Nächtliche Rituale: Vorarlberger „Wunderheilerin“ sorgte tatsächlich für Wunder – in ihrer eigenen Kasse

VN / 04.09.2024 • 12:42 Uhr
Gericht
Mystik und Übersinnlichkeit waren die Grundlagen der “Heilkunst” der Angeklagten. symbol/apa

Am Landesgericht Feldkirch steht ein ungewöhnlicher Betrugsprozess an. Einer, bei dem es um zahlreiche Opfer geht – und sehr viel Geld.

Feldkirch Die Anklage der Staatsanwaltschaft Feldkirch betrifft eine 57-jährige Frau aus dem Unterland und ist nur so gespickt mit unerhörten Vorwürfen. Die Beschuldigte wird unter anderem wegen schweren Betrugs angeklagt. Mit ihren Machenschaften soll sie bereits im Jahr 2011 begonnen haben. Und zwar an mehreren Orten Vorarlbergs.

Opfer nahestehende Personen

So brachte es die 57-Jährige laut Anklage zustande, nahestehenden Personen vorzuspielen, dass sie an schweren Krankheiten leiden würden. Sie aber könne ihre Gebrechen und Probleme durch ihre Heilkunst lösen. Versteht sich aber auch, dass dies nicht kostenfrei geschah.

Fast eine halbe Million Euro

So gelang es der Frau laut Anklageschrift, zwölf Personen um mehr als 478.000 Euro zu betrügen. Der Gewinn soll von der Beschuldigten nicht steuerlich deklariert worden sein. Stattdessen habe die nunmehr 57-Jährige nebenbei Sozialhilfe bezogen und damit auch den Staat um rund 41.000 Euro betrogen.

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Die Beschuldigte bewerkstelligte ihre Behanldungen in nächtlichen Ritualen. symbol/AP

Doch wie konkret war ihre Vorgehensweise bei den „Patienten“, von denen sie konsultiert wurde? Richter Dietmar Nußbaumer von der Öffentlichkeitsarbeit des Landesgerichtes gewährte den VN einen kurzen Einblick in die Anklageschrift. „Die Frau bewerkstelligte ihre angeblichen Heilmethoden im Rahmen von übersinnlichen, nächtlichen Ritualen.“

Physische und psychische Leiden

Dabei soll es nicht nur um gesundheitliche, sondern auch psychische Probleme gegangen sein. „In einem Fall versprach diese Wunderheilerin einer Frau, deren Beziehung zu ihrem ehemaligen Ehegatten wieder herzustellen“, so Nußbaumer. In einer anderen Angelegenheit soll die Angeklagte einer weiteren Patientin versichert haben, deren alkoholkranken Ehemann von seiner Sucht „los zu zaubern“.

Und schließlich waren da auch noch Schmerzen im Hals einer leidenden Kundin, die sie durch ihre Rituale zu lindern versucht habe. Doch dies nur als einige Beispiele aus dem umfassenden Spektrum der „Heilkunst“, das in der kommenden Verhandlung zutage gebracht wird.

Der Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes Feldkirch. Hier wird der Mordprozess verhandelt, ein Termin steht noch nicht fest.  Stadt Feldkirch
Der Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes Feldkirch wird wieder einmal zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Prozesses. Stadt Feldkirch

Seit November in Haft

Im vergangenen November klickten für die mutmaßliche Betrügerin die Handschellen.  Seither befindet sie sich in U-Haft, der Schöffenprozess startet am kommenden Dienstag um 9 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landesgerichtes Feldkirch.