
Mit Gleitschirmpilot Werner Burger in der Luft: Das Spiel mit dem Wind
Der Montafoner Werner Burger hat sich beruflich dem Gleitschirmfliegen verschrieben. In seinen 40 Jahren Berufserfahrung hat er schon über 10.000 Flüge absolviert.
St. Gallenkirch Über 10.000 Flüge hat Werner Burger in seinen 40 Jahren Berufserfahrung bereits absolviert. Der Gleitschirmpilot hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Alleine fliegt er schon lange nicht mehr, denn er hat sich dem Tandemfliegen verschrieben und bietet unter dem Namen „Flying for 2“ Paragleiten im Montafon an.

Werner Burger war der Erste, der mit dem Gleitschirm den Alpenhauptkamm überflog. Sechseinhalb Stunden war er unterwegs. Gelandet ist er direkt beim Schloss Juval, wo er Reinhold Messner traf. „Das war eine tolle Begegnung“, erinnert sich Werner Burger. Geplant war die Alpenhauptkammüberquerung nicht. „Das hat sich so ergeben“, sagt er. „So etwas kann man nicht planen.“ Es brauche eine gute Thermik und einen gemäßigten Wind.

Verbunden mit der Natur
„Man kommuniziert mit der Natur“, sagt der Montafoner, der die Zeichen, die ihm die Natur vermittelt, richtig deuten kann. „Die Bewegung der Bäume, der Sonnenstand – das sind Faktoren, die den Wind beeinflussen.“ Beim Fliegen kann er schon vorher einschätzen, wann ein Windstoß kommt und aus welcher Richtung. „Erfahrung in der Fliegerei ist extrem wichtig. Es gibt keine mutigen und alten Piloten – entweder man ist alt oder mutig. Wenn jemand lange genug fliegt, holt einen irgendwann die Statistik ein“, weiß Werner Burger. Jeder werde irgendwann mit kritischen Situationen konfrontiert. „Ich habe mich auch schon verletzt und viel dabei gelernt. Ein Restrisiko fliegt immer mit, aber mit einer guten Flugplanung kann man das Risiko auf ein Minimum reduzieren“, betont er. „Jeder Fehler kann der letzte sein.“


Die sicherste Flugzeit ist im Winter, von Oktober bis Mitte Februar. Der Startplatz im Winter liegt neben der Silvretta Bahn im Skigebiet Silvretta Nova. „Das ist mein Lieblingsstartplatz.“ Dort hat er auch sein Flug-Büro – in einer alten Gondel aus dem Jahr 1957. „Auf über 2100 Metern das höchste Flug-Büro Vorarlbergs“, betont Werner Burger mit einem gewissen Stolz. Auch an anderen Orten im Montafon startet er, doch einer der besten Plätze sei für ihn das Gebiet rund um die Valisera. „Der Platz ist südwestlich ausgerichtet. Da hat man meistens super Aufwind.“ Maximal 20 km/h Windgeschwindigkeit darf es haben.

Einfühlsam sein
Für seine Gäste braucht es viel Einfühlungsvermögen: „Jeder Passagier muss anders behandelt werden.“ Denn was für Werner Burger Routine ist, ist für andere komplettes Neuland. Dementsprechend sind viele beim Start nervös oder haben Angst. „Man versucht, sich in den Passagier hineinzuversetzen und seine Ängste zu verstehen“, sagt Werner Burger. Spätestens in der Luft sei die Angst im wahrsten Sinne des Wortes wieder verflogen.

Für ihn bedeutet Gleitschirmfliegen „Freiheit pur“. In den 1970er-Jahren kaufte er sich einen Drachen, mit dem er versuchte, zu fliegen. Doch das war seiner Frau zu gefährlich, also wurde vereinbart, dass er mit dem Drachenfliegen aufhörte und seine Frau mit dem Rauchen. 1984 kaufte er sich dann einen Paragleiter – und „meine Frau hat wieder mit dem Rauchen angefangen“, sagt Werner Burger schmunzelnd.

„Die Fliegerei hat mich schon immer fasziniert“, schwärmt er. Für ihn ist das Gleitschirmfliegen eine Berufung, „die ich so lange wie möglich ausüben möchte“. Mit seinen 67 Jahren denkt er daher noch lange nicht ans Aufhören. „Das Gleitschirmfliegen erfüllt mich voll und ganz.“ Besonders schätzt er den persönlichen Kontakt mit den Menschen. „Als Gerichtsvollzieher konnte ich den Menschen wenig Freude vermitteln.“ Beim Tandemfliegen hingegen sei das Feedback von den Kunden „überwältigend“.


Meine persönliche Erfahrung:
„Heute haben wir Traumbedingungen“, freut sich Werner Burger. Es ist mein zweiter Gleitschirmflug. Im Sommer sind Werner und ich schon einmal bei der Versettla-Bergstation mit dem Gleitschirm gestartet. Es macht einen Unterschied, ob man zu Fuß oder mit Skiern startet. Während ich im Sommer überhaupt nicht nervös war, war ich es jetzt umso mehr. Was, wenn ich mit den Skiern hinfalle, noch bevor wir in der Luft sind? Oder wenn ich in der Luft Skier und Stock verliere? Doch am Ende war es weniger schlimm als gedacht und sogar viel leichter als im Sommer, da man mit den Skiern schneller an Geschwindigkeit zunimmt. Zu Fuß hingegen kämpft man viel mehr gegen den Widerstand des Gleitschirmes an, so, als ob man auf der Stelle laufen würde.
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Doch mit den Skiern ist man nach wenigen Augenblicken in der Luft, wo die Nervosität auf einen Schlag nachlässt. Ich konnte den Flug voll und ganz genießen. Das Montafon lag mir zu Füßen. Die Landung war ebenfalls leichter als im Sommer, da man mit den Skiern sanft über die schneebedeckte Wiese gleiten kann. Und ich kann Werners Passion fürs Gleitschirmfliegen nachvollziehen: In der Luft spürt man die pure Freiheit.
