Warum Welse den Alten Rhein lieben

Sie sind nicht die gefräßigsten, für Menschen kaum gefährlich, können jedoch sehr groß werden.
Lustenau Der in unseren Breiten größte Süßwasserfisch, der Wels, hat in der vergangenen Woche für viel Aufsehen gesorgt. Erst erzählte der Lustenauer Gerri Hämmerle (64) über seine schmerzhafte Begegnung mit einem Großfisch, mutmaßlich ein Wels, im Alten Rhein. Zwei Tage später wurde zufällig ein riesiges, 2,20 Meter langes Exemplar dieser Fischart just aus diesem Gewässer gezogen.
Keine Überraschung
Fragt sich: Wie viele dieser Großfische sind im Alten Rhein? Und: Muss man als Schwimmer damit rechnen, doch öfter und unfreiwillig mit dem größten Bewohner des Gewässers in Kontakt zu kommen?
“Dass ein solch großer Wels im Alten Rhein geschnappt wird, habe ich noch nie erlebt”, sagt René Schreiber (54), leidenschaftlicher Fischer und leitendes Mitglied des für den Alten Rhein zuständigen Fischereivereins Hohenems. Und dennoch sei es keine wirkliche Überraschung, dass ein solches Individuum von einem der 600 Jahreskarten-Besitzer einmal aus dem Wasser gezogen werde.
Schreiber, im Hauptberuf Kommandant der Lustenauer Sicherheitswache, kennt die Geschichte des Welses im Alten Rhein.

Begrenzte Fresszeit
“Welse wurden in den 70er-Jahren im Alten Rhein eingesetzt. Sie haben sich natürlich vermehrt und sind auch entsprechend gewachsen. Es gibt einige im Alten Rhein. Damit Welse ein Kilo zunehmen, müssen sie zehn Kilo Nahrung zu sich nehmen”, weiß der Alte-Rhein-Kenner. Fressen würde ein Wels jedoch nicht das ganze Jahr. “Von Oktober bis März frisst er praktisch nichts. Seine Fresssaison hat er die restliche Zeit des Jahres. In Flüssen wie Po und Ebro dauert die Fresszeit eines Welses viel länger”, erzählt Schreiber. Es sei nicht bekannt, dass Welse Kleingewässer wie den Alten Rhein leer gefressen hätten und damit andere Fischarten gefährdeten. “Der Wels passt seine Nahrungsgewohnheiten den Gegebenheiten eines Gewässers an.”

Viele Fischarten im Alten Rhein
Schlecht ist das Nahrungsangebot im Alten Rhein offensichtlich nicht. Das beliebte Badegewässer beherbergt eine Vielzahl von Fischarten. “Von Aal bis Zander findet man im Alten Rhein praktisch alles. Welse, Hechte, Kretzer, Karpfen, Rotfeder, Rotauge, Barsch – sie kommen alle dort vor”, berichtet Schreiber. Doch nicht alle Fischarten könnten ohne menschliche Hilfe überleben. Einige von ihnen müssen immer wieder besetzt werden”, weiß Schreiber.
Wie viele Welse sich im Alten Rhein tummeln, lässt sich schwer sagen. Es gibt Alte-Rhein-Kenner, die meinen, es seien zu viele. Richtig gefährlich werden können sie Menschen dennoch nicht.