Wie eine “Horrorraupe” Vorarlbergs beliebteste Zierpflanze dahinraffte

VN / 02.06.2025 • 16:00 Uhr
Wie eine "Horrorraupe" Vorarlbergs beliebteste Zierpflanze dahinraffte
Dieser Schädling brachte viele Groß- und Kleingärtner vor 13 Jahren zur Verzweiflung: Der Buchsbaumzünsler. VN/Steurer

Der Buchs, einst weit verbreitetes Immergrün in heimischen Gärten, ist als Opfer des Buchsbaumzünslers fast verschwunden.

Schwarzach “Buchs, das Multitalent” nannte vor fast 20 Jahren der VN-Gartenexperte Herbert Geringer jene “unverwüstliche Pflanze”, die, je nach Zuschnitt, dazu geeignet war, bemerkenswerte Effekte in unseren Gärten zu erzielen. Die Pflanze des Barocks, welche für die opulente Gartenarchitektur französischer Schlösser verwendet wurde, hatte Vorarlberg erobert.

Buchsbaumzünsler
Der Anfang vom Ende einer Buchspflanze. Der Schädling hat bereits knapp die Hälfte weggefressen. Vonbank

Plötzlich war der Schädling da

Und dann das, so ungefähr 2009: Ein Schädling kam aus Asien daher und suchte sich ausgerechnet den Buchs als Lieblingsmahlzeit aus. Der Buchsbaumzünsler begann mit seinem Zerstörungswerk. Schon drei Jahre später hatte es die kleine grün-blaue Raupe geschafft, ein Massensterben der beliebten Zierpflanze herbeizuführen. Innerhalb kürzester Zeit nach Befall verwandelten sich zuvor prächtige Buchsbäume in aschfahle, verkümmerte Pflanzenreste. Nichts und niemand konnte dem Schädling, der sich später zu einem Schmetterling entwickelte, Einhalt gebieten. Es gab damals nur ein höchst umstrittenes Spritzmittel, das bei nicht sachgerechter Anwendung für große Schäden sorgte.

Mahlzeit! Singvögel, wie Spatzen, haben den Schädling als Delikatesse entdeckt. Foto: VN
Erst allmählich hatten Vögel den Schädling als Delikatesse entdeckt. Doch das zerstörerische Werk des Buchsbaumzünsler konnten sie nicht verhindern. Haupt

“Arme Hunde”

Bald schon resignierten sogar Experten. “Jeder, der um diese Pflanze kämpft, ist ein armer Hund”, sagte bereits im März 2013 der ehemalige wissenschaftliche Berater der inatura, Klaus Zimmermann (66). Auch Pflanzenschutz-Experte Harald Rammel von der Landwirtschaftskammer riet dazu, den Buchsbaum durch andere Pflanzen zu ersetzen.

Vorarlberger des Tages Klaus Zimmermann, den wissenschaftlichen Berater der inatura,
Erkannte irgendwann die Aussichtslosigkeit des Kampfes gegen den Buchsbaumzünsler: Klaus Zimmermann, ehemaliger wissenschaftlicher Berater der Inatura in Dornbirn. VN/Paulitsch

Zwar fanden einige Vögel, darunter Spatzen, Meisen und Rotschwänze, die Raupen allmählich bekömmlich. Doch den sich dreimal im Jahr reproduzierenden Buchsbaumzünsler konnten sie nicht in der erforderlichen Zahl verzehren.

Fast verschwunden

Und heute? “Wir haben keine Buchspflanzen mehr in unserem Sortiment”, berichtet Gärtnermeister Reinhard Brunner (57). Auf Lager habe man noch ein Spritzmittel gegen den Schädling, da einige Kunden die Zierpflanze doch noch in ihren Gärten zu Hause retten konnten.

Der Frühling steht bevor- was man jetzt schon in seinem Garten machen kann
Gärtnermeister Reinhard Brunner führt den Buchs nicht mehr in seinem Sortiment. Nur noch ein Mittel gegen den Buchsbaumzünsler. VN/Serra

“Wir bekommen in der inatura gelegentlich Anfragen, wie man mit dem Schädling umgehen soll”, erzählt Elisabeth Ritter (53), Nachfolgerin Zimmermanns als wissenschaftliche Beraterin der inatura in Dornbirn. “Die Leute schicken uns unter anderem Fotos von den hellen und dunklen Faltern, die aus den Raupen entstehen.” Ritter rät zu Alternativen bei der Anschaffung von Zierpflanzen. “Die Eibe oder die japanische Stechpalme erfüllen denselben Zweck.”

Wie eine "Horrorraupe" Vorarlbergs beliebteste Zierpflanze dahinraffte
Elisabeth Ritter: “Anfragen zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers bekommen wir in der inatura heute noch.” VN/Paulitsch