Erinnerungen an eine Heldentat am See

Wenn die Oesterreich mit Ziel Schweiz ausläuft, erinnert sie an ihre Rettung vor 81 Jahren.
Hard Hard, Romanshorn. Am Samstag und Sonntagfindet in Romanshorn das große Hafenfest statt, zu dem traditionell auch die historischen Bodenseeschiffe Hohentwiel und Oesterreich aufbrechen werden. Speziell für die Oesterreich ist es mehr als ein „Höflichkeitsbesuch“ – die Fahrt ist auch Erinnerung an die dramatische Rettung vor exakt 81 Jahren.
Das Romanshorner Hafenfest findet zufällig genau zu jenem Termin statt, an dem 40 mutige Männer ihr Leben riskierten, um in der Nacht auf den 26. April 1945 zwölf in den Hafen von Lindau und Bregenz liegende Schiffe in Sicherheit zu bringen. Als sich im Frühjahr 1945 der Zusammenbruch des Dritten Reiches abzeichnete, gab Hitler den Befehl zur „Verbrannten Erde“. Im sogenannten „Nero-Befehl“ vom 19. März 1945 wurde in diesem „Führererlass“ die Zerstörung der deutschen Infrastruktur angeordnet, nichts sollte dem Feind in die Hände fallen. Davon betroffen auch die Bodenseeflotte und im Raum Lindau stationierte SS-Einheiten ließen keine Zweifel aufkommen, dass sie die Bodenseeschiffe versenken würden.

Der Versenkung entzogen
Doch Kräfte des Widerstands nahmen schon im November 1944 Kontakt mit Schweizer Behörden auf, um Möglichkeiten auszuloten, Bodenseeschiffe in die Schweiz zu retten.
Als alliierte Truppen bis kurz vor Lindau vorgestoßen waren, fuhr Alfred Otter, Dezernent bei der Reichsbahndirektion Augsburg am 24. April mit einem Hilferuf noch einmal in die Schweiz. Und jetzt ging alles sehr schnell – die Schweizer stimmten der Rettungsoperation am 25. April zu und in der Nacht zum 26. April liefen die Schiffe in Lindau und Bregenz Richtung Schweizer Ufer aus. Mehrere davon mussten geschleppt werden, sie waren nicht mehr fahrbereit, wegen Treibstoffmangel seit Jahren außer Betrieb. Auch die Oesterreich – sie erreichte im Schlepptau der Reutin den rettenden Hafen von Staad.

Am 17. Mai 1945 war alles vorbei
Die todesmutige Aktion, an der sich unter Federführung des Lindauer Kapitäns Armin Fäßlin vorarlbergische und deutsche Matrosen beteiligten, verlief reibungslos und ohne Zwischenfälle. Ebenso reibungslos erfolgte die Rückführung –französische Besatzer holten am 17. Mai die internierten Schiffe zurück und beschlagnahmte sie.
Schwieriger Neustart
Die Oesterreich war nur noch ein Wrack – von der deutschen Marine zum Torpedo testen umfunktioniert. Deshalb galt sie als „Kriegsschiff“ und die Rückführung in die „zivile“ Schifffahrt war deshalb schwieriger als bei den anderen Schiffen.
Erst am 18. Juni 1948 kam die Oesterreich zurück nach Bregenz, um am 31. Juli 1951 wieder nach Lindau gebracht zu werden, wo mit der Restaurierung begonnen wurde. Am 25. Juli 1953 lief die Österreich (jetzt mit „Ö“) zur zweiten Jungfernfahrt aus, um im Dezember 2005 von den ÖBB zu den Vorarlberg Lines zu wechseln.

Am 4. Oktober 2009 lief das Schiff zur letzten Kursfahrt aus, anschließend überführte es Kapitän Fritz Köchle zur Verschrottung in die Fußacher Werft. Eine ambitionierte Gruppe von Schiffs-Nostalgikern trat unter der Federführung von Jürgen Zimmermann zur Rettung an und am 18. April 2019 war das Wunder Wirklichkeit: Die Oesterreich (jetzt wieder original mit „OE“) legte zur dritten Jungfernfahrt ab.
Oesterreich als Shuttle-Boat

Am Wochenende erinnert die Oesterreich an ihre Vergangenheit – als Shuttle-Boat für das Hafenfest in Romanshorn. Abfahrt in Hard ist am Samstag und Sonntag, 7.30 Uhr, Rückfahrt 17 Uhr. Die Hohentwiel fährt am Samstag um 8.15 Uhr in Hard ab, um 16.15 Uhr zurück. Um 10.30, 12.30 und 14.30 Uhr gibt es Dampfer-Rundfahrten. STP

