„Wir werden nur vertröstet“: Das sagen Betroffene zur Sperre des hinteren Silbertals

Die Sperre der Fellimännlestraße trifft Älpler und Gastronomen hart. Die VN hat mit ihnen über die Auswirkungen gesprochen.
Silbertal Dass die Fellimännlestraße ins hintere Silbertal weiterhin gesperrt ist, stellt auch für die Älpler und Gastronomen ein ernstes Problem dar. Raphael Mäser führt gemeinsam mit seiner Schwester nicht nur das Hotel Alpenrose in Schruns, sondern auch die Almhütte Fellimännle. Bereits im Winter blieb die Hütte geschlossen. „Seitdem warten wir auf eine Meldung der Gemeinde“, sagt Mäser. „Doch es ist schwierig, mit der Gemeinde zu kommunizieren. Wir werden nur vertröstet. Nach drei Mails habe ich eine Antwort vom Bürgermeister erhalten, dass man noch nichts wisse.“ Eine Planung sei unter diesen Umständen kaum möglich.


Mäser beschäftigt fünf Mitarbeiter aus Nepal, die extra für die Saison anreisen und fünfeinhalb Monate bleiben. Für Visum und Arbeitsbewilligung ist ein Vorlauf von zwei Monaten notwendig. Die Nepalesen haben bereits Flüge gebucht – ob sie tatsächlich Arbeit haben werden, ist aber unklar. „Unsere Existenz hängt daran“, betont Mäser. Insgesamt sind zehn Personen im Fellimännle angestellt, die weiterhin bezahlt werden müssen. „Die Mitarbeiter sind verunsichert“, so der Gastronom. Bleibt das Fellimännle geschlossen, dann seien die Mitarbeiter schnell weg – und kommen nicht wieder.

„Die Zeit wird eng“, meint Mäser, der im hinteren Silbertal auch zwei Chalets vermietet und bereits Buchungen hat. Unverständlich sei für ihn, warum die Straße nicht zumindest bei Schönwetter geöffnet werden könne – bei der Silvretta-Hochalpenstraße funktioniere das schließlich auch. Alternativ schlägt er vor, eine provisorische Fußgängerbrücke auf die andere Bachseite zu verlegen und dort einen neuen Wanderweg zu errichten.


Acht Almbetriebe betroffen
Nicht nur das Fellimännle und Hasahüsli sind betroffen, sondern auch acht Almbetriebe. Hubert Dobler, Pächter von fünf Alpen, bringt seine Verärgerung deutlich zum Ausdruck: „Ich bin richtig sauer.“ Er spricht von der „absoluten Untätigkeit des Bürgermeisters“. Zwar könne niemand etwas für den Felssturz, aber: „Man muss einen Plan A, B und C haben.“

Die Zufahrt zu den Alpen ist nur noch erschwert möglich. Die Landwirte müssen über den Kristberg ausweichen – ein fast einstündiger, 20 Kilometer langer Umweg. Da es keinen klassischen Almauftrieb zu Fuß mehr gibt, wird das Vieh per Hänger transportiert, was einige Tage in Anspruch nimmt. Lkws bringen Heu und Kraftfutter – das bedeutet viel Verkehr für den Erholungsberg Kristberg.

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Mit dem Auftrieb ist es nicht getan: Mehrmals wöchentlich muss der produzierte Käse ins Tal gebracht und verkauft werden. „Wir produzieren sieben bis acht Tonnen Käse im Jahr“, so Dobler, der unter anderem die Alpe Gafluna betreut. Ende des Monats ziehen die Landwirte auf ihre Almen. Die gesperrte Straße dürfen sie auf eigene Gefahr befahren. Solange der Geologe jedoch keine Freigabe erteilt, übernimmt die Gemeinde keine Haftung. „Dem Bürgermeister ist der wirtschaftliche Schaden nicht bewusst“, sagt Dobler.


Er kritisiert den mangelnden Informationsfluss seitens des Bürgermeisters: „Der nimmt nie das Telefon ab. Das ist ein einziges Drama.“ Aus seiner Sicht wurde viel zu spät reagiert. Den Einsatz des Bundesheeres, um den Felsblock gezielt zu sprengen, befürwortet er. „Das ist eine Frage des Wollens.“

Das sagt Jürgen Zudrell von der Kristbergbahn
Jürgen Zudrell, Geschäftsführer der Kristbergbahn, geht davon aus, dass die Sperre der Fellimännlestraße spätestens bis zu den Sommerferien aufgehoben wird. Der Bürgermeister sei dem Bundesheer bereits in Kontakt. Zudrell hält es für möglich, die Privatstraße auf den Kristberg kurzfristig für den Schwerverkehr zu öffnen, um die Alpen zu bestoßen. Ein täglicher Verkehr sei jedoch nicht machbar. Beim Abtransport des Käses könnten sich die Älpler absprechen, sodass nur eine Fahrt pro Woche nötig ist.

Da der Kristberg über viele Routen erreichbar ist, sei der wirtschaftliche Schaden hier geringer. Für Wanderer gibt es zudem eine Alternativroute über Unterboden ins hintere Silbertal. Dieser Umweg ist jedoch weder kinderwagentauglich noch für Biker geeignet und dauert rund 30 Minuten länger.
