Rücksichtlose und gewaltbereite Mountainbiker sorgen für Ärger am Pfänder: „Es artet aus“

Gewalt, Beleidigungen, grobe Sachbeschädigungen. Roland Felder hat die Wut der Radfahrer schon mehrfach zu spüren bekommen.
Lochau Zuerst flogen Worte, dann die Fäuste und jetzt auch noch die Funken: Roland Felder (63) und seine Frau Brigitte wohnen idyllisch oberhalb von Lochau am Hang des Pfänders in Unterlangenfluh, mit einer wunderbaren Aussicht über den Bodensee und die Umgebung. Von der Pfänderstraße fährt man noch einmal knapp zwei Kilometer an Wiesen und Wäldern vorbei, bis man den Hof der Familie erreicht. Hier herrscht Ruhe pur – meistens zumindest. Denn es gibt ein Problem.

Die Felders wohnen direkt an einer beliebten, aber illegalen Mountainbikestrecke. Illegal deshalb, weil das Bergabfahren für Mountainbiker in Lochau auf allen Wegen eigentlich strikt verboten ist. Doch viele halten sich nicht daran. In der Gemeinde ist das Problem bekannt. „Das ist ein Dauerthema. Das Abwärtsfahren ist nur auf der Pfänderstraße erlaubt“, sagt Bürgermeister Frank Matt. Eine schnelle Lösung ist allerdings nicht in Sicht.



Roland Felder kann ein Lied davon singen. Der Pensionist und Landwirt wurde schon mehrfach von Mountainbikern angefahren, bedroht und sogar zusammengeschlagen, weil er sie auf das Fahrverbot aufmerksam machen wollte. Vor ein paar Tagen musste ein massiver Durchgang aus Eisenrohren daran glauben. „Ich habe ihn ein bisschen höher gemacht und so verbaut, dass die Radler nicht mehr durchkommen. Nun ist einer hergegangen und hat alles durchgeschnitten, inklusive des Stacheldrahts. Er muss eine Akkuflex im Rucksack dabeigehabt haben. Ich habe oft nichts gesagt, aber wenn man anfängt, das Zeug mutwillig aufzuflexen und dazu noch sieht, dass das Vieh drinnen ist, dann ist das nicht mehr lustig. Es artet aus“, unterstreicht der Lochauer.

Der 63-Jährige möchte niemanden anprangern, sondern auf die Probleme aufmerksam machen, mit denen Landwirte wie er durch Mountainbiker konfrontiert sind: Das Wild wird aufgescheucht, es kommt zu Wildschäden. Durch das scharfe Bremsen entstehen Schäden auf den Forstwegen. „Der Nachbar oben kann nicht einmal mehr jagen gehen, wenn die Mountainbiker in der Nacht daherkommen. Ich bewirtschafte unterhalb des Hofs eine Wiese. Immer wenn ich da mit dem Traktor oder Mähwerk hochfahre, habe ich Angst. Es ist ein schmaler Waldweg – wenn da einer um die Kurve schießt, hängt er voll drinnen“, führt er aus. Roland Felder schlägt vor, mehr Hinweisschilder am Pfänder anzubringen, um auf das Fahrverbot aufmerksam zu machen.

Bürgermeister Frank Matt glaubt nicht, dass mehr Schilder etwas bringen würden. „Die Einzigen, die das eindämmen können, ist die Exekutive, die diese Fahrverbote durchsetzen muss“, meint er. Sinnvoll wären aus seiner Sicht auch Kennzeichen für Fahrräder, um Regelverstöße besser verfolgen zu können.
Laut einer Studie befahren im Schnitt täglich etwa 300 Radfahrer den Pfänder – im oberen Bereich seien es ähnlich viele wie Autos, erläutert der Bürgermeister. Eine offizielle Mountainbikestrecke vom Pfänder nach Lochau gibt es nicht; das habe man in der Vergangenheit versäumt. „Prinzipiell brauchen wir eine solche Strecke, damit wir das kanalisieren können, aber das ist heutzutage fast nicht mehr durchsetzbar. Die Grundstückseigentümer bzw. die Eigentümer der Genossenschaftsstraßen sind schwer zu motivieren, eine Mountainbikestrecke zu genehmigen. Es werden immer wieder Teilstücke diskutiert. Was uns fehlt, ist eine durchgehende Strecke – das wäre das längerfristige Ziel. Darum bemühen sich alle Bürgermeister im Leiblachtal”, versichert Matt.
