T-Shirt im Februar, Winteranorak im April: Was ist mit dem Klima los?

VN / 24.04.2024 • 14:11 Uhr
T-Shirt im Februar, Winteranorak im April: Was ist mit dem Klima los?
21. April 2024. Solche Bilder, aber ohne blühende Blumen, hätte man sich im Jänner und im Februar gewünscht. VN/Stiplovsek

Das Wetter wird extremer. Doch der April war immer schon für verrückte Kapriolen gut.

Bregenz, Innsbruck, Wien 29,2 Grad Celsius wurden am 8. April an der Wetterstation Bregenz gemessen. Tags darauf waren es 5,6 Grad. Ein Temperaturunterschied von 23,6 Grad innerhalb von wenigen Stunden. “Das sind natürlich schon riesige Temperatursprünge”, räumt Susanne Lentner, erfahrene Meteorologin der GeoSphere Innsbruck ein. Nachsatz: “Aber es gibt im April eben immer wieder solche Wetterphänomene”, erklärt die Expertin.

Polar trifft Mittelmeer

Aussagen zum Klimawandel will Lentner nicht tätigen. “Ich bin Meteorologin und keine Klimatologin. Als solche kann man die Kapriolen im vierten Monat des Jahres natürlich erklären.” Die Mitarbeiterin der GeoSphere Innsbruck. Sie spricht von der zu dieser Zeit noch ausgeprägten Polarluft im Norden und der Meeresluft vom Süden, die miteinander ringen und letztlich extreme Schwankungen verursachen. “Es gibt im April auch immer wieder beträchtliche Temperaturunterschiede zwischen Boden und Höhe”, hält Lentner fest und erlaubt sich dann doch auch die Preisgabe ihrer subjektiven Wahrnehmung. “Ich hab’ schon das Gefühl, dass die Intensität her Extremwetterlagen markanter geworden sind.”

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So sah es noch eine Woche vor dem erneuten Wintereinbruch aus. Am Bodensee dominierten bereits wahre Sommergefühle. VN/Paulitsch

Das Potenzial des April

An der 30 Grad-Marke schrammte Vorarlberg im diesjährigen April knapp vorbei. Doch das war nicht immer so. 2012, exakt am 28. April, wurden in Feldkirch schon 31,20 Grad gemessen. “Der April hat eben das Potenzial, extreme Unterschiede zu produzieren”, meint Lentner. Sie erkennt auch gar keine Häufung dramatischer Gegensätze in den letzten Jahren. Und dass der April eben tut, was er will, ist mehr als nur ein geflügeltes Wort.

Der warme Atlantik

Die Besonderheit des April mit völlig unterschiedlichen Wetterphänomenen bestätigt auch Alexander Orlik, Klimatologe der GeoSphere in Wien. Da will der Experte auch keinen Einfluss des Klimawandels erkennen.

<p class="caption">Meteorologe Orlik: „Haben jetzt viel­leicht ein Plateau erreicht.“<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker">Lusser</span></p>

Viel mehr erkennt Orlik diesen in den Wochen zuvor. “Wir hatten über Wochen und Monate viel zu warme Temperaturen. Vor allem der Februar war viel zu warm. Der Wärmste in der Messgeschichte. Die milde Phase dauerte praktisch von der zweiten Jännerhälfte bis in den April. Die Länge dieser Periode ist außergewöhnlich.” Dass bestimmte Wetterlagen grundsätzlich zu lange dauern, ordnet Orlik dem Klimawandel zu.

T-Shirt im Februar, Winteranorak im April: Was ist mit dem Klima los?
Der Atlantik wird immer wärmer. Das hat Auswirkungen auf die Temperatur in Mitteleuropa. VN/Rhomberg

Eine klimatologische Erklärung findet der Experte auch in der Tatsache, dass der Nordatlantik viel zu warm ist und daher entsprechende Luftmassen erzeugt. “Das spüren Vorarlberg und Tirol mehr als andere”, erklärt Orlik.