Allgemeinmediziner fordern Facharztausbildung

Masterplan soll die Primärversorgung auch künftig sichern helfen.
Dornbirn Die Allgemeinmediziner machen mobil. Als Basis für ihre Forderungen nach mehr emotionaler und ökonomischer Wertschätzung dient ein 176 Seiten starker Masterplan, dessen zentrale Forderung jene nach einem Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin ist. „Die Ausbildung muss auf Facharzt-Niveau gehoben werden. Nur dann lassen sich wieder mehr junge Kolleginnen und Kollegen für die Allgemeinmedizin begeistern“ betonten Vertreter der Ärztekammer sowie der Gesellschaft für Allgemeinmedizin (GAM) bei der Präsentation des Druckwerks. Es soll Entscheidungsträgern als Wegweiser aus der Problematik dienen, die sich auch in Vorarlberg durch eine Vielzahl an Pensionierungen bei den Hausärzten verschärfen könnte.
Viele Pensionierungen
Laut Ärztekammer-Vizepräsident Burkhard Walla stehen 114 der 168 Praktiker in den kommenden zehn Jahren vor dem Sprung in den Ruhestand. Andererseits interessieren sich zwar Medizinstudenten durchaus für die Allgemeinmedizin, letztendlich finden sich jedoch die wenigsten in einer Praxis wieder. Markus Baldessari hat das größte Übel dafür schon ausgemacht. „Der Mangel an Zeit für den einzelnen Patienten schreckt ab“, weiß er aus Rückmeldungen von Praktikanten. Insgesamt sei das derzeitige traditionelle Hausarztsystem weit entfernt von einer zeitgemäßen Primärversorgung, hieß es. Es entspreche weder den veränderten Bedürfnissen der Patienten noch den Anforderungen an die Medizin. „Die Fallzahlen sind gestiegen, ebenso hat die Komplexität der Fälle stark zugenommen“, verdeutlichte Thomas Jungblut, Präsident der Vorarlberger Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin. 90 Prozent der Diagnosen würden in Allgemeinmedizinerpraxen gestellt. Pro Jahr behandelt jeder Allgemeinmediziner etwa 2650 Patienten. „Der Allgemeinmediziner wird immer mehr zum komplexen Lebensberater, den die Menschen in allen Lebenslagen aufsuchen“, ergänzte die stellvertretende Kurienobfrau für Allgemeinmedizin, Gabriele Gort.
Differenziertere Ausbildung
Diese Spezialisierung auf den ganzen Menschen erfordert nach Ansicht der Verantwortlichen eine bessere und differenziertere Ausbildung. Studenten sollten schon sehr früh in Kontakt mit der Allgemeinmedizin kommen. „Ohne Gesamtkonzept sind aber alle Einzelmaßnahmen zum Scheitern verurteilt“, berichtete Sudanne Rabady, Vizepräsidentin der ÖGAM, von einem hohen Druck auf die Entscheidungsträger. Eine Lösung ohne Hausärzte werde es jedoch nicht geben. Im Masterplan wurden alle Maßnahmen analysiert und vernetzt dargestellt. Miteingebunden war neben den Ärzten und den Ärztekammern auch die universitäre Allgemeinmedizin. Was den Facharzt betrifft, wurde Österreich als peinlich bezeichnet, weil es zu den drei Ländern in Europa gehört, die diese Ausbildung noch nicht haben. Dabei braucht allein Vorarlberg künftig 20 bis 30 Prozent mehr Allgemeinmediziner. Neben dem Facharzt müsste auch die Ausbildung in den Lehrpraxen von derzeit sechs auf mindestens zwölf Monate angehoben werden. Dies wird bald geschehen, kündigte Burkhard Walla an. Bei den Primärversorgungseinheiten, von denen es in Vorarlberg drei geben soll, ist er weniger zuversichtlich. Die Akzeptanz bei den Ärzten hänge von der Ausgestaltung solcher Zentren ab, und die lasse noch zu wünschen übrig. Die Suche nach praktikablen Modellen habe bereits begonnen.