Nach tödlicher Messerattacke: Wie sicher sind Vorarlbergs Polizisten?

In Mannheim wurde ein Polizist auf offener Straße niedergestochen. In Feldkirch war eine Frau angeklagt, die eine Axt nach Polizeibeamten warf. Welche Maßnahmen ergreift die Polizei, um sich gegen so brutale Angriffe zu wappnen?
Bregenz In Mannheim wurde vergangene Woche ein Polizist mitten auf dem Marktplatz mit einem Messer angegriffen. Der Täter wurde angeschossen und außer Gefecht gesetzt. Der 29-jährige Polizeibeamte erlag zwei Tage nach dem Angriff im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Immer häufiger wird über Tätlichkeiten gegen Polizisten berichtet. Tragische Fälle wie jener aus Mannheim zeigen die Gefahren, denen Exekutivbeamten bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind. Ebenso werfen solche unfassbaren Taten die Frage auf, wie gut die heimische Polizei auf derartige Bedrohungen vorbereitet ist und wie sich die Sicherheitslage im Land darstellt.

Besorgniserregende Entwicklung
Ein Blick auf die Statistik zeigt auch für Vorarlberg eine besorgniserregende Entwicklung. Die Delikte “Widerstand gegen die Staatsgewalt” und “Tätlicher Angriff auf einen Beamten” sind vom Jahr 2022 (129) auf 2023 (155) um 20 Prozent gestiegen. “In der Vergangenheit hat es in Vorarlberg keine derartigen Angriffe wie in Mannheim gegeben. Es liegen aktuell auch keine konkreten Hinweise auf solche Straftaten vor”, erklärt Fabian Marchetti, Pressesprecher der Landespolizeidirektion Vorarlberg.

Angriff mit Axt
In der polizeilichen Anzeigenstatistik wird jedoch nicht zwischen den Formen der Gewalt differenziert, sodass keine detaillierte statistische Auswertung möglich ist. “Die Angriffe auf Polizisten in Vorarlberg sind fast ausschließlich körperlicher Natur”, beschreibt Marchetti die Situation im Land. “Angriffe mit Messern oder Waffen gab es in Vorarlberg bisher keine”, berichtet der Polizist. Eine Ausnahme bilde ein kürzlich beim Landesgericht Feldkirch verhandelter Fall, bei dem eine Frau eine Axt nach Polizeibeamten warf.
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Gefährliche Verfolgungsjagd
Ein weiteres aktuelles Beispiel kommt aus dem Oberland. Am 30. Mai drohte ein Mann aus dem Bezirk Bludenz, das Landeskrankenhaus Rankweil aufzusuchen und mit Steinen anzugreifen. Die Polizeiinspektion Rankweil reagierte sofort, konnte den Mann jedoch zunächst nicht finden. Kurz darauf wurde er tatsächlich mit Steinen vor dem Krankenhaus angetroffen. Beim Versuch, ihn anzuhalten, stieg er in sein Fahrzeug und flüchtete.
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Während der Verfolgung mussten zwei Polizeistreifen auf einer engen Straße zur Seite springen, um nicht angefahren zu werden. Der Mann führte wiederholt gefährliche Vollbremsungen durch und rammte mehrere Polizeifahrzeuge. Erst in Bludesch konnte der Pkw gestoppt werden, nachdem er von der Straße abgekommen war und in einem Bachbett zum Stillstand kam. Vier Polizisten wurden bei diesem Einsatz verletzt, drei Dienstfahrzeuge beschädigt.
Schutzmaßnahmen für Polizisten
Marchetti erläutert die Maßnahmen, die in Vorarlberg getroffen wurden, um die Einsatzbeamten zu schützen: „Bereits seit mehreren Jahren ist der Umgang mit einem Messerangreifer wichtiger Bestandteil des wiederkehrenden Einsatztrainings. Seit 2018 ist zudem jede Polizistin und jeder Polizist mit einem ballistischen Gilet ausgestattet, welches über einen Stichschutz verfügt“, erklärt er. Zudem beobachte die Vorarlberger Polizei die Entwicklungen in unterschiedlichsten Richtungen regional, national, aber auch international und passe sowohl Gefährdungseinschätzungen, Sensibilisierungen und letztlich auch die Einsatztaktik an die aktuellen Erkenntnisse an.