Auf den Hasen warten

Ina Fasching präsentiert ihre neueste Ausstellung in der Galerie Maximilian Hutz.
hard „Waiting for the Rabbit“, so lautet der Ausstellungstitel der aus Vorarlberg stammenden Künstlerin Ina Fasching, die in der Galerie Maximilian Hutz eine umfassende Werkschau präsentiert. „Auf den Hasen warten“ assoziiert unter anderem die Geschichte „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll, in der auch ein weißes Kaninchen seinen Auftritt hat, und dem die Titelheldin in seinen Bau folgt. Fasching, 1989 in Lustenau geboren, lebt und arbeitet in Wien und in Jennersdorf im Burgenland, in Waldrandnähe. Genau dort setzt sie sich, wenn es die Zeit erlaubt, auf einen Baumstrunk und wartet auf den sprichwörtlichen Hasen, eine Art künstlerische Katharsis oder auch Ideengeber, ein meditativer Ruhepol. Fokussierte sich Fasching, die beispielsweise bei Gunter Damisch und Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte, zu Beginn ihres künstlerischen Schaffens vorwiegend auf Portraits menschlicher und tierischer Wesen, so hat sich ihr Repertoire zusehends um die Themen Landschaft und Stillleben erweitert. Ihre Verbundenheit zur Natur ist ihre Kraft- und Inspirationsquelle zugleich. Ihre Bildträger sind oft handgeschöpftes Nepalpapier, organisch, rauh, haptisch, naturbelassen, auch eine Art Landschaft, auf der sie mit einem beindruckenden Farbspektrum malt und zeichnet. Von der Decke der Galerie hängen ihre großformatigen Arbeiten (170 x 150 cm) in Ölmalerei mit Titeln wie „Das Krokodil“ (2024), „Der Fasan“ (2024), „Der Schneehase“ (2024), „Das Eichhörnchen“ (2024) oder auch „Die Bierdose“ (2024), wunderbare nahezu mystische Werke, die sich dem Betrachter nicht immer auf den ersten Blick erschließen.

Sie tragen in sich etwas vom Pinselduktus der Werke des großartigen amerikanischen Expressionisten Cy Twombly, zurückhaltend, versehen mit einem gewebeartigen und fein gesponnen Grundduktus, manchmal filigran und dennoch ungemein ausdrucksstark. Die Grenzen des Erkennbaren sind verwischt, Schliere im Aug – wie nur auf halbem Weg Geschautes, ätherisch, im besten Sinne des Wortes, denn übersetzt bedeutet ätherisch „Weite des Himmels“, sie steigen bildlich gesprochen himmelwärts und dennoch prägen sie sich gerade auf Grund ihrer Flüchtigkeit in das Gedächtnis des Betrachters ein. Das modifizierte Wittgensteinsche Postulat von „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man malen“ findet hier seinen kongenialen Niederschlag. Traumwandlerisch und virtuos verwendet Ina Fasching ihre Farbpalette, kein Strich zu viel, keiner zu wenig, das gelungene Sichtbarmachen des Unsichtbaren. Beeindruckend auch ihre über 20-teilige Serie „still waiting“ (2025) bezugnehmend auf das Warten der Niederkunft ihres Kindes; die blaue Katze „Kazzz mit Kochen“ (2025) und „Kazzz mit Schwammerln“ (2025) mit 3 “z” geschrieben und das geniale großformatige Bild „Herbst“ (2023). Chapeau!
In der ehemaligen Galerie Art House in Bregenz zeigt die Galerie Maximilian Hutz während der Festspielzeit zudem eine Sommerschau mit verschiedenen künstlerischen Positionen, darunter unter anderen Werke der Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler Herbert Albrecht, Gottfried Bechtold, Barbara Husar, Christoph Luger, Stefan Sagmeister und Karl-Heinz Ströhle.
Thomas Schiretz