Trafikant Romanus Dürr schlägt Alarm: “Die Baustelle ist der blanke Horror”

Vorarlberg / 23.02.2019 • 09:30 Uhr
Die Baustelle in der Kirchstraße sorgt wieder für Ärger: Romanus Dürr berichtet von extremen Umsatzeinbußen. vn/Paulitsch
Die Baustelle in der Kirchstraße sorgt wieder für Ärger: Romanus Dürr berichtet von extremen Umsatzeinbußen. vn/Paulitsch

Nach dem Pflastersteinprotest macht sich in der Kirchstraße erneut Ärger breit. Die Stadt beruhigt.

Bregenz Romanus Dürr beschreibt es als den „blanken Horror“. „Jeden Tag kommen Leute zur mir ins Geschäft, die sich über die Baustelle aufregen, aber niemand tut etwas“, ärgert er sich. Dürr betreibt die Trafik in der Kirchstraße 4. Seit Mitte September 2018 die Bagger in der Kirch- und Römerstraße aufgefahren sind, habe er mit „extremen Umsatzeinbußen“ zu kämpfen. „In dieser Woche sind es 50 Prozent. Es ist ein richtiges Labyrinth um herzukommen“, berichtet er. Kopfzerbrechen bereitet Dürr auch, dass die Baustelle „oben und unten völlig zugestellt“ ist: „Was passiert, wenn es brennt? Es kann kein Feuerwehrauto rauffahren.“ Dass man ihm jetzt auch noch das Aufstellen von Werbemitteln verbieten wolle, bringt das Fass für den Trafikanten endgültig zum Überlaufen.

Mit seinem Unmut ist Romanus Dürr nicht allein. Nicht nur, dass sich die Warenanlieferung und Müllentsorgung trotz der sehr hilfsbereiten Bauarbeiter sehr mühsam gestalteten. „Es ist sehr ärgerlich, dass wir die Baustelle haben, weil die Frequenz fehlt. Baucontainer und andere Gerätschaften sind sehr ungünstig platziert. Darum kommen auch weniger Kunden“, sagt eine Geschäftsfrau, die „nicht öffentlich schimpfen“ und daher ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Manche Dinge mit der Stadt seien „super gelaufen, andere weniger gut“. „Ich hätte mir gewünscht, dass auf verschiedenen Kanälen auf uns aufmerksam gemacht wird. Die schönen Landschaftsbilder bringen uns wenig.“ Überhaupt seien viele Formulierungen sehr negativ. „Bei Totalsperre meint jeder es ist alles zu. Dabei kann man zu uns kommen“, ergänzt die Geschäftsfrau. Handlungsbedarf ortete auch Barbara Moser-Hehle von „Fesch Livin“. „Es ist eine harte Zeit für uns, der Umsatz ist schlechter“, erzählt sie. Die Baucontainer versperrten komplett die Sicht in die Kirch- und Römerstraße. Sie habe daher vorgeschlagen darauf Riesenbanner anzubringen, mit dem Hinweis, dass die Geschäfte für Fußgänger zugänglich sind.

Die Baucontainer kommen auch bei anderen Geschäftsleuten nicht gut an. VN/Paulitsch
Die Baucontainer kommen auch bei anderen Geschäftsleuten nicht gut an. VN/Paulitsch

Bei Niklas Keller im Stadtmarketingbüro laufen die Leitungen aufgrund der Unwegsamheiten derzeit heißt. „Es gibt natürlich Geschäfte, die Einbußen haben“, räumt er ein: „Aber wir sind ständig dran am Verbessern. Man muss aber auch schauen, dass die Baustelle schnell vorankommt.“ Am kommenden Dienstag sei ein Termin mit den Geschäftsleuten geplant, bei dem auch das Thema Werbemittelverbot angesprochen werden soll. Entgegen anderslautender Meldungen gebe es nämlich keine Verordnung, die für die ganze Straße gelte. Romanus Dürr habe „einfach zu viele Werbemittel draußen gehabt”. Ansonsten müsse man im Einzelfall prüfen, “ob genug Platz ist“. Und zum Vorwurf der versperrten Zufahrt heißt es seitens der Stadt. „Wir haben gesetzliche Auflagen zu erfüllen und müssen eine Feuerwehrzufahrt sicherstellen.“ 


„Ich habe vorgeschlagen auf den Baucontainern Riesenbanner mit Hinweisen anzubringen.“

Barbara Moser-Hehle,
Fesch Livin

Ob es nach der Baustelle besser wird? Romanus Dürr bezweifelt das. “Die Parkplätze sind weg, die Kunden, die wir verloren haben, kommen nicht mehr zurück”, meint er. Die Geschäftsfrau, die namentlich nicht erwähnt werden möchte, würde sich jedenfalls wünschen, dass die Kirchstraße an gewissen Tagen für den motorisierten Verkehr gesperrt wird. “Es wäre schön, wenn man aus der Straße etwas macht und nicht wieder dasselbe Chaos herrscht.”