Rechtskräftige Anklage: Polizist soll Enkelinnen missbraucht haben

Ein einst führender Polizeibeamter muss wegen der Vorwürfe schwerer Verbrechen vor Gericht.
Feldkirch Der Pflegesohn des nunmehr Angeklagten ist bereits im September nicht rechtskräftig wegen mehrerer Sexualdelikte im Verwandtenkreis am Landesgericht Feldkirch verurteilt worden (die VN berichteten). Nun ist auch sein einstiger Pflegevater, damals einst ein hochrangiger Polizeibeamter, angeklagt. Auch bei ihm geht es unter anderem um eine Vielzahl an Sexualdelikten. Der heute 75-Jährige, einst geschätzter Fachmann in einem Spezialbereich, bestreitet jedoch sämtliche ihm vorgeworfenen Sexualdelikte. Zum Rest der Vorwürfe wie unerlaubter Waffenbesitz, Verletzung des Amtsgeheimnisses gäbe es Erklärungen.
Was die Schilderungen der angeblichen Opfer, seine beiden Enkelinnen, betrifft, sei alles “erfunden und verlogen”. Einige Verwandte des Angeklagten stimmen dem zu. Bei einem Kind begannen die Übergriffe laut Anklage im Alter von neun Jahren, bei der anderen Enkelin mit zwölf Jahren. Heute sind die beiden Frauen erwachsen. Gründe, warum sie erst spät ihr Schweigen brachen, gibt es mehrere.
“Fesselspiele”
Die beiden Mädchen hielten sich oft bei den Großeltern in der Dienstwohnung in Bregenz auf. „Als das eine Opfer neun Jahre alt war, musste es mit dem Opa einen Mittagsschlaf machen“, wird in der Anklage aufgeführt. Dabei kam es angeblich zu sexuellen Übergriffen. Diese wurden laut Anklage über zwei Jahre lang wiederholt praktiziert. Auch beim Italienurlaub soll es zu Missbräuchen gekommen sein, unter anderem „Fesselspiele“.

Ein Mädchen soll dabei vor Schmerzen gejammert haben, doch der Opa meinte, es sollte sich entspannen, dann werde es angenehm. So schildert es zumindest die Anklagebehörde. Auch die zweite, damals zwölfjährige Enkelin schildert ein beinahe gleiches Vorgehen.
Mit Fotos eingeschüchtert
Die Mädchen hatten Angst. Zum einen galt der Mann als geschätzter Polizeibeamter, der “die Bösen einsperrt”. Zum anderen sahen sie oft die Dienstwaffe des Beamten und fürchteten sich. Nicht zuletzt – und das wird als Verletzung des Amtsgeheimnisses angeklagt – soll der Mann immer wieder Fotos von Tatorten, Leichenteilen, Brandleichen, von vom Zug getöteten Menschen und dergleichen herumgezeigt haben. Auch das machte den Kindern Angst. Laut Anklage soll der Ex-Polizist die Mädchen auch öfter nackt fotografiert haben.
“Gemein und niederträchtig”
Als die Opfer einmal den Versuch machten, ihr Schweigen zu brechen, seien sie als Lügnerinnen abgestempelt worden. Vor allem die Großmutter war in Rage, derart „verlogene“ Enkelinnen zu haben. Eines der Opfer erlitt laut dem psychiatrischen Sachverständigem Reinhard Haller eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Vorgehensweise des einst angesehenen Polizeibeamten wird auf über dreißig Seiten als „äußerst gemein und niederträchtig“ geschildert. Und die Vorwürfe haben – wie so oft – die Familie in zwei Lager gespalten. Opferanwältin Olivia Lerch steht jedenfalls auf der Seite der beiden jungen Frauen, die froh sind, nun endlich gehört zu werden. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.