Mahnwachen und Kaffeegespräche

Brigitte Kathan und Gisela Böschen zeigen, wie man im Alter noch einiges bewegen kann.
Feldkirch Zwei Frauen – eine Haltung: Brigitte Kathan, 70, und Gisela Böschen, 69, kämpfen als „Omas gegen rechts“ gegen Rechtsextremismus und setzen sich für Demokratie, Menschenrechte und Klimaschutz ein. Zudem haben die zwei Pensionistinnen das Café am Freitag auf die Beine gestellt, das sich in kurzer Zeit zu einem Kontaktort für aus aller Welt zugezogene Frauen etabliert hat.


Brigitte Kathan gehört zu den „Omas gegen rechts“, seit diese Initiative für zivilgesellschaftlichen Protest 2017 in Wien gegründet wurde. Ein Jahr später wurde aus der Initiative ein Verein, der in allen Bundesländern vertreten ist. Mittlerweile erregen die Pensionistinnen mit ihren selbstgestrickten bunten Mützen und den „Omas gegen rechts“-Buttons bei Protestaktionen und Mahnwachen Aufmerksamkeit.
Viel erfahren, viel gelernt
„Als ich im Facebook von den ‚Omas gegen rechts‘ erfahren habe, war ich gleich dabei“, berichtet Brigitte. Die Feldkircherin war damals bereits pensioniert, pflegte aber ihre kranken Eltern. Ihre Offenheit gegenüber anderen, fremden Kulturen resultiert aus ihrem Aufenthalt in Mexiko im Jahr 2005: „Ich habe drei Monate an einem Frauenprojekt für die Chiapas teilgenommen, das Vorarlbergerinnen dort aufgebaut haben. Dabei habe ich viel erfahren und viel gelernt.“

Die aus Köln stammende Deutsche Gisela Böschen hat sich vor drei Jahren Vorarlberg als Wahlheimat ausgesucht. „Mein Mann starb 2021. Nachdem meine Kinder in der Schweiz leben, entschloss ich mich, in ihre Nähe zu ziehen“, erzählt die Pensionistin. In die Schweiz einzuwandern, wäre zu kompliziert gewesen. „Darum zog ich nach Vorarlberg, nach Feldkirch. Von hier aus habe ich es am nächsten zu meinen Kindern.“

Um Kontakte in ihrer neuen Wahlheimat zu knüpfen, ging sie eines Tages ins Montagscafé im Naflahus. Dieses Haus in der Reichsstraße 3 ist ein von der Stadt Feldkirch geschaffener Begegnungsort für Einheimische und Zugewanderte. Das Montagscafé, wo man sich zum Austausch und Kennenlernen bei Kaffee und Kuchen trifft, hat Brigitte Kathan ins Leben gerufen. „Brigitte und ich sind auf der Stelle gute Freundinnen geworden“, sagt Gisela. „Von ihr erfuhr ich von den ‚Omas gegen rechts‘ und wurde eine von ihnen.“ Seitdem nehmen die beiden Frauen gemeinsam an den Protestaktionen teil. Dazu zählen die Mahnwachen, die von den „Omas gegen rechts“ jeden Donnerstag um 18 Uhr am Kornmarktplatz in Bregenz abgehalten werden.
Noch ein Café
Im Jänner dieses Jahres haben Brigitte Kathan und Gisela Böschen beschlossen, neben dem Montagscafé einen weiteren wöchentlichen Treffpunkt im Naflahus zu organisieren. Allerdings nur für Frauen. So entstand das Café am Freitag. „Willkommen sind alle Frauen, egal wie alt sie sind, woher sie stammen, welcher Religion sie angehören. Natürlich auch Einheimische“, informiert Brigitte. Derzeit kommen hauptsächlich Afghaninnen, Syrerinnen, Irakerinnen und Iranerinnen. „Wir bieten den Frauen einen Ort, wo sie ihre Sorgen abladen können, wo Problemlösungen gefunden werden, wo Hilfestellung angeboten wird“, erklärt Gisela. Bei Kaffee und Kuchen wird geredet, gelacht, geweint. „Wichtig ist, es wird Deutsch und Dialekt gesprochen“, stellen die Organisatorinnen klar. „Durch die Möglichkeit, mit uns frei reden zu können, verbessern die Frauen ihre deutschen Sprachkenntnisse.“

Durch ihr Engagement in den Cafés im Naflahus sowie als „Omas gegen rechts“ machen Brigitte Kathan und Gisela Böschen deutlich, dass Frauen auch im Alter noch so einiges bewegen können. HRJ
ZU den PERSOnen
BRIGITTE KATHAN
GEBOREN 31. August 1954
WOHNORT Feldkirch
LAUFBAHN Gastgewerbe, Pflege, Pensionistin seit 2014
FAMILIE Ledig, 1 Sohn, 1 Tochter, 6 Enkelkinder
HOBBYS Kochen, backen, lesen, Enkelkinder betreuen
GISELA BÖSCHEN
GEBOREN 7. März 1956
WOHNORT Feldkirch
LAUFBAHN Öffentlicher Dienst, Pensionistin seit 2019
FAMILIE Witwe, 2 Söhne
HOBBYS Nähen, lesen (bevorzugt Historisches)