Dieses Ländle-Unternehmen baut einen Amtssitz für Deutschlands Staatsoberhaupt

Kaufmann Bausysteme in Reuthe erstellt Ausweich-Gebäude für den deutschen Bundespräsidenten.
Reuthe, Berlin „Wir liegen gut im Zeitplan und werden das Vorhaben wie vorgesehen im Spätherbst übergeben“, erläutert Christian Kaufmann den Stand der Dinge beim wohl spektakulärsten Prestigeprojekt, das vom Wälder Unternehmen derzeit in Berlin umgesetzt wird: Im „Wälderhaus“ von Kaufmann Bausysteme wird in den kommenden fünf Jahren der deutsche Bundespräsident residieren – während sein Amtssitz Schloss Bellevue umfassend renoviert wird.

Höchste Qualität – kurze Bauzeit
Bei „Ausweichquartier“ denkt man an provisorisch aufgestellte Container – das spielt sich in diesem Fall allerdings nicht, im Gegenteil: „Bei der Ausschreibung hat die deutsche Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die Latte so hochgelegt, dass sich neben uns nur noch vier deutsche Firmen um den Auftrag beworben haben“, so Kaufmann, der ergänzt, dass nur wenige über das Know-how verfügen, ein derartiges Projekt in der knappen Zeit zu realisieren. Und in der Tat – zwei der fünf wurden schon in der ersten Bewerbungsrunde ausgeschieden, und auch die beiden verbliebenen Mitbewerber konnten nicht garantieren, die Vorgaben einzuhalten. So sei der Zuschlag für Kaufmann irgendwie logisch gewesen, „auch wenn es die deutsche Bauwirtschaft ganz sicher nicht gefreut hat, dass ein kleines Unternehmen aus dem Bregenzerwald ihr diesen Prestigeauftrag wegschnappte“, merkt Christian Kaufmann mit berechtigtem Stolz an.

Mehr als 200 Millionen Euro
„Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten“ hört sich im ersten Moment recht unspektakulär an – ist es aber ganz und gar nicht. Das kristallisierte sich schon im Vorfeld des Projekts heraus, denn die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sondierte erfolglos Möglichkeiten, ein geeignetes Bestandsgebäude als Amtssitz zu adaptieren. Also entschloss man sich zu einem Neubau – und definierte höchste Ansprüche.

Jetzt entstehen auf einer Grundfläche von rund 4.000 Quadratmetern in sechs Etagen fast 19.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche – für 178 Büros mit etwa 250 Arbeitsplätzen. Weiters Infrastruktur wie Cafeteria und repräsentative Veranstaltungsräume – vor allem den großen Saal für Staatsempfänge und andere Großanlässe im obersten Stockwerk. Und das alles in extrem kurzer Bauzeit. In der Ausschreibung werden denn auch die voraussichtlichen Kosten auf mehr als 200 Millionen Euro beziffert.

Nachhaltig ausgerichtet
Diese riesige Summe erklärt sich auch durch das Konzept: Aktuell ist eine Nutzung durch den Bundespräsidenten, das Bundespräsidialamt, die Bundespolizei sowie das Bundeskriminalamt vorgesehen. Ein Teil dieser Dienststellen verbleibt dauerhaft im Neubau, wenn Amtssitz samt Präsidialamt ins Schloss Bellevue zurückkehren. In frei werdende Büros ziehen andere Bundesbehörden ein.

394 Module „gestapelt“
Nach Auftragserteilung ging es Schlag auf Schlag – Spatenstich im Juli 2023, während der Baumeisterarbeiten am Stahlbeton-Sockel des Gebäudes startete Kaufmann im Frühjahr 2024 mit der Produktion der 394 Module, die dann in drei Monaten „gestapelt“ wurden. Mit dem „Stapelfest“ – so wird die „Ufrichte“ im Modulbau bezeichnet – begann am 13. November 2024 die nächste Phase, der Bau des Saales im sechsten Geschoss des Hauses. Dieses führt Kaufmann als Ingenieursholzbau aus.
Der Zeit weit voraus
Hinsichtlich Umweltstandards ist das Projekt seiner Zeit weit voraus: Das Haus hat den Standard eines „Energieeffizienzgebäudes Bund 40“, das heißt, es werden mindestens 60 Prozent weniger Energie verbraucht als gesetzlich vorgegeben ist. Kaufmann Bausysteme wird auch diesem Anspruch gerecht. STP