Was unsere Häuser zu erzählen haben

VN / 30.03.2025 • 06:00 Uhr
Was unsere Häuser zu erzählen haben: Die Kuratorin Barbara Motter sprach über die Ausstellung.
Was unsere Häuser zu erzählen haben: Die Kuratorin Barbara Motter sprach über die Ausstellung. MKA

Im Stadtmuseum befasst sich die neue Sonderausstellung mit Häusern und ihren Besitzern.

Dornbirn Unser Elternhaus. Das Haus, in dem wir unsere Kindheit verbracht haben. Für viele Vorarlberger bleibt dieses erste Haus ein wichtiger Teil ihres Lebens und inspiriert auch später dazu, ein eigenes Haus zu bauen. Doch was soll mit diesem ersten Heim geschehen, wenn es leer steht? Wird es vererbt, verkauft oder sogar abgerissen? Mit diesen und noch vielen weiteren Fragen beschäftigt sich die neue Ausstellung „Unser Haus! besitzen, bewohnen und ver/erben“ im Stadtmuseum. Diese dreht sich aber nicht nur um die Geschichten von Hausbesitzern, sondern auch um die Entstehungsgeschichte des Hauses am Marktplatz. Wie ist das Haus, das wir jetzt als Stadtmuseum kennen, entstanden und wer hat über die Jahrhunderte darin gewohnt?

Die Ausstellung
Die Ausstellung “Unser Haus!” ist im Stadtmuseum zu sehen.Marie Kanonier

Geschichten von Hausbesitzern

Auf der horizontalen Ebene dreht sich alles um die individuellen Geschichten von Dornbirnern und ihre Beziehung zu ihren Häusern. „Hierbei handelt es nicht um eine architektonische Auseinandersetzung, sondern die Menschen wurden eingeladen, ihre persönlichen Geschichten zu erzählen“, erklärt Kuratorin Barbara Motter. Die Ausstellung ist unterteil in zehn Unterthemen wie zum Beispiel „Haus bauen“, „Haus öffnen“ oder „Haus verlassen“. Zur Thematik „Haus bauen“ findet man eine Geschichte aus der Lehargasse. Dort wurde 1975 das erste Fertigteilhaus Vorarlbergs errichtet, was nicht nur für die Familie Tutschek, sondern auch für die Allgemeinheit ein spektakuläres Erlebnis war, über das auch die Medien berichtetet.

Was unsere Häuser zu erzählen haben: Das Porträt von Franziska Stauder.
Das Porträt von Franziska Stauder.

Das Stadtmuseum und seine Entstehung

Auf der vertikalen Ebene wird die Geschichte des Stadtmuseums und seiner Bewohner über die mehr als 220 Jahre seit seiner Entstehung dargestellt. Alles begann mit Franziska Stauder, einer wohlständigen Dornbirnerin, die Josef Anton Lanter heiratete. Durch ihr Vermögen war es ihm 1796 möglich, am Marktplatz ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Aufgrund ihres großen Beitrags zum Bau des jetzigen Stadtmuseums eröffnet ein Gemälde von ihr die Ausstellung. Nach ihrem Tod übergab Lanter das Haus an seine Tochter, die einen Rhomberg heiratete. So gelang das Gebäude in den Besitz der Familie Rhomberg, die es bis 1958 hielt, bevor es von der Stadt erworben wurde. Über die Jahre nannten viele Menschen das Haus ihr Zuhause – auch illustre Persönlichkeiten waren zu Gast. Unter anderem quartierten der russische Feldmarschall Alexander Wassiljewitsch Suworow-Rymnikski und sein Gefolge von 40 Mann 1799 für zwei Wochen in dem Gebäude. „Zu sehen ist auch ein Holztisch, der das einzige Originalobjekt des Hauses ist“, berichtet die Kuratorin.

Was unsere Häuser zu erzählen haben: Die Porträts von Josef Anton Lanter und seinem Schwiegersohn.
Die Porträts von Josef Anton Lanter und seinem Schwiegersohn.

Eine Ausstellung für Groß und Klein

Die Ausstellung, die sich über vier Stockwerke erstreckt, legt einen besonderen Wert darauf, Familien und Kinder miteinzubeziehen. So finden sich überall ausstellungsbegleitende Stationen für Kinder, die es ihnen ermöglichen, aktiv Teil der Ausstellung zu sein.

Was unsere Häuser zu erzählen haben: Gemälde von Häusern aus Dornbirn.
Gemälde von Häusern aus Dornbirn.

Die Ausstellung „Unser Haus! besitzen, bewohnen und ver/erben“ ist bis zum 6. April 2026 im Stadtmuseum Dornbirn zu besichtigen und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. MKA