Kolumne: Nicht schon wieder diesen Apfelkuchen
Allein heute habe ich schon drei Kuchenrezepte gespeichert, alles Apfelkuchen, denn auf Instagram ist es ja so: speichert man eine Sache, schwemmt es einem sofort zehn ähnliche ins System. So komme ich an Anleitungen für riesige Häkeldecken, die ich niemals häkeln werde, Nähtricks (zur Zeit ständig: wie man unsichtbar Jeans kürzt, obwohl ich gar keine Jeans zum kürzen habe), wunderschöne Pulloverstrickmuster, viel zu kompliziert für mich (der Fisch-Pulli! ), Kürbis-Rezepte, Sauerteig-Brot-Anleitungen und jetzt eben: Apfelkuchen.
In meinem Garten wachsen ja ein paar Apfelbäume, und auch wenn ich den Rest des Jahres keine große Kuchenbäckerin, naja, eigentlich überhaupt keine Kuchenbäckerin bin: im Herbst gibts Apfel-Kuchen.
Weil meine Kinder auf meinen üblichen Apfelkuchen, das bewährte alte Dr.-Oetker-Rezept, mit stark abnehmender Begeisterung reagieren, muss ich mich nach neuen umsehen, und weil ich auf Instagram eins gespeichert habe, kriege ich jetzt alle fünf Minuten ein neues. Eben hat mir ein fröhlicher junger Schwede gezeigt, wie man eine Tarte Tatin mit Cognac-Creme macht. Ich fand aber, dass sie nicht sehr ahmächelig aussah, ich hab sie nicht gespeichert.
Dafür das Mohn-Apfelkuchen-Rezept von der Wienerin Alexandra Palla, der ich in Koch- und Backdingen schon seit vielen Jahren blind vertraue. Weil sie mir immer den überaus geschätzten Gefallen tut, mit Zutaten zu arbeiten, die gerade reif und/oder leicht zubekommen sind, und dann den Zubereitungsvorgang selbst so einfach wie möglich gestaltet, so dass sogar ich das locker hinkriege. Und dann formuliert sie auch noch das Rezept selbst mit so wenigen Worten wie möglich, auch das mag ich sehr, denn bei manch anderen, durchaus tollen Rezepten, braucht man ja schon mal eine halbe Stunde, um sie nur einmal durchzulesen.
Gestern aber hatte ich, weil ich gerade in der Stadt bin, keine Äpfel, sondern Zwetschken vom Bauernmarkt. Ich habe das Rezept ausprobiert, das mir eine Freundin weitergeschickt hat und das sie vor dem Backen auf einer Mürbteigunterlage auf ein cremiges Bett aus geriebenen Nüssen, Butter, Zucker, etwas Stärke und Ei bettet. Ist gelungen, ich esse gerade noch ein Stück davon. Instagram zeigt mir inzwischen noch einen Brot-Sauerteig, einen unsichtbaren Ärmelsaum, ein Schoko-Mousse (woher kommt das jetzt?), einen gestreiften Schal mit eingehäkelter Kappe (nein!) und einen bärtigen Holländer, der sehr schön gemusterte Sachen strickt. Dem folge ich mal, aber jetzt mache ich das Internet aus – und damit Ruhe an meinen Arbeitstisch.
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