Mit den Augen sprechen: Hohenemserin (46) hält dank moderner Technologie Vorträge trotz schwerster Behinderung

Neue Technologie, von “Ma hilft” finanziert: Die 46-jährige Nathalie aus Hohenems ist schwerstbehindert. Doch ein neues Gerät mit Augensteuerung ermöglicht ihr nun, sich auszudrücken – und sogar Vorträge zu halten.
Darum geht’s:
- Nathalie, schwerbehindert, kommuniziert nun mit Spezialcomputer.
- Augensteuerung ermöglicht ihr komplexe Mitteilungen.
- Gerät von “Ma hilft” finanziert, für fünf Nutzer.
Hohenems Die 46-jährige Nathalie ist schwerstbehindert. Weil sie bei ihrer Geburt zu wenig Sauerstoff bekam, kann sie weder gehen noch sprechen. Zudem ist sie Spastikerin, kann ihre Muskelbewegungen nicht kontrollieren. So, als leide sie an einem Dauerkrampf.
Aber Nathi, wie sie von ihrem Umfeld genannt wird, ist ein fröhlicher Mensch. Und sie ist hochintelligent. Fast täglich verbringt die Hohenemserin viele Stunden in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe Hohenems, wo sich unter anderem Reinhard Wohlgenannt liebevoll um sie kümmert.
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Neue Lebensqualität
Seit Kurzem hat sich die Lebensqualität der schwerstbehinderten Frau deutlich erhöht. “Wir haben jetzt einen Spezialcomputer, der mit einer Augensteuerung versehen ist. Damit kann Nathi wunderbar mit ihrer Umwelt kommunizieren. Dank ‚Ma hilft‘ konnten wir dieses Gerät anschaffen. Es ist ein Segen nicht nur für Nathi. Vier andere Nutzer mit ähnlichen Einschränkungen profitieren davon”, berichtet Wohlgenannt freudig.

Der Augensteuerungs-Computer ist wie ein großer Laptop. Ganz unten am Screen findet sich eine Leiste, die einem schmalen, länglichen Lautsprecher gleicht. “Die Leiste enthält eine Infrarotschnittstelle. Darin befindet sich das Eye Tracking, die Augensteuerung”, erklärt Betreuer Reinhard Wohlgenannt. Bevor Nathalie das Gerät nutzen konnte, musste sie ihre Augen darauf adaptieren.
Nathi hält Vorträge
Nathi kann es kaum erwarten, zu zeigen, was der Augensteuerungs-Computer draufhat. Sie starrt gezielt auf den Scroller, der nach und nach zu einer Vielzahl von Symbolen führt. Nathalie hat die verschiedensten Symbole schon längst zu Bausteinen zusammengeführt. Mithilfe dieser Bausteine kann sie auch komplexe Mitteilungen allein durch gezielte Blicke kundtun. Das mit den Symbolen verbundene Sprachprogramm teilt Nathalies Gesprächspartnern exakt mit, was die 46-Jährige mitteilen möchte. Unter anderem, dass sie sich für Geschichte interessiert. Speziell für das Dritte Reich. Das Gerät ermöglicht ihr, sogar Vorträge vor Publikum zu halten. Ihr jüngstes Referat beschäftigt sich mit Euthanasie. Ein Phänomen, das ihr selbst in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus wohl zum tödlichen Verhängnis geworden wäre.

Ausgeklügelte Technologie
“Nicht alle der derzeit fünf Nutzer mit schwersten Behinderungen können das Gerät in einer so komplexen Form verwenden wie Nathi”, erzählt Wohlgenannt. Knapp 10.000 Euro kostete der Augensteuerungs-Computer, “Ma hilft” hat ihn für die Lebenshilfe finanziert. “Die Technologie gibt es schon seit 2008, so perfekt entwickelt wie jetzt ist es allerdings noch nicht so lange”, weiß Wohlgenannt.
Lange hat sich Nathalie nur mit dem sogenannten “Bliss-Katalog” verständigt. Ein Buch mit vielen für Außenstehende nicht identifizierbaren Zeichen, die ursprünglich eine geheime Sprache für Juden darstellten und später als Verständigung von schwerstbehinderten Menschen adaptiert wurden. Mit den spastischen Bewegungen ihrer Faust tut sich Nathalie nicht leicht, die richtigen Symbole für ihre Botschaften zu treffen. Zumal auch ihr Gegenüber mit den “Geheimnissen” des Bliss-Katalogs vertraut sein muss.
Das Gerät für Augensteuerung ist für Nathi der Sprung in ein neues Zeitalter.