Ein Blick ins Innere der Staumauer des Lünersees – was dort zurzeit geschieht

Alle zehn Jahre wird der Lünersee abgelassen, um Rohre und Technik zu prüfen. Die illwerke vkw gaben einen Einblick in die Staumauer.
Vandans Der Lünersee zeigt sich zurzeit ziemlich leer. Alle zehn Jahre wird er abgelassen, um wichtige Revisionsarbeiten durchzuführen. Sebastian Schuler, Teamleiter des Lünersee-Kraftwerks, und Peter Scheider, Projektleiter der Speicherabsenkung Lünersee, gaben den Medien einen Einblick in die Staumauer.


Die regelmäßige Absenkung des Speichersees ist eine betriebliche Vorgabe, um Rohre und Technik, den Grundablass, die Triebwasserführungen und die Absperrorgane zu überprüfen. Abgelassen wird das Wasser großteils über das Kraftwerk, aber auch über den Alvier. Dabei wird der Alvier streng überwacht – Wasserqualität und Sauerstoffgehalt werden laufend kontrolliert. Die Wasserzufuhr in den Alvier, die behördlich genehmigt ist, wurde kontinuierlich von 300 Litern pro Sekunde auf 3,5 Kubikmeter pro Sekunde gesteigert.



Der Totraum im See
Erst wenn 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser den Grundablass wieder überdecken, kann das Lünerseewerk seinen Pumpbetrieb aufnehmen. Der See fasst 78 Millionen Kubikmeter nutzbares Wasservolumen. Der Grund liegt jedoch deutlich tiefer, wie Peter Scheider erklärte: 16 Millionen Kubikmeter sogenannter Totraum befinden sich unterhalb des Grundablasses. Der Lünersee kann nicht vollständig abgelassen werden, da natürliche Zuflüsse ihn permanent speisen. Würde der See ausschließlich durch diese gefüllt, würde es fünf Jahre dauern, bis er voll ist. Durch das Hochpumpen von Wasser aus Latschau ist der See deutlich schneller wieder gefüllt.
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In der zweiten Woche der Arbeiten wurden Messungen durchgeführt. Allein in den Leitungen bis nach Latschau befanden sich 60.000 Kubikmeter Wasser. Diese mussten vollständig entleert werden, damit Spezialisten die Rohre auf Undichtigkeiten oder Korrosionsschäden prüfen konnten. Ab Anfang Juni soll der reguläre Pumpbetrieb wieder starten.


In der Sperrkammer nahe dem Grundablass gibt es zwei große Klappen, die den See von der Triebwasserführung trennen – sie verriegeln ihn also. Das ist besonders im Notfall entscheidend. Im Normalbetrieb sind die Klappen geöffnet, damit das Wasser abfließen kann. Arbeiter in der Sperrkammer – insgesamt sind bis zu 80 Personen am Revisionsprojekt beteiligt – führten die Endkontrolle der Rohrleitungen durch und verschlossen den Einstieg.



Daniel und Kurt, die beiden Stauseewärter, behalten den Überblick über alle anfallenden Arbeiten in der Staumauer, die 380 Meter lang, 20 Meter dick und 30 Meter hoch ist. 197 Stufen führen über eine schmale Wendeltreppe hinab in das Herzstück der Mauer. Auf dem Weg zur Sperrkammer passiert man Lotmessstellen, die selbst geringste Erschütterungen registrieren. Ob Felssturz in der Schweiz oder Erdbeben in anderen Ländern – die Daten werden ins Kontrollzentrum weitergeleitet. Bei Unregelmäßigkeiten rückt der Bereitschaftsdienst aus.


Immer den Kabelleitungen nach
In der Staumauer müssen zahlreiche Stufen bewältigt werden – es geht auf und ab, nach links und rechts. Um die Orientierung zu erleichtern, ist die Mauer in 31 Blöcke unterteilt. „Wir befinden uns gerade in Block 8“, erklärte Scheider. Und: Um wieder ans Tageslicht zu gelangen, könnten Ortsunkundige auch einfach den Kabelleitungen folgen – sie weisen den Weg hinaus.


Zweieinhalb Jahre dauerte die Vorbereitung der Absenkung. Die Revisionsplanung und -arbeiten belaufen sich auf rund eine Million Euro. Heuer ist neben dem Lünersee auch der Vermuntsee an der Reihe. Was auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist: Der Lünersee ist vom Volumen her der größte Stausee der illwerke vkw.




