
Hinter den Kulissen: Worauf es bei der Beschneiung der Pisten ankommt
Die Vorbereitungen für das Ski-Opening in der Silvretta Montafon laufen auf Hochtouren: Jürgen Kraft und Mario Tschofen sorgen hinter den Kulissen für eine perfekt präparierte Piste – auch dank künstlicher Beschneiung.
St. Gallenkirch Der erste Schnee ist gefallen. Langsam hält der Winter Einzug in den Bergen. In zwei Wochen feiert die Silvretta Montafon ihr Ski-Opening. Bis dahin ist noch einiges zu tun. Pistenchef Mario Tschofen montiert ab der Mittelstation Schneeketten auf sein Pick-up-Fahrzeug und fährt hoch zur Bergstation der Valisera Bahn auf 2100 Meter. In der Werkstatt werden die Pistenbullys für ihren Einsatz vorbereitet und letzte Wartungsarbeiten durchgeführt. Sobald der Boden von 20 Zentimetern Schnee bedeckt ist, können die Pistenbullys ausrücken.

Die Sonne verschwindet gerade hinter dem Rätschenhorn, die letzten Strahlen streifen die Bergstation, während sich im Tal der Nebel hartnäckig hält. Mit Einbruch der Nacht sinken die Temperaturen, doch noch reichen sie nicht aus, um die Pisten effizient zu beschneien, wie Jürgen Kraft erklärt.


Seit Mitte der 1990er-Jahre ist Jürgen bei der Silvretta Montafon für die Beschneiung zuständig. Insgesamt 656 Schneeerzeuger – 517 Schneekanonen und 139 Lanzen – kann er einzeln am Computer steuern. Für die Effizienz einer Schneekanone oder Lanze ist die Feuchtkugeltemperatur entscheidend, die sich aus Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur ergibt und etwa minus vier Grad betragen sollte.


Das richtige Gespür
Jürgen hat ein Gespür dafür, wann eine Beschneiung sinnvoll ist: „Minus zwei Grad ist die Schmerzgrenze. Ab da fängt es an, sich zu rentieren. Eine Schneekanone braucht Kälte; je kälter, desto mehr Schnee produziert sie.“ Neben der Temperatur, die Jürgen auf seinem Bildschirm überwacht, spielt auch der Wind eine Rolle, damit sich die Schneeerzeuger nicht selbst einschneien. Jürgen kann am Computer den Radius und die Ausrichtung jeder Schneekanone anpassen, damit die Pistenbullys weniger zu tun haben.



Das Skigebiet Silvretta Nova liegt begünstigt in einer Staulage und verzeichnet daher viel Niederschlag. Außerdem ist es hoch gelegen: 40 Prozent der Pisten liegen oberhalb von 2000 Metern, 90 Prozent oberhalb von 1500 Metern. Ein Schneedepot hat die Silvretta Montafon jedoch nicht. „Wir haben es mal versucht, aber dabei alles falsch gemacht, was wir falsch machen konnten“, lacht Mario.

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Größerer Speichersee notwendig
Die Schneekanonen und Lanzen werden nicht alle parallel betrieben – das wäre auch gar nicht möglich, erklärt Jürgen. Dafür bräuchte es einen größeren Speichersee. Der kleine Speichersee im Novatal reicht bei Weitem nicht aus, um alle Schneeerzeuger gleichzeitig unter Volllast zu betreiben, denn, je kälter es ist, desto mehr Wasser benötigen sie. Mit einem größeren Speichersee würde die Schneeerzeugung effizienter und günstiger werden, weil man bei guten Bedingungen alle Schneekanonen gleichzeitig über einen kürzeren Zeitraum laufen lassen könnte. „Mit einem Speichersee wären wir viel schlagfertiger“, ist Jürgen überzeugt.


Derzeit muss Jürgen genau abwägen, welche Schneekanone er aktiviert, um das Wasser aus dem kleinen See optimal zu nutzen. 360 Kubikmeter Wasser werden vom Pumpspeicherwerk auf die Pisten befördert. Zunächst werden die Pisten 40, 34 und 30 im Valisera-Gebiet sowie die Pisten 50 und 62 im Versettla-Gebiet beschneit. „Zuerst müssen wir eine Spur für die Pistenbullys anlegen. Jeder Zentimeter Neuschnee ist dabei eine Hilfe“, hofft Jürgen auf ergiebigere Schneefälle.



Rein vom Pistenbau her sei es vorteilhafter, wenn zuerst eine Schicht Kunstschnee auf der Piste liegt, sagt Jürgen. Daher sprühen die Schneekanonen momentan feuchten Schnee, „damit wir eine richtig harte Sohle bekommen“. Pulverschnee kommt obendrauf. Mario ergänzt: „Danach merkt man keinen Unterschied mehr, ob es ein natürlicher oder technischer Schnee ist.“


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Modernste Technik
Dabei liegt die Silvretta Montafon mit der Beschneiung deutlich unter dem österreichweiten Durchschnitt. Grund ist die moderne Ausstattung der Pistenbullys, die Sensoren zur Messung der Schneehöhe auf der Piste integriert haben. Dadurch kann der Schnee gezielt dort verteilt werden, wo er benötigt wird. „Manche Stellen brauchen zwei Meter Schnee, andere nur 20 Zentimeter“, erklärt Mario. „Ohne technischen Schnee würden wir einige Pisten, wie die Hauptpisten 40 und 50, nicht über den Winter bringen.“ Das Grasjoch dagegen ist „ein richtiges Schneeloch“ mit überwiegend Naturschnee.


Wo es zuerst schneit, lässt sich kaum vorhersagen. „Jedes Jahr ist es anders“, sagt Mario. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist wieder Schnee gefallen, doch eine größere Menge blieb aus. Mario und Jürgen hoffen auf die kommende Woche, die endlich den langersehnten Schneefall bringen soll. „Unser Ziel ist es, zu Weihnachten alle Pisten offen zu haben“, sagt Jürgen.




