Ihr Job beginnt, wo der Handyempfang endet: Der Arbeitstag eines Stauseewärters

VN / 30.05.2025 • 11:56 Uhr
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Die Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk arbeiten in der Staumauer des Silvretta-Stausees. Bilder: VN/JUN

Auf 2071 Metern liegt ihr Arbeitsplatz: Die Stauseewärter Patrick Märk und Christian Salcher sorgen für die Sicherheit des Silvretta-Stausees.

Gaschurn Patrick Märk und Christian Salcher haben ihren Arbeitsplatz auf 2071 Meter Höhe – zwischen bester Aussicht auf den Piz Buin und engen, dunklen Gängen in der Staumauer des Silvretta-Stausees. Während oben die Touristen Fotos vom türkisblauen Wasser machen, arbeiten die Stauseewärter Patrick und Christian im Verborgenen.

Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Ihr Arbeitsplatz befindet sich unterhalb der Postkartenidylle.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Auf der Bielerhöhe ist zurzeit noch wenig los, denn weder die Vermuntbahn fährt, noch die Hochalpenstraße offen hat.

Das ganze Jahr über betreuen die beiden die viergeschossige, 60 Meter hohe Staumauer und erleben jede Jahreszeit auf der Bielerhöhe. 500 Messstellen – drinnen und draußen – müssen sie in regelmäßigen Abständen überprüfen. Die wichtigsten Messstellen sind die Lotmessstellen, die selbst geringste Erschütterungen aufzeichnen, und die Sickerwassermessstellen. Vormittags führen sie ihre Kontrollgänge durch und dokumentieren die Messdaten. Die Hauptmessstellen sind elektronisch überwacht, sodass die Daten direkt am Computer ersichtlich sind. Viele Messstellen müssen sie jedoch händisch auslesen.

Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Hier geht es in die Staumauer hinein.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
In diesem Haus der illwerke vkw können die Stauseewärter die Hauptmessstellen auf ihren Computern elektronisch überwachen.

Eine der Messstellen überwacht den Wasserdruck zwischen der Staumauer und dem Fels. Das ist wichtig, um zu erkennen, ob sich Wasser hinter der Mauer aufstaut und dort Druck aufbaut. Zusätzlich wird auch der sogenannte Felsdruck gemessen – also wie stark der Fels selbst auf die Mauer wirkt. Denn über die Jahre können sich sowohl das Gestein als auch die Mauer minimal verschieben. Um solche Bewegungen im Inneren zu erfassen, kommt ein sogenanntes Rockmeter zum Einsatz. Den Wasserstand im Speicher ermitteln die beiden mit einer Drucksonde. Der Silvretta-Stausee fasst 38,6 Millionen Kubikmeter Wasser. Er wird jedoch bewusst nie vollständig gefüllt, da er als Reserve für Naturereignisse dient.

Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Die Lotmessstelle zeichnet die geringsten Erschütterungen auf.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Die Wendeltreppe mit ihren 280 Stufen müssen die Stauseewärter regelmäßig rauf und runtergehen.

Kontrollgänge zu den Zuflüssen und Quellen

Manche Messstellen müssen wöchentlich, andere 14-tägig und wieder andere nur monatlich oder saisonal kontrolliert werden. Auch rund 20 Quellen rund um die Mauer nehmen die Stauseewärter regelmäßig unter die Lupe. Die Kontrollgänge reichen bis zur Quellfassung im Bieltal. Zudem betreuen sie die Zuflüsse aus dem Ochsental, Bieltal und Klostertal. Heuer gab es kaum Schneeschmelze, weshalb die Quellen und Zuflüsse nur wenig Wasser führen. „Es ist schon wie im Hochsommer“, sagt Patrick.

Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Patrick Märk sagt, die Arbeit in der Staumauer sei Gewöhnungssache.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Es ist feucht und ohne künstliche Beleuchtung wäre es in den Gängen der Staumauer stockdunkel.

Die Woche ist klar strukturiert: Montags und donnerstags werden Messungen am Silvretta-Stausee durchgeführt, mittwochs ist der Vermunt-Stausee dran, freitags erfolgen Messungen an beiden Stauseen. Dienstags gibt es keine Messungen – dieser Tag ist Arbeiten wie Geländermontagen oder Reinigungen vorbehalten.

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Da es keinen Handyempfang gibt, gibt es bei Notfällen ein Telefon.
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Würde man die Gänge in der Mauer aneinanderlegen, käme man auf einen Kilometer.

Kein Handyempfang

Christian Salcher ist seit zwei Jahren im Team, Patrick Märk bereits seit zwölf. „Man lässt auch keinen da rein, der sich nicht auskennt“, sagt Christian. Patrick ergänzt: „In der Staumauer gibt es keinen Handyempfang. Daher gehen wir immer zu zweit. Da drinnen ist es nicht so lustig – es ist kalt und feucht.“ Im Winter hat es 5,5 Grad, im Sommer ist es mit 7 Grad kaum wärmer. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bis zu 98 Prozent. In der Staumauer gibt es zwar Licht, dennoch tragen sie Stirnlampen, falls das Licht einmal ausfällt. „Es ist Gewohnheitssache. Wir sind ja nicht den ganzen Tag in der Staumauer“, sagt Patrick.

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Patrick Märk kontrolliert die Messdaten wie hier bei der Lotmessstelle.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Auch die Sickerwassermessstelle überwacht Patrick Märk.

Je weiter die Stauseewärter in die Gänge vordringen, desto mehr Messstellen erwarten sie dort. Würde man alle Gänge aneinanderlegen, käme man auf eine Gesamtlänge von knapp einem Kilometer. Auch sonst bleiben die beiden Montafoner fit: Allein die Wendeltreppe umfasst 280 Stufen.

Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Vormittags machen sie die Kontrollgänge, wie hier bei der Sickerwassermessstelle. Den ganzen Tag verbringen sie nicht in der Staumauer.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Stauseewärter Christian Salcher kennt sich in der Staumauer bestens aus.

Selbst wenn der Silvretta-Stausee – was etwa alle zehn Jahre geschieht – abgelassen wird, müssen Patrick und Christian weiter messen. „Wir wollen ja wissen, wie sich der Speicher im Leerzustand verhält“, erklärt Patrick, der in Partenen wohnt und damit eine kürzere Anreise zur Dienststelle hat als sein Kollege aus Bartholomäberg.

Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Christian Salcher und Patrick Märk arbeiten immer zusammen. Auch den Vermunt-Stausee betreuen sie.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Die Staumauer hat mehrere Ein- und Ausgänge.

Eine eigene Ausbildung zum Stauseewärter gibt es nicht. Christian und Patrick haben einen Weiterbildungskurs mit Theorie- und Praxiseinheiten absolviert. Gelernt haben sie ursprünglich etwas anderes: Patrick (42) ist gelernter Zimmermann, Christian (48) Maler. Und jetzt wachen sie über den Silvretta- und den Vermunt-Stausee.

Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Die Messstellen sehen unterschiedlich aus.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Auch die Umgebung mit ihren Quellen und Zuflüssen wird von den beiden unter die Lupe genommen.
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
Auch das Kraftwerk betreuen sie.
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Eine weitere Messstelle.
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Das Gewichtslot
Stauseewärter Christian Salcher und Patrick Märk, Silvretta-Stausee
60 Meter hoch ist die Staumauer.
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An der Mauer hat sich schon Sinter gebildet.