„Wir werden nur vertröstet“: Das sagen Betroffene zur Sperre des hinteren Silbertals

VN / 14.05.2025 • 10:50 Uhr
„Wir werden nur vertröstet“: Das sagen Betroffene zur Sperre des hinteren Silbertals
Das hintere Silbertal bleibt nach einem Felssturz weiterhin gesperrt.

Die Sperre der Fellimännlestraße trifft Älpler und Gastronomen hart. Die VN hat mit ihnen über die Auswirkungen gesprochen.

Silbertal Dass die Fellimännlestraße ins hintere Silbertal weiterhin gesperrt ist, stellt auch für die Älpler und Gastronomen ein ernstes Problem dar. Raphael Mäser führt gemeinsam mit seiner Schwester nicht nur das Hotel Alpenrose in Schruns, sondern auch die Almhütte Fellimännle. Bereits im Winter blieb die Hütte geschlossen. „Seitdem warten wir auf eine Meldung der Gemeinde“, sagt Mäser. „Doch es ist schwierig, mit der Gemeinde zu kommunizieren. Wir werden nur vertröstet. Nach drei Mails habe ich eine Antwort vom Bürgermeister erhalten, dass man noch nichts wisse.“ Eine Planung sei unter diesen Umständen kaum möglich.

Almhütte Fellimännle
Die Almhütte Fellimännle bleibt vorerst geschlossen. Patrick Säly – Montafon Tourismus
Raphael Mäser, Hotel Alpenrose Schruns
Raphael Mäser bemängelt die Planungsunsicherheit. Ob seine Mitarbeiter im Fellimännle diese Saison arbeiten können, ist ungewiss. privat

Mäser beschäftigt fünf Mitarbeiter aus Nepal, die extra für die Saison anreisen und fünfeinhalb Monate bleiben. Für Visum und Arbeitsbewilligung ist ein Vorlauf von zwei Monaten notwendig. Die Nepalesen haben bereits Flüge gebucht – ob sie tatsächlich Arbeit haben werden, ist aber unklar. „Unsere Existenz hängt daran“, betont Mäser. Insgesamt sind zehn Personen im Fellimännle angestellt, die weiterhin bezahlt werden müssen. „Die Mitarbeiter sind verunsichert“, so der Gastronom. Bleibt das Fellimännle geschlossen, dann seien die Mitarbeiter schnell weg – und kommen nicht wieder.

Aussicht auf das Silbertal. Von links unten ging es hoch.
Aussicht auf das hintere Silbertal: Im bewaldeten Berghang (rechtsseitig des Tals) ereignete sich der Felssturz.

„Die Zeit wird eng“, meint Mäser, der im hinteren Silbertal auch zwei Chalets vermietet und bereits Buchungen hat. Unverständlich sei für ihn, warum die Straße nicht zumindest bei Schönwetter geöffnet werden könne – bei der Silvretta-Hochalpenstraße funktioniere das schließlich auch. Alternativ schlägt er vor, eine provisorische Fußgängerbrücke auf die andere Bachseite zu verlegen und dort einen neuen Wanderweg zu errichten.

Vorarlbergs schönste Sennalpen: Alpe Gafluna und Alpe Alpgues
Die Sennalpe Gafluna liegt im hinteren Silbertal und wird von Hubert Dobler betreut. Oliver Lerch
„Wir werden nur vertröstet“: Das sagen Betroffene zur Sperre des hinteren Silbertals

Acht Almbetriebe betroffen

Nicht nur das Fellimännle und Hasahüsli sind betroffen, sondern auch acht Almbetriebe. Hubert Dobler, Pächter von fünf Alpen, bringt seine Verärgerung deutlich zum Ausdruck: „Ich bin richtig sauer.“ Er spricht von der „absoluten Untätigkeit des Bürgermeisters“. Zwar könne niemand etwas für den Felssturz, aber: „Man muss einen Plan A, B und C haben.“

