Streiflicht: Wie früher, nur später

Haben Sie wieder mal einen Kurs besucht? Mit Anmeldung, Unterlagen und Klassenzimmer? Sie steigen aus dem Lift, Neugier und Unsicherheit im Gepäck, und natürlich etwas zu früh. Raum 708 wird für drei Abende Ihr Zuhause sein. Excel für Fortgeschrittene, 19 Uhr, steht auf dem Zettel. Sind schon Leute da? Niemand will der Erste sein. Wer sind die anderen? Der Kurs ist ausgebucht. Die erste Reihe bleibt leer.
Nach und nach treffen alle ein: Der Streber und der Klassenclown, die Hilfsbereite und der große Schweiger. Erstaunlich, wie jede Klasse denselben sozialen Tanz aufführt. Der Rotschopf mit dem herausfordernden Blick ist nicht freiwillig hier. Er legt sich grummelnd quer. Die Dozentin antwortet mit Humor. Gelächter. So taut die Gruppe auf.
Das Erlernte mag unbedeutend erscheinen, doch die Urkunden am Ende werden wie Schulzeugnisse entgegengenommen – feierlich und rotbäckig und in Klarsichthüllen sorgsam verwahrt. Dann hält jemand eine kleine, launige Rede. Mitunter gereimt – ein letzter Appell an die Toleranz der kleinen Schicksalsgemeinschaft. So war das immer: Von der ersten Klasse bis zum Computerkurs für Senioren. Die Schule hört nie auf – sie wechselt nur den Stundenplan.