Als hätte man gestern noch damit gearbeitet

VN / 08.10.2025 • 16:51 Uhr
„Riebeldoktor“ (copyright: Elmar Rhomberg) Richard Dietrich erläutert die „Verarbeitung der Maisernte“.  PETER STRAUSS   
“Riebeldoktor” (Copyright: Elmar Rhomberg) Richard Dietrich erläutert die “Verarbeitung der Maisernte”. Peter Strauss

Lauteracher Schaudepot sichert historische Geräte und Kulturgüter für die Zukunft.

Lauterach Klaus König nimmt einen “Achbollen” aus der Kiste auf dem Leiterwagen – “meine Großeltern haben mir erzählt, dass solche Steine aus der Ach geholt wurden und damit der Kern unseres Hauses gebaut wurde. Unglaublich, wie man damals gespart hat”. Vizebürgermeisterin Sabine Kassegger und Bürgermeisters Gattin Cilli Rhomberg lassen sich von Richard Dietrich in die Kunst der Türkeschellat einweihen und der 95-jährige pensionierte Wagnermeister Hans Eder bearbeitet ein Holzstück, wie er es ein Leben lang getan hat. Meister Eder? Es ist kein PR-Gag zur Eröffnung, er heißt wirklich so und mancher Besucher schaut sich unauffällig um, ob sich da nicht vielleicht in einer Ecke oder hinter einer nostalgischen Werkbank sein Pumuckl versteckt.

Walter Leu lüftet das Geheimnis der Krawatten für das Outfit der Schaudepot-Ehrenamtlichen.   
Walter Leu lüftet das Geheimnis der Krawatten für das Outfit der Schaudepot-Ehrenamtlichen.

Rieseninteresse für Schaudepot

Es herrscht heilloses Gedränge zwischen den vielen Exponaten, das Interesse ist riesig und Richard Dietrich hat Mühe, sich einen Weg für einen Rundgang zu bahnen. Nicht nur seine fachkundigen Erläuterungen zu den Gerätschaften sorgen bei den Eröffnungsgästen für Erstaunen – Richard Dietrich mit weißem Hemd und Krawatte? Und dann gleich noch mit einer poppigen, knallig bunten? Ein Schild über der Tür zum Nebenraum führt auf die Spur einer Erklärung: Lauteracher Krawattenstoffweberei ist dort zu lesen. Diese stellte 1956 den Betrieb ein – offenbar fanden sich irgendwo noch Restbestände, jedenfalls wurden für das Schaudepot-Team Dienstkleidung – weißes Hemd bzw. Bluse und bunte Krawatte – angefertigt.

Kleinmoster wurden früher von solchigen Getränkezustellern beliefert.   
Kleinmoster wurden früher von solchen Getränkezustellern beliefert.
Nicht nur die Vorfahren von Klaus König haben früher für den Hausbau „Achbollen“ in solchen Transportkisten auf Leiterwagen herangeschafft.
Nicht nur die Vorfahren von Klaus König haben früher für den Hausbau “Achbollen” in solchen Transportkisten auf Leiterwagen herangeschafft.

Das Schaudepot ist Bühne

Die Idee zur Einrichtung des Schaudepots entstand vor etwa zwei Jahren, als es um Nachnutzung für die ehemaligen Betriebsanlagen von I+R Schertler ging, wie Bürgermeister Elmar Rhomberg in seiner geschichtlichen Abhandlung erläuterte.

Inmitten des Rundgangs vom Schollen über Ried, Ackerbau, Obstverwertung und Handwerk bis in den Haushalt wird frühere Forstarbeit und Transportwesen gezeigt.
Inmitten des Rundgangs vom Schollen über Ried, Ackerbau, Obstverwertung und Handwerk bis in den Haushalt werden frühere Forstarbeit und Transportwesen gezeigt.

Auf diesem Areal blieb kein Stein auf dem anderen, seit die Gemeinde vor fast 20 Jahren eine erste Teilfläche erwarb, um darauf das Sozialzentrum zu errichten. Es folgte das Gemeindeamt und in der letzten Umgestaltungsphase neues Leben in der Alten Säge, die eigentlich zum Abbruch bestimmt war, ehe man es sich anders überlegte, das Objekt zur “Säge” umbenannte und als sozialkulturelles Impulszentrum entwickelte. Lebenshilfe, Reparaturcafé, kleine Geschäfte, ein Veranstaltungsraum – und jetzt eben das Schaudepot – wurden hier angesiedelt.

Fritz Dietrich erklärt das Ungetüm einer Strohschneide-Maschine.
Fritz Dietrich erklärt das Ungetüm einer Strohschneidemaschine.

So gesehen seien die Räumlichkeiten für sich ein Schaudepot, der Inhalt mehr als eine Ausstellung: Das Schaudepot ist mehr als Lager, es ist Bühne, definierte es Gemeindearchivarin Christine Schurr in ihrer Eröffnungsrede.

Volles Haus bei der Eröffnung des Schaudepos in der Lauteracher Säge.   
Volles Haus bei der Eröffnung des Schaudepots in der Lauteracher Säge.

Arbeit geht noch weiter

Baulich musste die frühere Werkhalle wenig verändert werden – auffälligster Unterschied zu früher: In die Fenster sind Motive vom Schollenstechen bis zur Riedbewirtschaftung eingearbeitet. Viel Arbeit wurde hingegen in das Konzept investiert. Rund 1200 ehrenamtliche Stunden waren es, listet Richard Dietrich auf. Es begann mit Exkursionen zu ähnlichen Einrichtungen in Vorarlberg, der Schweiz und in Deutschland, setzte sich fort mit dem Sammeln und Aufbereiten der Exponate (Dietrich: “Unser Anspruch war, alles so herzurichten, dass der Eindruck entsteht, die Geräte seien gestern noch in Verwendung gestanden.”) und schließlich der Gestaltung des Depots: Ein Rundgang von Schollen über Ried, Acker, Riebelmais, Obst und Obstverwertung samt Küferei bis zum Haushalt, dazwischendrin Transportwesen und Forst.

Gemeindearchivarin Schurr mit Omas Küchenwaage.   
Gemeindearchivarin Schurr mit Omas Küchenwaage.

Und die Arbeit geht noch weiter: “Wir wollen alles digitalisieren, damit die Besucher Erklärungen zu jedem einzelnen Exponat abrufen können”, kündigt Dietrich an. STP

Volles Haus bei der Eröffnung des Schaudepos in der Lauteracher Säge.   
Volles Haus bei der Eröffnung des Schaudepots in der Lauteracher Säge.
Wagnermeister Hans Eder in der Küferwerkstatt.
Wagnermeister Hans Eder in der Küferwerkstatt.
Viel Know How für das Schaudepot lieferte der Weissensberger Ortsheimatspfleger Willi Locher.
Viel Know-how für das Schaudepot lieferte der Weißensberger Ortsheimatpfleger Willi Locher.
Walter Pfanner: „Ich kann mich noch erinnern, wie mit dieser Presse gearbeitet wurde.“ Das Ungetüm steht an der Stiege zum Schaudepot, weil das Hinaufschleppen des Vier-Tonnen-Geräts zu schwierig war.   
Walter Pfanner: “Ich kann mich noch erinnern, wie mit dieser Presse gearbeitet wurde.” Das Ungetüm steht an der Stiege zum Schaudepot, weil das Hinaufschleppen des Vier-Tonnen-Geräts zu schwierig war.