“Herzensprojekt”: Wie zwei Frauen einer Mutter und ihrer schwer kranken Tochter helfen wollen

Martina Jussel und Stefanie Maier haben auf dem Dorfplatz in Bürs einen Glücksbringerkasten aufgestellt: Was es damit auf sich hat.
Bürs Wer bereits über den Dorfplatz in Bürs geschlendert ist, dem wird der Schrank sicher aufgefallen sein: In der Adventzeit steht hier ein Glücksbringerkasten, den Martina Jussel und Stefanie Maier vom Kinderlädile regelmäßig mit Glücksbringern befüllen. „Es ist ein Herzensprojekt“, sagt Martina. Die Einnahmen kommen einer zweifachen, alleinerziehenden Mutter aus Braz zugute, die an Brustkrebs erkrankt ist. Bei ihrer sechsjährigen Tochter wurde ein sehr seltener Gendefekt festgestellt, der kostenintensive alternative Therapien und Hilfsmittel erforderlich macht. Martina kennt die Mutter gut und war sich sofort sicher, dass die Spenden an sie gehen sollen.

Am Berg und im Tal
Die Idee des Glücksbringerkastens stammt von einem damals sechsjährigen Jungen namens Fynn aus Bludenz. Er wollte anderen eine Freude bereiten und bastelte zusammen mit seiner Mutter Corina Juriatti weihnachtliche Glücksbringer, die man gegen eine Spende mitnehmen konnte. Drei Jahre lang stand das Glücksbringerschränkchen im Winkelweg in Bludenz. Heuer zog das Schränkchen nach St. Gerold, wo nun die Walserbibliothek die Bestückung übernimmt.

Damit aber auch im Tal ein Glücksbringerkasten steht, entschieden sich Martina Jussel und Stefanie Maier, selbst einen aufzustellen und zu befüllen. Bereits im letzten Jahr hatten sie ein Brett mit Glücksbringern bestückt und damit rund 500 Euro eingenommen. Dieses Jahr wollten sie das Projekt größer aufziehen.

Bei Shpock wurden die beiden Frauen fündig: Ein alter Holzschrank sollte es sein. Der Verkäufer, David Salzgeber, war ihnen zufällig bekannt. Sie erzählten ihm von ihrer Idee und fragten, ob er den Schrank günstiger abgeben würde. Für David war es Ehrensache, ihn zu schenken. Auch für die Beschriftung fanden sie mit Mathias Brock jemanden, der die Handarbeit unentgeltlich übernahm. Patrick Jussel, Martinas Mann, verwandelte den Schrank schließlich in einen echten Glücksbringerkasten. Dass dieser überhaupt auf dem Dorfplatz stehen darf, ist Bürgermeister Georg Bucher zu verdanken, der von der Spendenaktion begeistert ist.

Kreativität ist gefragt
Im Glücksbringerkasten gibt es gegen eine Spende handgemachte Glücksbringer sowie Weihnachtskarten und Dekorationen. „Seit Oktober bin ich jeden Abend am Basteln“, erzählt Martina. Gemeinsam mit ihrem Sohn gestaltet sie Weihnachtskarten und lässt ihrer Kreativität freien Lauf. Dafür hat sie 200 leere Karten bestellt, die sie mit Aquarellfarben bemalt. Besonders begeistert ist sie vom Basteln mit Fimo, einer Modelliermasse, mit der sie Glücksbringer und originellen Christbaumschmuck kreiert. Ihr Sohn hilft dabei fleißig mit. „Ich habe immer schon gerne gebastelt, aber nicht in diesem Ausmaß“, erzählt Martina. Vor allem an die Gestaltung der Weihnachtskarten musste sie sich erst herantasten. Mittlerweile ist sie richtig kreativ geworden und hat auch das Filzen für sich entdeckt.

„Wir möchten uns bei all den Helfern bedanken, die uns mit ihren kreativen und liebevoll gestalteten Basteleien so tatkräftig unterstützen“, sagen Martina und Stefanie. Der Glücksbringerkasten wird nämlich nicht nur von ihnen befüllt: Rund zehn Frauen stellen dort ihre handgefertigten Werke ein. „Unser Herzensprojekt hat schon große Kreise gezogen“, freut sich Martina. Anfangs hatte sie Bedenken, den Schrank nicht füllen zu können, und produzierte deshalb im Vorfeld besonders viel. Doch ihre Sorgen waren unbegründet – zahlreiche Menschen helfen mit, den Schrank zu bestücken.

Mit etwas Einfachem viel erreichen
Martina und Stefanie schauen täglich nach dem Schrank. Besonders die weihnachtlich verzierten LED-Kerzen von Stefanie und die sogenannten Sorgenfresser müssen regelmäßig aufgefüllt werden. Martina ist es wichtig, dass die Spenden in der Region bleiben: „Es ist wichtig, dass vor der Haustür geholfen wird“, sagt sie. „Wir müssen gar nicht viel tun, um jemanden zu unterstützen. Schon mit etwas Einfachem können wir viel erreichen.“

Noch bis zum 2. Jänner steht der Glücksbringerkasten vor dem Kinderlädile in Bürs. Nächstes Jahr zur Weihnachtszeit soll er wieder aufgestellt werden.