Als hätte man gestern noch damit gearbeitet

Lauteracher Schaudepot sichert historische Geräte und Kulturgüter für die Zukunft.
Lauterach Klaus König nimmt einen “Achbollen” aus der Kiste auf dem Leiterwagen – “meine Großeltern haben mir erzählt, dass solche Steine aus der Ach geholt wurden und damit der Kern unseres Hauses gebaut wurde. Unglaublich, wie man damals gespart hat”. Vizebürgermeisterin Sabine Kassegger und Bürgermeisters Gattin Cilli Rhomberg lassen sich von Richard Dietrich in die Kunst der Türkeschellat einweihen und der 95-jährige pensionierte Wagnermeister Hans Eder bearbeitet ein Holzstück, wie er es ein Leben lang getan hat. Meister Eder? Es ist kein PR-Gag zur Eröffnung, er heißt wirklich so und mancher Besucher schaut sich unauffällig um, ob sich da nicht vielleicht in einer Ecke oder hinter einer nostalgischen Werkbank sein Pumuckl versteckt.

Rieseninteresse für Schaudepot
Es herrscht heilloses Gedränge zwischen den vielen Exponaten, das Interesse ist riesig und Richard Dietrich hat Mühe, sich einen Weg für einen Rundgang zu bahnen. Nicht nur seine fachkundigen Erläuterungen zu den Gerätschaften sorgen bei den Eröffnungsgästen für Erstaunen – Richard Dietrich mit weißem Hemd und Krawatte? Und dann gleich noch mit einer poppigen, knallig bunten? Ein Schild über der Tür zum Nebenraum führt auf die Spur einer Erklärung: Lauteracher Krawattenstoffweberei ist dort zu lesen. Diese stellte 1956 den Betrieb ein – offenbar fanden sich irgendwo noch Restbestände, jedenfalls wurden für das Schaudepot-Team Dienstkleidung – weißes Hemd bzw. Bluse und bunte Krawatte – angefertigt.


Das Schaudepot ist Bühne
Die Idee zur Einrichtung des Schaudepots entstand vor etwa zwei Jahren, als es um Nachnutzung für die ehemaligen Betriebsanlagen von I+R Schertler ging, wie Bürgermeister Elmar Rhomberg in seiner geschichtlichen Abhandlung erläuterte.

Auf diesem Areal blieb kein Stein auf dem anderen, seit die Gemeinde vor fast 20 Jahren eine erste Teilfläche erwarb, um darauf das Sozialzentrum zu errichten. Es folgte das Gemeindeamt und in der letzten Umgestaltungsphase neues Leben in der Alten Säge, die eigentlich zum Abbruch bestimmt war, ehe man es sich anders überlegte, das Objekt zur “Säge” umbenannte und als sozialkulturelles Impulszentrum entwickelte. Lebenshilfe, Reparaturcafé, kleine Geschäfte, ein Veranstaltungsraum – und jetzt eben das Schaudepot – wurden hier angesiedelt.

So gesehen seien die Räumlichkeiten für sich ein Schaudepot, der Inhalt mehr als eine Ausstellung: Das Schaudepot ist mehr als Lager, es ist Bühne, definierte es Gemeindearchivarin Christine Schurr in ihrer Eröffnungsrede.

Arbeit geht noch weiter
Baulich musste die frühere Werkhalle wenig verändert werden – auffälligster Unterschied zu früher: In die Fenster sind Motive vom Schollenstechen bis zur Riedbewirtschaftung eingearbeitet. Viel Arbeit wurde hingegen in das Konzept investiert. Rund 1200 ehrenamtliche Stunden waren es, listet Richard Dietrich auf. Es begann mit Exkursionen zu ähnlichen Einrichtungen in Vorarlberg, der Schweiz und in Deutschland, setzte sich fort mit dem Sammeln und Aufbereiten der Exponate (Dietrich: “Unser Anspruch war, alles so herzurichten, dass der Eindruck entsteht, die Geräte seien gestern noch in Verwendung gestanden.”) und schließlich der Gestaltung des Depots: Ein Rundgang von Schollen über Ried, Acker, Riebelmais, Obst und Obstverwertung samt Küferei bis zum Haushalt, dazwischendrin Transportwesen und Forst.

Und die Arbeit geht noch weiter: “Wir wollen alles digitalisieren, damit die Besucher Erklärungen zu jedem einzelnen Exponat abrufen können”, kündigt Dietrich an. STP



