Warum der Kiesabbau in Bürserberg für einen Familienkonflikt sorgt

In Bürserberg sorgt ein Konflikt zwischen “Kies-Baron” Herbert Zech sen. und seinem Sohn für Aufsehen. VN.AT kennt die Hintergründe.
Bürserberg Wenn man nach Bürserberg fährt, fällt einem sofort das Förderband auf, das über die Landesstraße führt. Herbert Zech sen., ehemaliger Geschäftsführer von Zech Kies, wollte den Kiesabbau am Ortseingang von Bürserberg verhindern. Statt hier auf 3,1 Hektar eine Aushubdeponie zu eröffnen, fordert Herbert Zech sen. die Fortführung des Kiesabbaus im Schesamurbruch oberhalb von Bürserberg. Seit 1995 wurden im Schesamurbruch schon sieben Millionen Kubikmeter Kies abgebaut, ein Mehrfaches von dieser Menge kann noch abgebaut werden. Da der Kies einen hohen Lehm- und Schlammanteil hat, mussten schon zwei Millionen Kubikmeter Schlamm entsorgt werden. Doch da der Teich zur Ablagerung des Waschschlamms voll war, wurde der Abbau letztes Jahr August gestoppt.



Wieder in Betrieb
Herbert Zech jun. informiert, dass im Schesamurbruch jetzt wieder abgebaut wird: „Seit gut zwei Monaten sind wir wieder im Normalbetrieb.“ Am 20. November findet noch die behördliche Verhandlung für den nächsten Abbauabschnitt statt. „Die Sanierung des Murbruchs hat für uns zwei große Herausforderungen.“ Erstens ist das gewonnene Material stark mit Feinteilen durchsetzt, welche für die Herstellung eines hochwertigen Baustoffes ausgewaschen werden müssen. Dadurch fallen große Mengen an Waschschlamm an, der im Tal abgelagert werden muss. Zweitens müssen im Winter aufgrund der Höhenlage des Schesamurbruchs die Arbeiten eingestellt werden. Der Bedarf an Sand, Kies und Schotter ist aber auch im Winter vorhanden.



Aus diesen Gründen wurde von 2014 bis 2024 in Nüziders von Zech Kies der Steinbruch Tschalengaberg betrieben. Einerseits, um Kalkstein als Baustoff, speziell in den Wintermonaten, zu gewinnen, anderseits, um einen Hohlraum für die spätere Waschschlammeinlagerung herzustellen. Da der letzte Abschnitt des Steinbruchs Tschalengaberg erst Mitte 2024 fertig abgebaut wurde, musste mit der Waschschlammeinlagerung aus dem Schesatobel bis dahin gewartet werden.


Der Schesamurbruch ist der größte Murbruch Europas. Insgesamt sind im Laufe der letzten 200 Jahre ca. 40 Millionen Kubikmeter Material teils bis in die Ill abgedriftet. Trotz Verbauungen ist der Hang nach wie vor in Bewegung. „Die Gefahr, dass beim Schesamurbruch loses Material herunterkommt, ist nach wie vor da“, bestätigt Bürgermeister Fridolin Plaickner. Jedoch ist die Gefahr um einiges geringer als noch vor 20 Jahren, denn je mehr abgebaut wird, desto sicherer wird der Schesamurbruch.



„Trauriger Anblick“
Das lose Material im Schesamurbruch muss also so weit abgetragen werden, bis eine flache Böschung entsteht, bzw. der Fels zum Vorschein kommt. „Der Schesamurbruch ist auf 100 Jahre ausgelegt“, sagt Herbert Zech sen. Damals musste er noch ein unterirdisches, 3,5 Kilometer langes Förderband errichten. Das war die Auflage der Behörde. Jetzt konnte Herbert Zech jun. ein oberirdisches Förderband bauen, das über die Landesstraße führt, was wiederum Herbert Zech sen. ein Dorn im Auge ist. Er wollte den neuen Kiesabbau verhindern und gerichtlich einstellen, hat der Zech Privatstiftung auch seine Bedenken mitgeteilt, doch der Vorstand entschied sich nicht gegen das Projekt, wie von ihm erhofft. Das Kiesförderband – ein „optischer Eingriff in die Natur“ – ist für Herbert Zech sen. „ein trauriger Anblick“.


Mehrere Vorteile
Herbert Zech jun. verteidigt das neue Projekt. Da die Winterversorgung aufgrund des ausgesteinten Steinbruchs Tschalengaberg nicht mehr gesichert war, musste ein Ersatz her. „Das Projekt Nikadenas am Anfang von Bürserberg hat aus unserer Sicht mehrere Vorteile: Der Kies ist hochwertig, da er wenige auszuwaschende Feinteile enthält. Er liegt auf einer Höhe, auf der ein Abbau auch im Winter möglich ist. Die Lage ermöglicht es, mit einem 350 Meter langen Förderband den Kiesabtransport an die bestehende Förderbandanlage Schesatobel anzuschließen. Der durch den Abbau entstehende Hohlraum kann gut für die Wiederverfüllung mit Bodenaushub (von externen Baustellen) genutzt werden. Dadurch wird das Land doppelt genutzt. Zuerst für die Rohstoffgewinnung, dann für die Einlagerung von Bodenaushub. Am Ende schaut alles gleich aus wie davor.“


