Traditionelle Trachten genau im Blick

Raphaela Hollenstein von der Trachtengruppe Lustenau achtet darauf, dass die Trachten den Vorgaben entsprechen.
Lustenau Im Vereinslokal des Trachtenvereins Lustenau lagern Sonntagstrachten, Werktagstrachten, Radhauben, männliche Trachten, Dreieckshüte, Schuhe, Strümpfe sowie unzählige farbenfrohe Kinderdirndl in verschiedensten Größen und Lederhosen. Eine junge Frau hat all diese Kostbarkeiten stets im Auge und weiß, wer als Nächstes welches Kleidungsstück erhält: Raphaela Hollenstein (31), langjähriges Mitglied und seit Jänner dieses Jahres Trachtenpflegerin im Verein. Sie achtet darauf, dass die Lustenauer Trachten den Vorgaben des Landesverbandes entsprechen.

Genaue Vorgaben
„Wir haben einen umfangreichen Fundus an Leihgaben für unsere Mitglieder. Jede Tracht wurde vom Verein selbst angefertigt“, erklärt sie. Seit 75 Jahren gibt es die Lustenauer Trachtengruppe. In dieser Zeit haben die Mitglieder etliche Trachten und Dirndl für die Kinder genäht. Hollenstein verdeutlicht, dass Stoff nicht gleich Stoff ist und auch nicht jedes Muster für die Lustenauer Tracht geeignet ist. „Die Werktagstracht, die vom Chor getragen wird, muss in sich geschlossene Muster haben. Die Sonntagstracht hingegen, die die Tänzer bei uns tragen, ist mehrfarbig, hat kleine Muster, meist Pünktchen und Blümchen“, sagt sie. Und so gibt es einige wichtige Punkte, die so eine Lustenauer Tracht erfüllen muss, um auch wirklich authentisch zu sein.

Herausforderung: Stoffe
„Nicht alles ist erlaubt. Und das ist auch gut so. Denn so eine Tracht ist ein Kulturgut“, betont sie. Eine Herausforderung hat die sympathische Trachtenpflegerin zu meistern: das Auftreiben der passenden Stoffe. „Wir sind ständig auf der Suche nach für uns passendem Stoff“, sagt sie. Sie verdeutlicht, dass jene Stoffe, die der Lustenauer Tracht am ehesten nahekommen, nun aus Tirol oder Bayern bezogen werden müssen. „Das ist oftmals nicht dasselbe. Das ist schade. Unsere Stoffe werden leider nicht mehr produziert“, erklärt sie.

Und so geben die Mitglieder gut Acht auf ihre festlichen Kleider; die Dirndl der Kinder werden abgeändert, alte und nicht mehr zu tragende Kleidungsstücke weiter umgenäht. „Im Moment haben wir noch eine Dame, die sich beim Nähen auskennt. Sie ist jedoch schon über 80 Jahre. Wir bräuchten dringend jemanden, der uns beim Abändern oder auch beim Anfertigen der Trachten hilft“, sagt sie.

Stolzes Gefühl
Vor jedem Auftritt begutachtet sie die Mitglieder in den Trachten, Lederhosen und Dirndl. Ihr geschultes Auge erkennt sofort, wenn zum Beispiel ein Unterrock vergessen wurde, eine farbige Haarspange oder zu großer Schmuck getragen werden. „Wir tragen bei den Auftritten nur dezente Ohrringe, Uhren lassen wir alle komplett weg. Lange Haare müssen zudem zu einem Zopf zusammengeflochten sein. Ich achte auch darauf, ob die Schürzen die richtige Länge haben“, sagt sie.

Sie nimmt ihre Aufgabe und den Verein mit der Trachtkultur sehr ernst. „Es macht große Freude, in der Trachtengruppe zu sein und sie ein Stück weit am Leben zu erhalten. Deshalb ist es wichtig, dass alle Vorgaben eingehalten werden.“ Sie selbst ist seit ihrer Kindheit im Verein. Neben den traditionellen Kleidungsstücken gibt es im Lustenauer Verein bereits eine große Sammlung an Showkleidung. „Wir führen nicht nur traditionelle Tänze auf, sondern zeigen dem Publikum bei der Muttertagsaufführung auch schnellere Showtänze.“ Sie freut sich bereits auf die erste Dirndlanprobe der Trachtenkinder im Oktober. Denn da schaut sie, dass jede wieder mit einem passenden und farblich korrekten Dirndl ausgestattet wird. BVS
