Wie die Achsiedlung Zufriedene und Unzufriedene zur Urne trieb

Die Achsiedlung in Bregenz ist ein Schmelztigel der Gefühle. Bürger ließen vor dem Wahllokal ihrer Meinung freien Lauf.
Bregenz Wir haben Glück. Die erste Dame, die wir vor dem Wahllokal im Kindergarten in der Achsiedlung willkürlich ansprechen, ist Isolde Schlieber, 55. Nicht irgendwer. “Ich bin die Obfrau der Arbeitsgemeinschaft Achsiedlung”, sagt die Dame stolz. Wen sie soeben gewählt hat, lässt sie bereitwillig wissen. “Den Bürgermeister. Ich bin zufrieden mit ihm. Es lebt sich in der Achsiedlung viel besser, als diesem Wohnquartier der Ruf vorausgeht. Ich erlebe Gemeinschaft. Vor allem bei den Events in der Siedlung, die ich ja mit organisiere.”

Christine Gmeiner-Manitasevic (49) und ihr Mann Robert (52) machen aus ihrem Herzen ebenfalls keine Mördergrube. “Ich hab’ im Bund die Blauen gewählt, bin auch FPÖ-Parteimitglied, aber in der Stadt war Ritsch meine Wahl. Der ist einfach okay.”
Interesse und Desinteresse
Uneins sind sich Isolde Schlieber und Christine Gmeiner bezüglich Interesse an der Wahl. “Meine Teenager zu Hause haben sich vor der Wahl rege zum Thema ausgetauscht”, sagt Schlieber, während Gmeiner bei ihren Kindern kaum Interesse ortete.

Meinungsvielfalt pur praktiziert ein Pärchen, das gerade aus dem Wahllokal tritt. “Also ich finde, du kannst von all den Kandidaten aber schon gar keinen brauchen. Es ist schlimm”, sagt die Dame. Ihr Gatte kontert. “Wir sind da völlig anderer Meinung. Ich finde den Bürgermeister gut.” Ein warmes Essen werde er von seiner Gattin trotz der Meinungsverschiedenheit trotzdem bekommen.

Achsiedlung entscheidet Wahlen
Die Achsiedlung mit ihren rund 3000 Bewohnern ist eine Zone, die in der Landeshauptstadt bereits öfter politische Weichenstellungen herbeigeführt hat. Das beste Beispiel dafür: 1970 beendet der rote Fritz Mayer mit Hilfe der blauen Stimmen die Regentschaft der ÖVP in Bregenz. Entscheidend dafür: Die Achsiedlung, die fast geschlossen hinter dem SPÖ-Kandidat stand.

Ein Teil der Achsiedlungsgeschichte ist Helene Pichler, 72, geworden. “Ich wohne schon fast 40 Jahre hier. In der Zeit hat sich hier vieles zum Schlechten gewandelt. Die vielen Ausländer hier sind zum Teil sehr respektlos. Überall hinterlassen sie einen Saustall”, sagt die Dame. Sie wolle die Siedlung bald verlassen. Wen sie gewählt hat, wollte sie nicht verraten.
Marode Wohnhäuser
Das tut auch Kurt Oswald-Spettel (59) nicht. Ihm geht vor allem eines auf den Geist. “Die Autorennen, die hier Wahnsinnige veranstalten. Das ist unglaublich. Da muss was geschehen.”

Kübra Kaya (27) hingegen ist eine zufriedene Achsiedlungs-Bewohnerin. “Es lebt sich gut hier, wir haben nette Nachbarn.” Kaya hat den amtierenden Bürgermeister Michael Ritsch gewählt. “Ich bin zufrieden mit ihm. Nur sollte die Stadt endlich einmal etwas für die Sanierung der zum Teil in schlechtem Zustand befindlichen Häuser tun.”