Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor

Vorarlberg / 29.03.2019 • 16:00 Uhr
Lisa aus Dalaas ist auf den Wechsel zur Sommerzeit vorbereitet: In der Nacht auf Sonntag müssen die Uhren von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgedreht werden. Fotos: VN/Lerch
Lisa aus Dalaas ist auf den Wechsel zur Sommerzeit vorbereitet: In der Nacht auf Sonntag müssen die Uhren von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgedreht werden. Fotos: VN/Lerch

Für Langschläfer sind es schlechte Nachrichten: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren vorgestellt.

Schwarzach Sie beschäftigt seit Jahrhunderten Philosophen, gilt als kostbarstes Gut und wird halbjährlich besonders intensiv diskutiert: die Rede ist von der Zeit. Eines vorweg: Langschläfer werden dieses Wochenende weniger Freude haben. Denn in der Nacht von Samstag auf Sonntag wird von der Winter- auf die Sommerzeit umgestellt. Doch wie war das nochmal, vor oder zurück? Der Stundenzeiger wird von zwei Uhr auf drei Uhr vorgedreht. Für Langschläfer und Partymenschen sind dies schlechte Nachrichten, denn das heißt, dass eine Stunde buchstäblich das Zeitliche segnet. Ein für alle Mal merken kann man sich das Vor- und Zurückdrehen mit Hilfe von unterschiedlichen Gedächtnisstützen.

Merksätze

Wie kann man sich am besten merken, ob die Uhr vor- oder zurückgedreht wird? Zum Beispiel so: Die Zeitumstellung funktioniert wie ein Thermometer, im Frühjahr plus und im Winter minus. Für alle, die mit der englischen Sprache vertraut sind, gibt es den Merksatz „Spring forward, fall back“, also im Frühjahr (spring) den Zeiger eine Stunde vordrehen, im Herbst (fall) eine Stunde zurück.

Automatische Umstellung bei Smartphones & Co.

Das Positive ist, dass solche Merksätze mit zunehmender Digitalisierung obsolet werden. Heutzutage stellen dadurch viele Uhren automatisch um, so zum Beispiel auch die 180 Kirchturmuhren in Vorarlberg, die sich zum Großteil automatisch anpassen.

Bei den ÖBB zum Beispiel werden in Österreich exakt 4382 Uhren, davon 198 in Vorarlberg, umgestellt. Diese aktualisieren im Halbminutenabstand auf die Sekunde genau. Dieser Prozess läuft automatisch ab, die Uhren „wissen“, dass die Zeitumstellung, und damit auch der Sommer, kommt. Aber Vorsicht: Bei der Umstellung kommen die auf dem Streckennetz befindlichen Nachtreisezüge um bis zu 60 Minuten verspätet an.

Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor

Wer Funkuhren zuhause hat, muss sich um die Umstellung ebenfalls nicht kümmern. Auch bei Smartphones, egal ob iPhone, Android-Gerät oder Windows Phone und Smartwatches ist die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit automatisiert. Bei Smartphones muss dafür die entsprechende Funktion aktiviert werden:  

• Bei Android-Handys geht man im Menü “Einstellungen” in “Datum & Uhrzeit” und aktiviert dort “Autom. Datum/Uhrzeit”.
• Beim iPhone öffnet man zunächst ebenfalls die Einstellungen. Unter “Allgemein” wird im Menü “Datum & Uhrzeit” die Option “Automatisch einstellen” aktiviert.

Lästig ist die Zeitumstellung für alle, die keine Funkuhren haben. Armbanduhren, Uhren von Mikrowelle und Herd sowie die meisten Autouhren müssen nach wie vor von Hand umgestellt werden. Juweliere haben dieser Tage ebenfalls mehr Arbeit, wenn die analogen Zeitmesser von Hand angepasst werden müssen.

U(h)rsprünge der Zeitumstellung

Ihren Ursprung hat die Sommerzeit in den 1980er-Jahren. Hintergrund war die Ölkrise im Jahr 1973 in Europa, mit dem Ziel, durch effizientere Nutzung des Tageslichts den Energieverbrauch zu reduzieren. Es gibt allerdings keinen Nachweis, dass tatsächlich Energie gespart wird. Zwar wird abends das Licht weniger angeknipst, doch dafür wird in der Sommerzeit, wenn es später hell wird, in den Morgenstunden eher geheizt. Die Idee, die Zeit der Jahreszeit anzupassen, ist eine Idee, die bereits Ende des 18. Jahrhunderts kursierte. In Österreich gab es die Sommerzeit bereits im Ersten Weltkrieg: Im Jahr 1916 galt sie für die Monarchie vom 1. Mai bis zum 30. September, wurde dann aber wieder abgeschafft.

Wie stehen Sie zur Zeitumstellung?

Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor
Vroni Hauger, 33, Dornbirn: “Die Umstellung gehört abgeschafft. Es ist einfach nervig, jedes Mal umzustellen. Das muss nicht sein. Die Diskussion geht mir schon zu lange. Die EU sollte über Wichtigeres diskutieren.”
Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor
Michael Wetzlinger, 42, Altach: “Ich bin auch gegen die Zeitumstellung. Die Europäische Union wird sich einfach nicht einig. Sie sollten die Diskussion abkürzen und endlich zum Punkt kommen.”
Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor
Sebastian Ganahl, 22, Götzis: “Es ist unnötig, dass so lang darüber diskutiert wird. Es gibt wirklich Wichtigeres. Ich fände es wichtig, dass die EU sich endlich einigt. Ich finde, dass die Zeitumstellung abgeschafft gehört.”
Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor
Tobias Mathis, 22, Bregenz:”Die Diskussion zur Zeitumstellung geht schon eine ganze Weile. Meiner Meinung nach ist die Zeitumstellung sinnlos, man sollte sich auf eine Zeit einigen. Ob Sommer- oder Winterzeit ist mir egal.”
Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor
Catrin Mungenast, 26, Bregenz: “Mir ist die Zeitumstellung völlig egal. Ich glaube, dass es wirklich wichtigere Themen zu diskutieren gibt als das. Wenn man ganz umstellt, dann wäre mir die Winterzeit lieber.”

In Wien geht die Sonne früher auf als in Feldkirch

Die „normale“ Zeit (Mitteleuropäische Zeit, genannt MEZ) ist übrigens die Winterzeit. In Österreich und 16 weiteren Staaten herrscht die MEZ. Acht Länder innerhalb der EU sind dieser eine Stunde voraus, drei Staaten eine Stunde zurück. Aufgrund der Längengrade sieht es aber bereits innerhalb Österreichs von Ort zu Ort unterschiedlich aus: In Wien geht die Sonne heute beispielsweise 27 Minuten früher auf als in Feldkirch. Bei dem interaktiven Tool von Sonnenverlauf.de können Sie für jeden beliebigen Ort nachschauen, um wie viel Uhr die Sonne auf- bzw. untergeht.

Auswirkungen auf Körper und Psyche

Schlaf-, Konzentrationsstörungen und Erschöpfung: Mit der Umstellung auf die Sommerzeit bleibt es im Frühjahr und Sommer zwar länger hell, doch bei vielen Menschen wird der innere Rhythmus durcheinandergebracht. Das kann sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken. Besonders bei der Umstellung auf die Sommerzeit werden die gesundheitlichen Folgen von Medizinern höher eingeschätzt, weil eine Stunde fehlt. Innere und äußere Uhr passen nicht mehr zusammen. Was folgt, ist quasi ein Mini-Jetlag, der mit Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und mit Verstimmung einhergehen kann.

In der Woche nach der Zeitumstellung kommt es darüber hinaus vermehrt zu Verkehrsunfällen. Für Kfz-Lenker steigt die Gefahr um elf Prozent, einen Unfall zu verursachen, wie aus einer Analyse der Wiener Städtischen hervorgeht. Vorarlberg belegt mit knapp 13 Prozent mehr Unfällen in der Woche nach der Umstellung – nach Salzburg, Niederösterreich und Oberösterreich – Platz vier.

Der 23-Stunden-Sonntag steht bevor

Tipps für die Umstellung

Der “fehlenden” Stunde zum Trotz sollte man nach der Umstellung möglichst früh raus ans Tageslicht. Es kann helfen, sich früher als sonst dem Tageslicht auszusetzen. Wer etwa nach der Zeitumstellung die Vorhänge im Schlafzimmer über Nacht offen lässt, kann die Sonnenstrahlen als Wachmacher nutzen. Zu schweres Essen am Vorabend oder lange Partynächte können am Wochenende der Umstellung ebenfalls kontraproduktiv sein.

Tiere ebenso betroffen

Nicht nur Zweibeinern schlägt das Prozedere aufs Gemüt, auch Vierbeiner spüren die gestohlene Stunde. Hunde merken zum Beispiel, wenn sie eine Stunde früher raus müssen, und auch Kühe haben in der Regel feste Zeiten, zu denen sie gefüttert und gemolken werden. Belegt ist außerdem, dass es vermehrt zu Wildunfällen kommt. Denn Wildtiere orientieren sich am Sonnenstand, wenn der Berufsverkehr plötzlich früher fährt, kann das für Reh und Co. mitunter tödlich enden.

Abschaffung

Nach einer Onlineumfrage der EU-Kommission  im Sommer 2018, an der sich größtenteils Deutsche und Österreicher beteiligt haben, stimmte das EU-Parlament am 26. März 2019 für die Abschaffung der Zeitumstellung bis spätestens 2021. Ob nun die Winter- oder die Sommerzeit permanent beibehalten wird, müssen die unterschiedlichen Staaten im April 2020 entscheiden. Es könnte also durchaus sein, dass wir diesen Sonntag eines der letzten Male an der Uhr drehen müssen. Der Countdown läuft.

VN-Umfrage

Uns interessiert Ihre Meinung zur Zeitumstellung! Machen Sie bei unserer Umfrage aufVN.at mit. Die Ergebnisse werden kommende Woche in den VN veröffentlicht.