich zwölf Euro pro Stunde fällig.
Historisch gewachsen
Die Hauskrankenpflege sei nur ein Systempartner, so Wirth: Für das Gelingen des Ganzen seien die finanzielle Unterstützung von Land, Gemeinden und der Krankenkasse ebenso nötig wie engagierte Ärzte oder 24-Stunden-Betreuerinnen. Immer wieder gebe es Anfragen aus anderen Regionen, wie man die Hauskrankenpflege nach Vorarlberger Muster aufbauen könnte: „Das ist nicht einfach“, muss Wirth dann erläutern, „weil das historisch gewachsen und in den Gemeinden verwurzelt ist.“ Tatsächlich ist der erste Verein hierzulande schon 1899 gegründet worden; das war in Lustenau.
Ein Problem sieht Wirth aber auch für Vorarlberg: „Das fehlende Personal.“ Eine Bedarfsprognose des Landes geht für den gesamten Pflegesektor von rund 400 fehlenden Kräften im Jahr 2028 aus. „Wenn wir das Personal kriegen, sind die Herausforderungen zu schaffen“, meint Wirth.