„So etwas unterstütze ich gerne“: Was dieses Flohmarktlädele so besonders macht

Im ehemaligen Gasthof „Gemsle“ in Blons treffen sich Menschen aus dem Großen Walsertal, um zu stöbern, zu plaudern – und für den guten Zweck einzukaufen.
Blons Am Freitag erwachte das Flohmarktlädele Gemsle in Blons aus seinem Winterschlaf und öffnete heuer erstmals seine Türen. Besonders begehrt waren an diesem Tag die Ostergestecke. Bereits seit drei Jahren hat das Gemsle jeden Freitag für die Bevölkerung geöffnet. Den Besuchern geht es dabei nicht nur darum, etwas für sich zu finden, sondern vor allem um die Geselligkeit – das Gemsle hat sich mittlerweile zu einem sozialen Treffpunkt im Großen Walsertal entwickelt.


Erlös geht an Essen auf Rädern
Jeder Raum im Gemsle, das früher ein Gasthof war, steht unter einem eigenen Motto. So gibt es etwa ein Stoffzimmer, ein Kleiderzimmer und ein Bücherzimmer. Osterdekorationen hängen überall, und generell gilt: Was hier steht, kann gekauft werden. Der Erlös kommt stets einem guten Zweck zugute und bleibt im Tal. Das Geld, das am Freitag eingenommen wurde, wird für Wärmeboxen für Essen auf Rädern verwendet. Ein Wärmebehälter kostet 299 Euro, 60 Stück wurden angeschafft.


Der Frühjahrsansturm sei jedoch nicht mit dem beim Adventsfunkeln im vergangenen November zu vergleichen, meint Carina Türtscher, Initiatorin des Flohmarktlädeles. „Da sind sie mir die Bude eingerannt. Das war wie eine Prozession vor der Tür.“

Jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr können die Besucher nicht nur in den Räumen stöbern, sondern auch gut erhaltene, gebrauchte Gegenstände abgeben. Große, sperrige Sachen seien schwierig, ansonsten gebe es keine Einschränkungen. „Sauber und ganz sollte es sein“, so Türtscher.


Wer hierher kommt, wird meist fündig – deshalb gibt es mittlerweile viele Stammgäste. Das Gemsle bietet auf drei Etagen nicht nur Geschirr, Antiquitäten, Stoffe und Bücher, sondern hat im Erdgeschoss auch einen kleinen Gastraum, wo man bei Kaffee und Kuchen mit anderen ins Gespräch kommen kann. „Gerade die älteren Frauen kommen hierher und treffen sich“, sagt Türtscher.


Ehrenamtliche Arbeit
18 Ehrenamtliche betreiben das Gemsle, das der Gemeinde gehört. Rund ein Monat Vorbereitungszeit war nötig, bevor der erste Flohmarkt am 4. April stattfinden konnte. Neu ist die Nähstube, die jeden Freitag geöffnet hat. Erika und Helga, beide gelernte Näherinnen, kümmern sich dort um die Anliegen der Besucher.


Brigitte Wetzlinger serviert den Besuchern Kuchen und Getränke, während Margaret Nikolussi im Kleiderzimmer mit einem Geldbeutel in der Hand kassiert. „Das alte Holz macht den Charme aus. Die Dekoartikel kommen hier anders zur Geltung“, schwärmt sie vom alten Gasthaus.


Was die Besucher sagen
Stammkundin Brigitte Martin „mag das alte Zeug“, weshalb sie immer wieder gerne – gemeinsam mit ihrer Tante – vorbeischaut. „Es hat sich ein kleiner Stammtisch entwickelt“, sagt sie. Mit leeren Taschen geht sie fast nie nach Hause: „Ich finde eigentlich immer etwas.“


Bettina Jenni aus Thüringerberg ist erst zum zweiten Mal da. „Beim Adventsfunkeln haben sie innerhalb kürzester Zeit alles leergeräumt“, erinnert sie sich an ihren ersten Besuch im November. Auch ihre Taschen sind bereits mit Osterdekorationen gefüllt. Dass der Erlös einem guten Zweck zugutekommt, findet sie „genial“. „So etwas unterstütze ich gerne“, sagt sie.


Auch Musik wird regelmäßig in der Gaststube gespielt. „Wenn man uns braucht, kommen wir. Das Instrument ist immer im Auto“, sagt Mathilde Heiseler, die mit ihrer Gitarre am Tisch sitzt und gemeinsam mit Daniela Domig singt. Doch sie sind nicht nur zum Musizieren hier – auch sie sind bereits fündig geworden. „Ich nehme immer etwas mit vom Gemsle. Ich mag generell Flohmärkte. Dass so einer in der Nähe ist, finde ich toll“, sagt Mathilde Heiseler. Daniela Domig entdeckt die meisten Dinge eher zufällig. „Ich kann drei- oder viermal herkommen und nichts finden – und dann sehe ich etwas.“






