Ihr Job beginnt, wo der Handyempfang endet: Der Arbeitstag eines Stauseewärters

Auf 2071 Metern liegt ihr Arbeitsplatz: Die Stauseewärter Patrick Märk und Christian Salcher sorgen für die Sicherheit des Silvretta-Stausees.
Gaschurn Patrick Märk und Christian Salcher haben ihren Arbeitsplatz auf 2071 Meter Höhe – zwischen bester Aussicht auf den Piz Buin und engen, dunklen Gängen in der Staumauer des Silvretta-Stausees. Während oben die Touristen Fotos vom türkisblauen Wasser machen, arbeiten die Stauseewärter Patrick und Christian im Verborgenen.


Das ganze Jahr über betreuen die beiden die viergeschossige, 60 Meter hohe Staumauer und erleben jede Jahreszeit auf der Bielerhöhe. 500 Messstellen – drinnen und draußen – müssen sie in regelmäßigen Abständen überprüfen. Die wichtigsten Messstellen sind die Lotmessstellen, die selbst geringste Erschütterungen aufzeichnen, und die Sickerwassermessstellen. Vormittags führen sie ihre Kontrollgänge durch und dokumentieren die Messdaten. Die Hauptmessstellen sind elektronisch überwacht, sodass die Daten direkt am Computer ersichtlich sind. Viele Messstellen müssen sie jedoch händisch auslesen.


Eine der Messstellen überwacht den Wasserdruck zwischen der Staumauer und dem Fels. Das ist wichtig, um zu erkennen, ob sich Wasser hinter der Mauer aufstaut und dort Druck aufbaut. Zusätzlich wird auch der sogenannte Felsdruck gemessen – also wie stark der Fels selbst auf die Mauer wirkt. Denn über die Jahre können sich sowohl das Gestein als auch die Mauer minimal verschieben. Um solche Bewegungen im Inneren zu erfassen, kommt ein sogenanntes Rockmeter zum Einsatz. Den Wasserstand im Speicher ermitteln die beiden mit einer Drucksonde. Der Silvretta-Stausee fasst 38,6 Millionen Kubikmeter Wasser. Er wird jedoch bewusst nie vollständig gefüllt, da er als Reserve für Naturereignisse dient.


Kontrollgänge zu den Zuflüssen und Quellen
Manche Messstellen müssen wöchentlich, andere 14-tägig und wieder andere nur monatlich oder saisonal kontrolliert werden. Auch rund 20 Quellen rund um die Mauer nehmen die Stauseewärter regelmäßig unter die Lupe. Die Kontrollgänge reichen bis zur Quellfassung im Bieltal. Zudem betreuen sie die Zuflüsse aus dem Ochsental, Bieltal und Klostertal. Heuer gab es kaum Schneeschmelze, weshalb die Quellen und Zuflüsse nur wenig Wasser führen. „Es ist schon wie im Hochsommer“, sagt Patrick.


Die Woche ist klar strukturiert: Montags und donnerstags werden Messungen am Silvretta-Stausee durchgeführt, mittwochs ist der Vermunt-Stausee dran, freitags erfolgen Messungen an beiden Stauseen. Dienstags gibt es keine Messungen – dieser Tag ist Arbeiten wie Geländermontagen oder Reinigungen vorbehalten.


Kein Handyempfang
Christian Salcher ist seit zwei Jahren im Team, Patrick Märk bereits seit zwölf. „Man lässt auch keinen da rein, der sich nicht auskennt“, sagt Christian. Patrick ergänzt: „In der Staumauer gibt es keinen Handyempfang. Daher gehen wir immer zu zweit. Da drinnen ist es nicht so lustig – es ist kalt und feucht.“ Im Winter hat es 5,5 Grad, im Sommer ist es mit 7 Grad kaum wärmer. Die Luftfeuchtigkeit beträgt bis zu 98 Prozent. In der Staumauer gibt es zwar Licht, dennoch tragen sie Stirnlampen, falls das Licht einmal ausfällt. „Es ist Gewohnheitssache. Wir sind ja nicht den ganzen Tag in der Staumauer“, sagt Patrick.


Je weiter die Stauseewärter in die Gänge vordringen, desto mehr Messstellen erwarten sie dort. Würde man alle Gänge aneinanderlegen, käme man auf eine Gesamtlänge von knapp einem Kilometer. Auch sonst bleiben die beiden Montafoner fit: Allein die Wendeltreppe umfasst 280 Stufen.


Selbst wenn der Silvretta-Stausee – was etwa alle zehn Jahre geschieht – abgelassen wird, müssen Patrick und Christian weiter messen. „Wir wollen ja wissen, wie sich der Speicher im Leerzustand verhält“, erklärt Patrick, der in Partenen wohnt und damit eine kürzere Anreise zur Dienststelle hat als sein Kollege aus Bartholomäberg.


Eine eigene Ausbildung zum Stauseewärter gibt es nicht. Christian und Patrick haben einen Weiterbildungskurs mit Theorie- und Praxiseinheiten absolviert. Gelernt haben sie ursprünglich etwas anderes: Patrick (42) ist gelernter Zimmermann, Christian (48) Maler. Und jetzt wachen sie über den Silvretta- und den Vermunt-Stausee.







