Warum für Lena* die Schule zum Trauma wurde

“Das ist total verwerflich!” Schwere Vorwürfe gegen Direktorin der MS Marienberg. Diese wehrt sich.
Bregenz Ein außergewöhnlicher Fall von Mobbing beschäftigt derzeit die Bildungsdirektion Vorarlberg. So soll die 14-jährige Lena* an der Mittelschule Marienberg über längere Zeit wie eine Aussätzige behandelt worden sein. Das Ungewöhnliche daran: Die Schülerin, die mittlerweile ein AHS-Oberstufengymnasium besucht, wurde nicht etwa von Mitschülerinnen bzw. Mitschülern gemobbt, sondern augenscheinlich von Direktorin Elisabeth Buchli. Franziska Begle* (34), die Mutter des Teenagers, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Schulleiterin. “Weil sie mit mir, als Mitarbeiterin der Schule am Standort, ein Problem hatte, ließ sie es an meiner Tochter aus. Das ist total verwerflich.”

Anrüchige Vorkommnisse
Laut Aussage der Mutter habe die Direktorin sie unter Druck gesetzt, “weil ich über anrüchige private Vorkommnisse Bescheid wusste, die sie geheim halten wollte. Ich fühlte mich erpresst. Ich ließ mir diesen Umgang nicht gefallen”.
Tatsache ist: Lena, über die in der Bildungsdirektion kein grobes Fehlverhalten bekannt ist, erlebte vor allem am Ende des Schuljahres Schlimmes. So verbot ihr die Direktorin den Schulbesuch in der letzten Schulwoche. “Wir haben das natürlich nicht zugelassen. Auch als die Direktorin behauptete, sie habe das mit der Mutter des Kindes ausgemacht. Eine Suspendierung von der Schule ohne schwerwiegenden Grund ist gesetzlich unzulässig”, bestätigt Monika Steurer, pädagogische Leiterin der Bildungsdirektion, die geplante Maßnahme der Schulleiterin.

Gezittert und geweint
Noch härter traf das Mädchen das von der Direktorin ausgesprochene Verbot zur Teilnahme an der Abschlussfeier. “Meine Tochter hat gezittert und geweint. Sie wollte doch ihre KlassenkameradInnen noch einmal sehen. Das war unfassbar”, beschreibt Mutter Franziska ihre damalige Gefühlslage. Schließlich wurde Lena von den Eltern einer Klassenkameradin als “Gast” einfach zur Abschlussfeier mitgenommen. Auf den Schulbesuch in der letzten Woche verzichtete Lena schließlich. Nachdem sie erfuhr, dass die Direktorin sie getrennt von der Klasse in einen Raum verbannen wollte. Den SchülerInnen der Klasse wurde zuvor ausdrücklich verboten, mit Lena zu sprechen oder in anderer Form mit ihr in Kontakt zu treten.

Juristische Schritte
Gegen die Direktorin gehen die Mutter und Vater Begle nun juristisch vor. Von Rechtsanwalt Stephan Wirth wurde eine Dienstaufsichtsbeschwerde forumliert. Auch in der Bildungsdirektion läuft eine Untersuchung der Causa. Vom Schulträgerverein Marienberg äußerte sich Geschäftsführerin Heike Hartmann. “Ich wäre gerne über die Entwicklungen an der Schule früher informiert worden. Die derzeitige Untersuchung der Bildungsdirektion möchte ich nicht kommentieren.”

Elisabeth Buchli gab zur Sache eine schriftliche Stellungnahme ab: Demnach habe die Mutter MitschülerInnen ihrer Tochter dafür missbraucht, sie auf ihre Seite zu ziehen und die damalige Kontrahentin, eine Mitschülerin, in ein schlechtes Licht zu rücken. “Sie hat Minderjährige für ihre Zwecke manipuliert und verunsichert. Weinend hat mir eine Schülerin in der Direktion erklärt, dass sie mit dieser Situation völlig überfordert ist.” Mutter und Tochter hätten schwerwiegende Anschuldigungen und Lügen verbreitet. “Als Schulleiterin bin ich für den Schutz und die Sicherheit der uns anvertrauten Kinder verantwortlich”, hielt Buchli in ihrer Stellungnahme fest.
*Namen von der Redaktion geändert