Durchfallquoten teils halbiert: “Letzter Beweis dafür, dass es Willkür war”

VN / 13.10.2025 • 15:40 Uhr
Durchfallquoten teils halbiert: "Letzter Beweis dafür, dass es Willkür war"
Michael Mayer, Fahrschulinhaber in Götzis: “Über Nacht haben wir ganz andere Prüfungsergebnisse”. VN/Paulitsch

Führerschein-Causa: Fahrschulen verzeichnen deutlich mehr bestandene Prüfungsfahrten und hoffen, dass Zeiten der Willkür endgültig vorbei sind.

Götzis, Egg Es ist Momentaufnahme und Stimmungsbild zugleich. An Vorarlbergs Fahrschulen herrscht allgemeine Erleichterung. Seit Jahren gibt es vereinzelt wieder “Weiße Fahnen” nach Prüfungstagen und reihenweise Fahrschüler mit strahlenden Gesichtern. “Es ist kein Vergleich mehr zu vorher. Es wird jetzt wieder mit Augenmaß geprüft”, sagt Michael Mayer. Der Fahrschulbesitzer aus Götzis spricht die Zeit vor den Enthüllungen in der Führerschein-Causa an, als Prüfungswillkür zum Tagesgeschäft gehörte. Vorerst scheint damit jedenfalls Schluss zu sein. “Wir sind auf einem guten Weg, wieder faire Prüfungen zu haben. Wenn es so bleibt, dann sind wir zufrieden”, sieht auch Thomas Willi von der gleichnamigen Fahrschule in Egg einen klaren Trend.

Durchfallquoten teils halbiert: "Letzter Beweis dafür, dass es Willkür war"
Michael Mayer im Gespräch mit den VN: “Von den früheren Problemprüfern ist jetzt keiner mehr dabei.” VN/Paulitsch

VN-Recherchen zu hohen Durchfallquoten bei Fahrprüfungen haben den Fall ins Rollen gebracht. Es geht um den Verdacht der systematischen Bereicherung einzelner Sachverständiger bei Fahrprüfungen. Jeder Fahrschüler, der wiederholt, spült zusätzliches Geld in die Prüfer-Kasse. Die Zuständigkeit liegt in der Verkehrsrechtsabteilung des Landes. Dort waren die Fäden bei einem Behördenmitarbeiter zusammengelaufen, der ein Netzwerk aufgebaut haben soll. Mittlerweile ist der Mann nicht mehr beim Land beschäftigt, das Netzwerk zerschlagen. “Über Nacht haben wir jetzt ganz andere Prüfungsergebnisse”, beschreibt Fahrschulbesitzer Michael Mayer “einen letzten Beweis dafür, dass bisher teils Willkür herrschte”. Jedenfalls stehe jetzt fest, dass Vorarlbergs Fahrschüler nicht dümmer und die Ausbildungsqualität nicht schlechter als in anderen Bundesländern sei.

Durchfallquoten teils halbiert: "Letzter Beweis dafür, dass es Willkür war"
Roland Paulitsch“Weiße Fahne” in Egg. Von 18 Fahrschülern haben kürzlich alle bestanden, freut sich Fahrschulbesitzer Thomas Willi.

Erst der mediale Druck in der Führerschein-Causa hat die Verantwortlichen zu Maßnahmen gezwungen. Von sich aus hätten weder Politik noch Behörden etwas unternommen, ist Michael Mayer überzeugt. “Die Fahrschulen im Land haben früh einen Maßnahmenplan vorgelegt, ohne damit auf Gehör zu stoßen.” Dort ging es vor allem um jene Handvoll Prüfer mit besonders hohen Durchfallquoten. Sie sollten weniger häufig zum Zug kommen. Mittlerweile – so VN-Informationen – ist keiner mehr von ihnen als Prüfer tätig. Überhaupt sind mehrheitlich neue Sachverständige im Einsatz, teils aushilfsweise aus Tirol. Und die verbliebenen früheren Mitarbeiter scheinen sensibilisiert ans Werk zu gehen.

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Morgen, Dienstag, trifft sich erneut eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Wirtschaftskammer, der zuständigen Behörde, der Politik und den Fahrschulen. Dann könnten erste offizielle Zahlen zu Durchfallquoten öffentlich werden. Schon jetzt scheint klar, dass die Kurve steil nach unten geht. Michael Mayer spricht von einem Gesamtbild, das sich deutlich verbessert hat. Gemeinsam mit Branchenkollegen rechnet er mit einer Durchfallquote von nur mehr rund 25 Prozent, was eine Halbierung der schlechten Zahlen bedeuten würde. “Wir dürften damit im Österreich-Schnitt liegen.” Davon war Vorarlberg jedenfalls über viele Jahre weit entfernt.

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Man könne sich keine Quote wünschen, sagt Mayer. Und es sei auch gar nicht möglich, dass alle durchkommen. “Wer aber eine verkehrssichere Prüfungsfahrt hinlegt, der soll auch einen Führerschein bekommen”, so der Fahrschulbesitzer. Mittlerweile gelingt das in einzelnen Fällen auch wieder allen Fahrschülern an einem Prüfungstag – wie vor drei Wochen in Egg. “Von 18 Fahrschülern haben es alle geschafft”, freut sich der dortige Fahrschulchef Thomas Willi. Das habe es in diesem Ausmaß jedenfalls schon lange nicht mehr gegeben.