Mahnwachen und Kaffeegespräche

VN / 31.03.2025 • 14:50 Uhr
Brigitte Kathan und Gisela Bösch gehören zu Vorarlbergs „Omas gegen rechts“, die an den bunten Mützen erkennbar sind.  HRJ
Brigitte Kathan und Gisela Bösch gehören zu Vorarlbergs „Omas gegen rechts“, die an den bunten Mützen erkennbar sind. HRJ

Brigitte Kathan und Gisela Böschen zeigen, wie man im Alter noch einiges bewegen kann.

Feldkirch Zwei Frauen – eine Haltung: Brigitte Kathan, 70, und Gisela Böschen, 69, kämpfen als „Omas gegen rechts“ gegen Rechtsextremismus und setzen sich für Demokratie, Menschenrechte und Klimaschutz ein. Zudem haben die zwei Pensionistinnen das Café am Freitag auf die Beine gestellt, das sich in kurzer Zeit zu einem Kontaktort für aus aller Welt zugezogene Frauen etabliert hat. 

Mahnwachen und Kaffeegespräche: Brigitte Kathan hat das Montagscafé und das "Café am Freitag" im Feldkircher Naflahus ins Leben gerufen. HRJ
Brigitte Kathan hat das Montagscafé und das “Café am Freitag” im Feldkircher Naflahus ins Leben gerufen. HRJ
Mahnwachen und Kaffeegespräche: Gisela Böschen ist Mitgründerin des „Café am Freitag“, ein Treffpunkt für Frauen im Naflahus, Feldkirch. HRJ
Gisela Böschen ist Mitgründerin des „Café am Freitag“, ein Treffpunkt für Frauen im Naflahus, Feldkirch. HRJ

Brigitte Kathan gehört zu den „Omas gegen rechts“, seit diese Initiative für zivilgesellschaftlichen Protest 2017 in Wien gegründet wurde. Ein Jahr später wurde aus der Initiative ein Verein, der in allen Bundesländern vertreten ist. Mittlerweile erregen die Pensionistinnen mit ihren selbstgestrickten bunten Mützen und den „Omas gegen rechts“-Buttons bei Protestaktionen und Mahnwachen Aufmerksamkeit. 

Viel erfahren, viel gelernt

„Als ich im Facebook von den ‚Omas gegen rechts‘ erfahren habe, war ich gleich dabei“, berichtet Brigitte. Die Feldkircherin war damals bereits pensioniert, pflegte aber ihre kranken Eltern. Ihre Offenheit gegenüber anderen, fremden Kulturen resultiert aus ihrem Aufenthalt in Mexiko im Jahr 2005: „Ich habe drei Monate an einem Frauenprojekt für die Chiapas teilgenommen, das Vorarlbergerinnen dort aufgebaut haben. Dabei habe ich viel erfahren und viel gelernt.“

Mahnwachen und Kaffeegespräche: Gisela Böschen (l.) und Brigitte Kathan (2. v. l.) bei einer Demonstration der „Omas gegen rechts“.
Gisela Böschen (l.) und Brigitte Kathan (2. v. l.) bei einer Demonstration der „Omas gegen rechts“.

Die aus Köln stammende Deutsche Gisela Böschen hat sich vor drei Jahren Vorarlberg als Wahlheimat ausgesucht. „Mein Mann starb 2021. Nachdem meine Kinder in der Schweiz leben, entschloss ich mich, in ihre Nähe zu ziehen“, erzählt die Pensionistin. In die Schweiz einzuwandern, wäre zu kompliziert gewesen. „Darum zog ich nach Vorarlberg, nach Feldkirch. Von hier aus habe ich es am nächsten zu meinen Kindern.“ 

Mahnwachen und Kaffeegespräche: Nähen zählt zu Gisela Böschens Hobby. Mit der Nähmaschine erzeugt sie unter anderem Plüschtiere. HRJ
Nähen zählt zu Gisela Böschens Hobby. Mit der Nähmaschine erzeugt sie unter anderem Plüschtiere. HRJ

Um Kontakte in ihrer neuen Wahlheimat zu knüpfen, ging sie eines Tages ins Montagscafé im Naflahus. Dieses Haus in der Reichsstraße 3 ist ein von der Stadt Feldkirch geschaffener Begegnungsort für Einheimische und Zugewanderte. Das Montagscafé, wo man sich zum Austausch und Kennenlernen bei Kaffee und Kuchen trifft, hat Brigitte Kathan ins Leben gerufen. „Brigitte und ich sind auf der Stelle gute Freundinnen geworden“, sagt Gisela. „Von ihr erfuhr ich von den ‚Omas gegen rechts‘ und wurde eine von ihnen.“ Seitdem nehmen die beiden Frauen gemeinsam an den Protestaktionen teil. Dazu zählen die Mahnwachen, die von den „Omas gegen rechts“ jeden Donnerstag um 18 Uhr am Kornmarktplatz in Bregenz abgehalten werden. 

Noch ein Café

Im Jänner dieses Jahres haben Brigitte Kathan und Gisela Böschen beschlossen, neben dem Montagscafé einen weiteren wöchentlichen Treffpunkt im Naflahus zu organisieren. Allerdings nur für Frauen. So entstand das Café am Freitag. „Willkommen sind alle Frauen, egal wie alt sie sind, woher sie stammen, welcher Religion sie angehören. Natürlich auch Einheimische“, informiert Brigitte. Derzeit kommen hauptsächlich Afghaninnen, Syrerinnen, Irakerinnen und Iranerinnen. „Wir bieten den Frauen einen Ort, wo sie ihre Sorgen abladen können, wo Problemlösungen gefunden werden, wo Hilfestellung angeboten wird“, erklärt Gisela. Bei Kaffee und Kuchen wird geredet, gelacht, geweint. „Wichtig ist, es wird Deutsch und Dialekt gesprochen“, stellen die Organisatorinnen klar. „Durch die Möglichkeit, mit uns frei reden zu können, verbessern die Frauen ihre deutschen Sprachkenntnisse.“

Mahnwachen und Kaffeegespräche: Gisela hat diese „Muthühner“ genäht, die sie und Brigitte bei Protestaktionen verteilen. HRJ
Gisela hat diese „Muthühner“ genäht, die sie und Brigitte bei Protestaktionen verteilen. HRJ

Durch ihr Engagement in den Cafés im Naflahus sowie als „Omas gegen rechts“ machen Brigitte Kathan und Gisela Böschen deutlich, dass Frauen auch im Alter noch so einiges bewegen können. HRJ

ZU den PERSOnen

BRIGITTE KATHAN

GEBOREN 31. August 1954

WOHNORT Feldkirch

LAUFBAHN Gastgewerbe, Pflege, Pensionistin seit 2014

FAMILIE Ledig, 1 Sohn, 1 Tochter, 6 Enkelkinder

HOBBYS Kochen, backen, lesen, Enkelkinder betreuen

GISELA BÖSCHEN

GEBOREN 7. März 1956

WOHNORT Feldkirch

LAUFBAHN Öffentlicher Dienst, Pensionistin seit 2019

FAMILIE Witwe, 2 Söhne

HOBBYS Nähen, lesen (bevorzugt Historisches)