Rudi Hatzl hilft Fröschen, Kröten und Molchen über die Straße: Warum sein Einsatz jetzt besonders wichtig ist

Ehrenamtliche kontrollieren auf der Letze täglich einen Amphibienschutzzaun. 200 Tiere konnten im Vorjahr dadurch gerettet werden.
Frastanz „Vergangenes Jahr hat es ein Schlachtfeld gegeben. Das war furchtbar“, erinnert sich Rudi Hatzl an die unzähligen toten Frösche, Kröten und Molche auf der Letzestraße. Daraufhin habe er direkt den Bürgermeister angerufen. Dieser habe sich am nächsten Tag selbst ein Bild gemacht. Jetzt steht dort ein Amphibienschutzzaun – mit beachtlicher Wirkung. Rudi Hatzl sieht kaum noch überfahrene Tiere. Seiner Meinung nach hätte man schon viel früher hier tätig werden müssen. Die Letzestraße im Ortsteil Fellengatter ist ein beliebter Schleichweg für Grenzgänger nach Liechtenstein und daher zu bestimmten Tageszeiten stark frequentiert.


Rudi Hatzl trommelte eine kleine Gruppe zusammen, die sich nun um die Amphibien kümmert, damit sie nicht unter die Räder kommen. Jeden Morgen und Abend kontrolliert die ehrenamtliche Gruppe die Eimer, geht den Zaun ab und bringt die Amphibien sicher auf die andere Straßenseite zu ihrem Laichgewässer, einem kleinen Teich bei einem Spielplatz. Rudi Hatzl übernimmt den Morgendienst und kontrolliert die vier Kübel entlang des Amphibienschutzzauns. In einem Kübel entdeckt er vier Frösche und einen Molch.



Grasfrösche, Erdkröten sowie Berg- und Kammmolche machen sich zwischen Ende Februar und Anfang März auf den Weg zu ihrem Laichgewässer. Die Zugzeiten hängen stark vom Wetter und von der Höhenlage ab. Mindestens fünf Grad bei feuchter Luft oder zehn Grad bei trockener Luft sind nötig, damit die Amphibien aktiv werden.



36 Zugstellen in Vorarlberg
36 Zugstellen gibt es in Vorarlberg, doch nicht jede ist mit einem Schutzzaun ausgestattet. Biologin Christina den Hond-Vaccaro arbeitet bei der Firma Gabriel, die die Amphibienrettung in ganz Vorarlberg koordiniert. Die Amphibien spielen „eine bedeutende Rolle im Ökosystem“. Dort, wo Frösche, Kröten und Molche leben, ist die Umwelt intakt. „Sie sind Umweltindikatoren“, sagt die Biologin. „Wenn es den Amphibien gut geht, ist das ein Qualitätsmerkmal für diesen Lebensraum.“



14 Amphibienarten gibt es in Vorarlberg, vier davon sind vom Aussterben bedroht: der Feuersalamander, der Fadenmolch, der Kleine Wasserfrosch und der Teichfrosch. Die Amphibienschutzzäune sichern die Population. „Vergangenes Jahr konnten wir 200 Tiere retten“, sagt Rudi Hatzl stolz. Ihm liegt das Tierwohl am Herzen. Berührungsängste hat er keine. Er nimmt einen Molch aus dem Eimer und betrachtet ihn auf seiner Handfläche. „Das sind schöne Tiere.“



In den vergangenen Tagen sei viel los gewesen, erzählt Rudi Hatzl. „Ich versuche, recht viel da zu sein.“ Er ist dankbar für sein Team, denn gemeinsam sei man erfolgreicher. Er nimmt den Eimer, geht zum Teich und setzt die Frösche und den Molch behutsam am Wasser ab. Wenige Sekunden später sind die ersten bereits hineingehüpft.


