Bregenzerwälder wegen Kirchenbeitrag vor Gericht zitiert: „Was soll dieser Kuhhandel?“

VN / 01.04.2025 • 12:57 Uhr
Bezirksgericht
Der Riefensberger Richard Geiger ist befremdet über die Forderungen der Kirchenbeitragsstelle. vn/gs (2)

Richard Geiger ist vor 33 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Und seither recht sauer: Denn trotz seines Austritts flatterten ihm immer wieder Rechnungen der Diözese ins Haus.

Bregenz Der 53-jährige Richard Geiger aus Riefensberg ist Vater und Invalidenrentner. Arbeiten ist dem ehemaligen Kfz-Techniker nicht mehr möglich. Weil er Atemprobleme hat. 2021 wurde bei ihm eine schwere Lungenkrankheit diagnostiziert. Unter anderem Krebs.

Den Atem nimmt ihm aber noch ein weiteres Problem, wie er es selbst ausdrückt. Es ist die Kirchenbeitragsstelle. „Nach dem Bundesheer bin ich aus der Kirche ausgetreten und habe deshalb keine Beiträge eingezahlt. Vorher musste ich das ja nicht“, sagt er. „Und trotzdem schickte mir die Diözese immer wieder Rechnungen, immer und immer wieder. Einmal 1200 Euro, dann 1400 Euro, dann gingen sie wieder runter auf 360 Euro. Was sollen diese Forderungen? Natürlich habe ich nichts einbezahlt.“

Ladung vom Bezirksgericht

Schließlich langte bei Geiger ein Schriftstück von einer Stelle ein. Vom Bezirksgericht Bregenz. Als Beklagten. Wegen versäumter Einzahlungen von Kirchenbeiträgen. Der erste Termin war im August des Vorjahres anberaumt. Doch Geiger erschien damals nicht. Das macht ihm Richterin Corinna Maritsch bei der jüngsten und letzten Tagsatzung am Dienstag im Bezirksgericht zum Vorwurf. „Warum sind sie damals nicht erschienen?“, will sie vom Beklagten wissen. „Weil ich wegen meiner Krankheit im Spital lag, war ich nicht in der Lage. Ein ganzes Jahr lang“, antwortet Geiger.

Am Bezirksgericht Bregenz wurde ein außergewöhnlicher Fall verhandelt.  vn/GS
Am Bezirksgericht Bregenz werden immer wieder abstruse Fälle verhandelt.

Ein Vergleichsangebot

Die Richterin hebt deshalb ein Versäumnisurteil auf. Allerdings strebt sie einen Vergleich an und schlägt vor: „200 Euro an die Kirchenbeitragsstelle, 68 Euro an Gerichtskosten und die Sache ist erledigt.“

Doch Geiger winkt empört ab. „Was soll der Kuhhandel? Schickt mir doch, was Ihr wollt!“ entgegnet er mit Blick auf zwei im Verhandlungssaal anwesende Vertreter der Diözese, über deren Lippen kein Wort kommt. „Also gut, 20 Euro zahle ich“, erklärt sich der Riefensberger schlussendlich bereit. Doch die Richterin will noch eines wissen: „Haben sie eigentlich eine Bestätigung von der Bezirkshauptmannschaft, dass sie aus der Kirche ausgetreten sind?“ Worauf Geiger entgegnet: „Das war schon 1992, da habe ich natürlich nichts mehr.“

Das Hickhack geht weiter. Schlussendlich erklärt sich der 53-Jährige bereit, im Sinne des Vergleichs die geforderten 268 Euro zu zahlen. Für ihn eine unverständliche Zahlung. “Aber wenigstens ist die Sache damit aus der Welt”, murrt er.