Es hätten tatsächlich die Dämme brechen können …

Die Regenmassen von Niederösterreich wären für Vorarlberg speziell am Rhein eine riesige Herausforderung gewesen.
Lustenau, Bregenz Von “reinem Glück, dass es nicht uns erwischt hat” sprach Landeshauptmann Markus Wallner (57) vor dem Hintergrund der Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich. Tatsächlich bestätigen auch Experten, dass die Regenmengen von Niederösterreich in Vorarlberg katastrophale Folgen haben hätten können.
Riesige Regenfläche
Thomas Blank, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Land, hat sich über die Katastrophe in Ostösterreich seine Gedanken gemacht. “Man muss sich vorstellen: Da hat es über eine riesige Fläche zum Teil über 400 Liter pro Quadratmeter geregnet. Das war also nicht nur eine kleinere lokale Regenzelle. Kommen solche Regenmengen im Einzugsgebiet des Rheins, etwa in Graubünden,herunter, dann würden wir tatsächlich an Grenzen stoßen. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit für ein Hochwasserereignis wäre da natürlich gewesen.”

Hochwasserchecker
Am gefährlichsten ist ein Fluss immer dort, wo die größten Wassermassen an engster Stelle zusammenkommen. Im Fall des Alpenrheins wäre das im Bereich Lustenau/Widnau, dort, wo der Fluss einen Knick macht und die Durchflusskapazität am Geringsten ist. Meterhoch könnten Teile von Lustenau im Falle von Dammbrüchen und Überschwemmungen im Wasser versinken. Freilich können Dämme auch schon viel früher brechen, wenn sich die Wassermassen vom Illspitz Richtung Bodensee wälzen. Der Hochwasserchecker auf der Homepage des “Rhesi”-Projekts gibt jedem Bürger Auskunft über die Folgen bei verschiedensten Szenarien an seinem Standort. (https://rhesi.org/)

100-jährliches Hochwasser
Auch Rheinbauleiter Mathias Speckle macht sich keine Illusionen. “Die Wetterlage von Niederösterreich hätten auch wir haben können. Das hätte kritisch werden können.”

Ob ein Hochwasser zur Katastrophe wird, hängt von einigen Faktoren ab. Neben der Regenmenge kann das zum Beispiel die Scheefallgrenze sein. Liegt diese weit unten, ist das naturgemäß viel gefährlicher.

“Der jetzige Bestand am Rhein ist auf ein 100-jährliches Hochwasser ausgelegt. Auf mehr nicht. Die Dämme halten ein Überströmen nicht aus und würden höchstwahrscheinlich brechen. Bei der Umsetzung von Rhesi ist das Überfluten kontrollierbar und die Dämme sollten das aushalten”, sagt Speckle.