Vom Kassier zum Betriebsleiter: Herbert Bischof verabschiedet sich nach 35 Jahren von den Seilbahnen Sonntag-Stein

Nach 35 Jahren als Betriebsleiter der Seilbahnen Sonntag-Stein übergibt Herbert Bischof sein Amt an seinen Nachfolger Marco Bischof. Doch auch in seiner Pension bleibt die Seilbahn immer im Sichtfeld – wohnt er doch direkt bei der Seilbahnstütze.
Sonntag Seit 35 Jahren arbeitet Herbert Bischof bei den Seilbahnen Sonntag-Stein. Zuerst war er Kassier, doch dann kündigte der damalige Betriebsleiter, und aus der Not heraus übernahm Herbert Bischof den Posten des Betriebsleiters. Eigentlich wollte er nur vorübergehend aushelfen und hatte anfangs „nicht viel Freude daran“, doch irgendwie sei er mit der Zeit „hineingewachsen“, und so wurden aus einer Übergangslösung 24 Jahre.

Der neue Betriebsleiter heißt ebenfalls Bischof mit Nachnamen, doch verwandt sind die beiden nicht. Marco Bischof aus Sonntag ist 46 Jahre alt und hat erst kürzlich die Betriebsleiterprüfung erfolgreich abgeschlossen. Denn eigentlich ist er gelernter Tischler, Schlosser und Zimmerer, hatte eine eigene Firma, doch er wollte sich beruflich verändern, sah die Stellenausschreibung und bewarb sich darauf. „Es ist nicht einfach, jemanden zu finden“, sagt Herbert Bischof, und er ist daher froh, mit Marco Bischof eine adäquate Nachfolge gefunden zu haben.
Starker Wind und viel Schnee
In den 35 Jahren hat er schon einige Höhen und Tiefen miterlebt, erzählt Herbert Bischof. Er erinnert sich an den schweren Winter 1999/2000, der sehr lawinengefährlich war. „Auf der Breithornhütte waren fünf Tage lang die Leute eingeschlossen. Als Liftbetreiber kannst du aber nichts dafür.“ Herausfordernder für die Seilbahn ist viel mehr der Wind. Bei starkem Wind müsse man gut einschätzen können, ab wann man die Seilbahn nicht mehr fahren lässt.

Viele Familien kommen nach Sonntag-Stein und testen den neuen Klettergarten, den Spielplatz oder den Pizzaofen. Letzteres gibt es nur hier, wie Herbert Bischof erklärt: Rund 2000 gefrorene Pizzen wurden im Sommer an Familien ausgegeben. Mit der Pizza im Gepäck wandert man zum Lehmofen, der beim Spiel- und Grillplatz steht, und lässt die Pizza dort knusprig braun werden. In dem weitläufigen Gebiet rund um Sonntag-Stein kommen aber auch Mountainbiker und Wanderer auf ihre Kosten. „Das Schönste für mich ist, wenn die Leute zufrieden ins Tal zurückkehren“, sagt Herbert Bischof.

Wohnen direkt bei der Seilbahn
Herbert Bischof schätzt das Gebiet ebenfalls, wohnt er doch direkt an der Seilbahnstütze. Hier ist er aufgewachsen, und hier wird er auch seine Pension verbringen. Doch alleine ist er nicht, denn neben seiner Familie leisten ihm 70 Schafe Gesellschaft. Der 63-Jährige ist Schafhirte und hat eine Lämmerzucht. Und wenn etwas mit der Seilbahn wäre oder Marco eine Vertretung bräuchte, dann ist er als Stellvertreter nach wie vor zur Stelle. Denn als (stellvertretender) Betriebsleiter ist es wichtig, dass man schnell ausrücken kann, wenn ein Problem auftaucht.
Dass Herbert Bischof so abgelegen wohnt, stört ihn nicht. Wenn er Erledigungen zu machen hat oder seine zwei Kinder in die Schule müssen, nehmen sie einfach die Seilbahn. Er weiß aber auch, dass das Leben auf einem Berghof nicht immer so unbeschwerlich war: „Wir bekamen erst 1984 ein Telefon. Davor mussten wir zum Telefonieren ins Tal fahren, weil wir sonst nichts erfahren hätten.“

Potenzial noch mehr ausschöpfen
Während die Konzession für die Pendelbahn bis 2050 verlängert wurde, muss der Sessellift womöglich bald ersetzt werden. Überlegungen zur Entwicklung von Sonntag-Stein wurden seitens der Gemeinde bereits angestoßen, konkrete Ideen gibt es aber noch keine. Ginge es nach Marco Bischof, könnte das Gebiet durchaus noch mehr Betten vertragen. Mit drei Gasthäusern sei man dagegen schon gut aufgestellt. Gerade beim Sommertourismus gibt es laut Marco Bischof aber noch Luft nach oben, während das kleine Skigebiet im Winter bereits gut besucht ist. Die Seilbahn Sonntag-Stein hat noch bis zum 27. Oktober geöffnet, bevor sie in Revision geht.