So sicher ist der Pfändertunnel

VN / 13.01.2025 • 14:29 Uhr
Überwachungszentrale
Die Zentrale in Hohenems sorgt für eine übersichtliche und professionelle Überwachung sämtlicher Tunnel in Vorarlberg. Hartinger


Asfinag-Sprecher Alexander Holzedl zum Einsatzablauf nach dem Autobrand im Pfändertunnel und zu wichtigen Fragen in diesem Zusammenhang.

Bregenz „Mit den kilometerlangen Staus an beiden Enden des Pfändertunnels müsste jetzt endlich Schluss sein“, sagte Landeshauptmann Markus Wallner anlässlich der Verkehrsfreigabe beider Röhren Anfang Juli des Jahres 2013.

Vielleicht war er damals etwas zu guter Hoffnung damit. Vor allem, was die Situation bei und nach Unfällen im Tunnel mittlerweile zeigte. Ein kilometerlanger Stau war jedenfalls die Folge des Autobrandes, der sich am Sonntag in Fahrtrichtung Deutschland ereignete (die VN berichteten).

Brand im Pfändertunnel
Am Sonntag kam es durch einen Autobrand zu einem Großeinsatz im Pfändertunnel. Vlach

An die 200 Personen mussten aus dem Tunnel in Sicherheit gebracht werden, erst am Montagmittag konnte der zweite Fahrstreifen aufgrund der Sanierungen der Fahrbahnschäden wieder freigegeben werden. Glücklicherweise wurden durch den Vorfall keine Personen verletzt. Die Kostenbilanz nach der Beseitigung der Schäden sei laut Asfinag zwar noch nicht abschätzbar, aber überschaubar.

“Keine Beinahe-Katastrophe”

In seinem Resümee betont Asfinag Pressesprecher Alexander Holzedel, wie sehr sich die Sicherheitseinrichtungen im Pfändertunnel bewährt haben. „Von einer Beinahe-Katastrophe konnte hier keine Rede sein. Alles funktionierte sehr gut und effizient. Die Rotschaltung des Tunnels, seine Evakuierung, die Alarmierung und die Rettungskette“, so Holzedl gegenüber den VN.

So sicher ist der Pfändertunnel
Alexander Holzedl (Asfinag): “Pfändertunnel gehört zu den sichersten Tunneln Europas.” b. hofmeister

Einsprachemöglichkeit

Der Pfändertunnel zählt aufgrund seiner technischen Einrichtungen zu den sichersten Tunneln in Europa, sagt der Pressesprecher. Der reibungslose Einsatzablauf, ausgelöst durch den Autobrand am Sonntag, sei auch aufgrund der rund um die Uhr mit sieben Leuten besetzten Verkehrsmanagementzentrale gewährleistet worden. Und nicht zuletzt auch durch die Einsprachemöglichkeit, mittels der via Verkehrsfunk – sofern im Radio aktiviert – Informationen an die Fahrzeuginsassen im Tunnel weitergeleitet werden konnten.

So sicher ist der Pfändertunnel
Am 3. Juli 2013 erfolgte die Verkehrsfreigabe der zweiten Pfändertunnelröhre. vn/steurer

“Gegenverkehr beseitigt”

Doch der massivste Schritt in Richtung Tunnelsicherheit sei Anfang Juli 2013 mit der Verkehrsfreigabe beider Röhren des Pfändertunnels gesetzt worden. 200 Millionen Euro wurden investiert. „Damit ist der Gegenverkehr beseitigt worden“, begründet Holzedl. In Erinnerung ist noch der schreckliche Unfall vom 10. April 1995, als ein Autofahrer im Tunnel von der Fahrbahn abkam, in den Gegenverkehr geriet und eine Massenkollision verursachte. Vier Fahrzeuge standen in Flammen. Eine dreiköpfige Familie aus Deutschland, die auf dem Weg in den Urlaub war, kam ums Leben.

Lüftung
Die Absaug- und Lüftungssysteme werden regelmäßig auf dem neuesten Stand gebracht. vol.at/pletsch

Doch was macht den Pfändertunnel nun so sicher? Die Asfinag zählt die wichtigsten Komponenten auf:

  • Seit 2013 kein Gegenverkehr mehr durch zwei getrennte Tunnelröhren und dadurch ein hochmodernes Fluchtwegsystem.
  • Videodetektion: automatische Erkennung von stehenden bzw. langsam fahrenden Fahrzeugen, Rauchentwicklung, etc.
  • Permanent besetzte Verkehrsmanagementzentrale – hier erfolgen die ersten notwendigen Schritte, permanente Verkehrsbeobachtung, etc.
  • Modernes Beleuchtungssystem mittels LED Beleuchtung.
  • Absaug- und Lüftungssystem (sogenannte Voll-Quer-Lüftung) auf neuestem Stand.
  • Brandmeldekabel durchgehend im Tunnel: das ermöglicht eine Branderkennung aufgrund des Temperaturanstiegs auf acht Meter genau (zur Lokalisierung des Ereignisses im Tunnel und zielgerichteter Steuerung der Lüftungsanlage).
  • Information: Signalanlagen in und vor dem Tunnel mittels LED Anzeigen, Möglichkeit zur Einsprache direkt in die Autos durch Asfinag-Mitarbeitende sowie durch Lautsprecher-Durchsagen im Tunnel.
So sicher ist der Pfändertunnel
Auch regelmäßige Übungen der Feuerwehren gewährleisten einen reibungslosen Einsatzablauf im Ernstfall. vlach