Vorarlbergs schönste Sennalpen: Alpe Gafluna und Alpe Alpgues
Hubert Dobler ist vor allem sauer auf die Gemeinde, die in seinen Augen zu lange untätig blieb. Oliver Lerch

Die Zufahrt zu den Alpen ist nur noch erschwert möglich. Die Landwirte müssen über den Kristberg ausweichen – ein fast einstündiger, 20 Kilometer langer Umweg. Da es keinen klassischen Almauftrieb zu Fuß mehr gibt, wird das Vieh per Hänger transportiert, was einige Tage in Anspruch nimmt. Lkws bringen Heu und Kraftfutter – das bedeutet viel Verkehr für den Erholungsberg Kristberg.

Sommertour des VP-Klimaforums, Ortskern der Gemeinde Silbertal mit Kristberg
Biker haben noch etliche andere Zufahrtswege auf den Kristberg. SCO

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Mit dem Auftrieb ist es nicht getan: Mehrmals wöchentlich muss der produzierte Käse ins Tal gebracht und verkauft werden. „Wir produzieren sieben bis acht Tonnen Käse im Jahr“, so Dobler, der unter anderem die Alpe Gafluna betreut. Ende des Monats ziehen die Landwirte auf ihre Almen. Die gesperrte Straße dürfen sie auf eigene Gefahr befahren. Solange der Geologe jedoch keine Freigabe erteilt, übernimmt die Gemeinde keine Haftung. „Dem Bürgermeister ist der wirtschaftliche Schaden nicht bewusst“, sagt Dobler.

Kristberg, Sagenwanderweg, Silbertal, VN-Wanderserie
Mittlerweile gibt es eine ausgewiesene Umleitung für Wanderer, um doch noch ins hintere Silbertal zu kommen.
Felssturz Fellimännlestraße
Dieser Felsbrocken droht abzustürzen. Gemeinde Silbertal

Er kritisiert den mangelnden Informationsfluss seitens des Bürgermeisters: „Der nimmt nie das Telefon ab. Das ist ein einziges Drama.“ Aus seiner Sicht wurde viel zu spät reagiert. Den Einsatz des Bundesheeres, um den Felsblock gezielt zu sprengen, befürwortet er. „Das ist eine Frage des Wollens.“

Vorarlbergs schönste Sennalpen: Alpe Gafluna und Alpe Alpgues
Hubert Dobler sennt auf seiner Alpe selbst. Oliver Lerch

Das sagt Jürgen Zudrell von der Kristbergbahn

Jürgen Zudrell, Geschäftsführer der Kristbergbahn, geht davon aus, dass die Sperre der Fellimännlestraße spätestens bis zu den Sommerferien aufgehoben wird. Der Bürgermeister sei dem Bundesheer bereits in Kontakt. Zudrell hält es für möglich, die Privatstraße auf den Kristberg kurzfristig für den Schwerverkehr zu öffnen, um die Alpen zu bestoßen. Ein täglicher Verkehr sei jedoch nicht machbar. Beim Abtransport des Käses könnten sich die Älpler absprechen, sodass nur eine Fahrt pro Woche nötig ist.

Am Kristberg, St. Agathakapelle - Außenaufnahmen: Juni 2020, Innenaufnahme: August 2019
Die St. Agathakapelle ist ein beliebtes Ausflugsziel auf dem Kristberg. SCO

Da der Kristberg über viele Routen erreichbar ist, sei der wirtschaftliche Schaden hier geringer. Für Wanderer gibt es zudem eine Alternativroute über Unterboden ins hintere Silbertal. Dieser Umweg ist jedoch weder kinderwagentauglich noch für Biker geeignet und dauert rund 30 Minuten länger.

„Wir werden nur vertröstet“: Das sagen Betroffene zur Sperre des hinteren Silbertals
Jürgen Zudrell, Geschäftsführer der Kristbergbahn, glaubt, dass die Fellimännlestraße bis zu den Sommerferien wieder freigegeben wird. SCO